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Montag, 25. November 2013

Internationale Scholastik-Tagung in Köln

Erstmals im deutschen Sprachraum findet am 7. und 8. Dezember in Köln eine Tagung mit den bekanntesten Vertretern des analytischen Thomismus bzw. des Neoaristotelismus statt.
Schwerpunkt der Tagung, die vom Kölner Lindenthal-Institut in Zusammenarbeit mit dem Verlag editiones scholasticae veranstaltet wird, ist eine Auseinandersetzung zwischen analytischer und scholastischer Philosophie. Entsprechend lautet der Titel der Tagung: New Scholastics Meets Analytic Philosophy.

Donnerstag, 7. November 2013

Was ist Wissen?

Wenn jemand davon überzeugt ist, das etwas der Fall ist und er rationale Gründe für diese seine Überzeugung anführen kann, dann wird er behaupten, dass er wisse, dass dies der Fall ist. Dementsprechend wird in der Gegenwartsphilosophie Wissen definiert als wahre, gerechtfertigte Überzeugung. Doch gegen diese Definition wurden verschiedene Einwände erhoben, von denen das sogenannte Gettier-Problem das bekannteste und wichtigste ist. Das Problem wird benannt nach dem Philosophen Edmund Gettier. Er hat argumentiert, dass die Bedingungen für Wissen, nämlich die Wahrheit der Überzeugung und die Rechtfertigung für die Überzeugung nicht hinreichend sind, um von Wissen zu sprechen.

Freitag, 11. Oktober 2013

Thomas Nagel jetzt auf deutsch

Das von mir bereits im Juni kurz erwähnte und besprochene Buch des führenden amerikanischen Philosophen Thomas Nagel ist seit heute auf deutsch im Suhrkamp Verlag erschienen. Das Buch Mind and Cosmos. Why the Materialist Neo-Darwinian Conception of Nature is Almost Certaintly False (deutsch: Geist und Kosmos. Warum die materialistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist) gehört in den USA seit einem Jahr zu den am meisten diskutierten philosophischen Schriften und zwar nicht nur in Fachzeitschriften, sondern sogar in Tageszeitungen. Viele materialistische Philosophen, und das ist die Mehrzeit in den USA wie auch in Europa, reagieren geradezu empört auf das neue Buch von Nagel, der selbst bekennender Materialist ist, aber im Unterschied zum Mainstream die Grenzen einer materialistischen Weltanschauung erkannt hat.

Dienstag, 17. September 2013

Repräsentationalismus?

Je nach dem, welche philosophische Position von jemandem vertreten wird, wird der aristotelisch-thomistischen (A-T) Erkenntnistheorie einmal ein “naiver Realismus”, ein andermal eine repräsentationalistische Theorie der Erkenntnis unterstellt. Der Repräsentationalismus ist, ganz allgemein gesagt, die Auffassung, dass es mentale Repräsentationen gibt. Und in dieser allgemeinen Form ist es richtig, dass die aristotelisch-thomistische Philosophie zum Repräsentationalismus zu zählen ist. Allerdings versteht man unter dem Begriff Repräsentationalismus viel mehr als nur, dass es mentale Repräsentationen gibt. Dass es solche Repräsentationen gibt wird nämlich von fast niemanden, außer von sogenannten direkten Realisten bestritten, mit denen ich mich heute aber nicht beschäftigen möchte.

Dienstag, 27. August 2013

Jetzt auch auf Deutsch

Der Verlag editiones scholasticae hat jetzt eine deutsche Übersetzung des Buches „The System of Thomas Aquinas“ unter dem deutschen Titel „Die Philosophie des Thomas von Aquin“ veröffentlicht. Es ist sicher eines der besten Einführungen in die Gedankenwelt des Aquinaten und der aristotelisch-scholastischen Philosophie insgesamt.

Samstag, 24. August 2013

Das Gute ist immer und überall…

In der modernen Moralphilosophie wird die Qualität „das Gute“ häufig als eine außergewöhnliche Eigenschaft dargestellt, die nur moralischen Handlungen zukommt. Dadurch bleibt aber ungeklärt, woher diese Qualität kommt und worin sie ihr ontologisches Fundament hat. Dies wiederum hängt wesentlich damit zusammen, dass die neuzeitliche Moralphilosophie nicht viel für Ontologie und Metaphysik übrig hat und der Auffassung ist, dass man Ethik auch ohne Metaphysik betreiben kann, ja sogar sollte. Die klassische Philosophie ist hier anderer Auffassung.

Sonntag, 4. August 2013

Sterbliche Seelen. Philosophie der Biologie

Was in der klassischen Philosophie unter dem Titel „philosophische Psychologie“ firmierte, existiert so in der modernen Philosophie nicht mehr. Ein Teil dieses umfassenden philosophischen Fachgebietes wird in der analytischen Philosophie der Gegenwart in drei verschiedenen Teilgebieten behandelt. Da ist zunächst die Philosophie der Biologie, dann die Philosophie des Geistes und schließlich die Erkenntnistheorie. Jedes dieser drei Gebiete behandelt nur einen Ausschnitt dessen, was früher unter philosophischer Psychologie thematisiert wurde. Die 14. These der 24 bestätigten Thesen der thomistischen Philosophie, die ich in diesem Blog von Zeit zu Zeit erläutere, bezieht sich auf die Philosophie der Biologie, bzw. auf die „Seele“ der Pflanzen und Tiere. Weil es um die Seele der Pflanzen und Tiere geht, fällt diese Untersuchung in der klassischen Philosophie in die philosophische Psychologie.


Freitag, 26. Juli 2013

„Grundkurs Philosophie 2“ erschienen

Der zweite Band des von Rafael Hüntelmann verfassten „Grundkurs Philosophie“ ist erschienen. Thema dieses Buches ist die Metaphysik, nach dem im ersten Band vor allem die Naturphilosophie unter dem Titel „Werden, Bewegung, Veränderung“ thematisiert wurde. Der zweite Band ist, wie schon der erste, gut lesbar, wie zahlreichen beispielhaften Erläuterungen versehen und verständlich geschrieben, wenn auch das Thema einiger Anstrengung bedarf und ein selbständiges Nachdenken erfordert.

Donnerstag, 4. Juli 2013

Argumente statt Bibel

In der vergangenen Woche hat das oberste Gericht der USA homosexuelle Beziehungen in jeder Beziehung mit der Ehe gleichgestellt. Das Land ist, wie auch viele andere Länder, in dieser Frage tief gespalten, doch geht diese Spaltung in den USA nicht einfach nach dem bekannten Rechts-Links Schema. Auch konservativ-liberale stimmten dem Urteil zu. Doch dies ist eigentlich nicht mein Thema. Was die USA in dieser Frage, aber auch hinsichtlich der Diskussion um die Abtreibung, von vielen anderen Ländern unterscheidet, ist der Hinweis auf die Bibel von Seiten der Kritiker. So twitterte der Präsident der American Family Association nach dem Urteil „Jesus weinte“, was sich auf eine Stelle aus dem Johannesevangelium bezieht. Nicht zu Unrecht sagte der liberal-konservative Fox-News Moderator Bill O’Reilly, dass Verteidiger der Ehe Argumente vorbringen sollten, statt „nur mit der Bibel auf den Tisch zu hauen“.

Mittwoch, 19. Juni 2013

Der falsche Materialismus

Vor etwa einem Jahr wurde in den USA ein Buch eines der derzeit führenden Philosophen, Thomas Nagel, veröffentlicht, das seither zu den am meisten diskutierten philosophischen Neuerscheinungen gehört. Der Titel des Buches lautet: Mind and Cosmos. Nicht nur in nahezu allen bedeutenden Fachzeitschriften, sondern auch in Tages- und Wochenzeitungen und insbesondere in philosophischen Blogs wird das Buch heiß diskutiert. Erfreulicherweise hat sich der Suhrkamp Verlag entschlossen, das Buch zu übersetzen; die Veröffentlichung unter dem Titel Thomas Nagel: Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist. wird Ende Oktober erscheinen und ist unbedingt zu empfehlen. Scholastiker hat das Buch bereits gelesen und gibt Ihnen hier eine Zusammenfassung des zentralen Arguments.

Freitag, 14. Juni 2013

Strebt Richard Dawkins nach Gott?

Obwohl Thomas von Aquin Herrn Dawkins, den englischen Führer der atheistischen Front, nicht kannte, hat er dennoch die Frage beantwortet, ob Leute seines Schlages letztlich doch nach Gott streben. Zwar war die Zahl der Atheisten im Mittelalter eher überschaubar, dennoch gab es damals, in einer der freiesten Gesellschaften der europäischen Geschichte, theoretische Atheisten (praktische Atheisten, wie es heute die Mehrzahl der Menschen sind, waren noch seltener als theoretische Atheisten). Denn in den Disputationen des Mittelalters wurde offen auch darüber gesprochen, dass es keinen Gott gibt. Thomas von Aquin geht im zweiten Artikel seiner Quaestio 22 der Quaestiones disputatae der Frage nach, ob alles (also auch Richard Dawkins und andere Atheisten) nach Gott strebt.

Dienstag, 11. Juni 2013

De Veritate: Erster Band der Übersetzung erschienen

Der Verlag Felix Meiner hat erfreulicherweise die Aufgabe übernommen, die Quaestiones disputatae, eines der großen Werke Thomas von Aquins, erstmals vollständig ins Deutsche zu übersetzen (bedauerlicherweise ohne lateinischen Text. Die Schuld darin liegt allerdings bei der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), die nicht bereit war, das Projekt finanziell mit einem Druckkostenzuschuss zu unterstützen, was zeigt, wie weit sich die die DBK von der großen Tradition der Philosophie entfernt hat). Der größte Teil der Quaestiones besteht aus dem Werk De Veritate / Über die Wahrheit, von dem es bisher nur ein stark gekürzte und nicht immer einwandfreie Übersetzung von Edith Stein gibt, die aber auch erst seit kurzem wieder zugänglich gemacht wurde. Das Werk in der Ausgabe des Verlags Felix Meiner ist auf insgesamt sechs Bände angelegt; der fünfte Band ist soeben erscheinen und Scholastiker hat ihn gelesen.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Frege-Konferenz in Wismar


Vom 12.-15. Mai fand in Wismar eine hochkarätig besetzte internationale Frege-Konferenz statt, über die erst heute auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Wissenschaftsbeilage berichtet (Bericht von Wolfgang Krischke). Gottlob Frege (+1925) ist nach Aristoteles der wohl bedeutendste Logiker der Geschichte. Nicht nur die Philosophie und Mathematik, sondern auch die gesamte moderne Informatik und Automatentechnik ist ohne Frege überhaupt nicht denkbar. Dennoch war er zu Lebzeiten und noch lange danach in Deutschland so gut wie unbekannt. Das Anliegen Freges war die Zurückführung der Arithmetik auf Logik, ein Projekt, das bis heute unter dem Titel „Logizismus“ weitergeführt wird; bislang allerdings ohne letzten Erfolg.

Dienstag, 30. April 2013

Heidegger und die Unmöglichkeit eines Gesprächs


In den vergangenen Wochen war ich durch zahlreiche Verpflichtungen stark in Anspruch genommen und konnte nicht weitere Artikel posten. Am vergangenen Wochenende besuchte ich einen alten Freund, einen Professor für Philosophie, der seit Jahrzehnten der Philosophie Martin Heideggers eng verbunden ist. Da ich ihn wie auch andere Heideggerianer seit längerer Zeit nicht mehr gesprochen hatte, vor allem mit ihnen keine philosophischen Gespräche geführt hatte, war ich zunächst überrascht über die Unmöglichkeit einer philosophischen Auseinandersetzung auf der Grundlage von Argumenten zwischen einem Vertreter der Heidegger-Schule und einem Neoscholastiker (das gleiche würde allerdings auch für einen analytischen Philosophen zutreffen, der versucht mit einem Heideggerianer ins Gespräch zu kommen). Das Problem besteht darin, dass ein Heideggerianer, wie auch andere Hermeneutiker und Transzendentalphilosophen für Argumente nahezu unzugänglich sind.

Samstag, 6. April 2013

Über das Glück


Im Verlag Felix Meiner wurde im vergangenen Jahr die Schrift „Über das Glück / De beatidudine veröffentlicht Es handelt sich um einen Auszug aus der Summa Theologiae und zwar I-II, quaestiones 1-5. Derzeit ist keine andere Übersetzung aus der großen Summa Thomas von Aquins lieferbar und so ist es ein besonderes Verdienst des Verlags, diesen Teil der Summa neu übersetzt herausgegeben zu haben. Das kleine Buch, das in der „Philosophischen Bibliothek“ erschienen ist, wurde mit einer hervorragenden Einleitung von Johannes Brachtendorf  versehen, die in gut verständlicher, klarer und prägnanter Weise in die fünf Questiones des hl. Thomas einführt.

Dienstag, 2. April 2013

Ein Utilitarist über Vergeltung


Nach auch heute noch allgemein verbreiteter Auffassung besteht der Zweck der Strafe für eine Straftat darin, dass diese 1. eine Vergeltung oder Sühne auferlegt, die dem Verbrechen angemessen ist, 2. dass sie dazu führt, dass der Straftäter sich bessert und 3. dass sie eine abschreckende Wirkung auf andere Menschen ausübt. Norbert Hoerster, der vermutlich bekannteste und einflussreichste deutsche Vertreter einer utilitaristischen Ethik bezweifelt in seiner kleinen Schrift „Muss Strafe sein? Positionen der Philosophie“ im Grunde alle drei Kennzeichen der Strafe, allerdings ganz besonders den Sühnecharakter, der in der klassischen Moraltheorie an erster Stelle steht.

Sonntag, 24. März 2013

Die ersten erkenntnistheoretischen Prinzipien


Woraus besteht unser Wissen? Die Antwort auf diese Frage recht einfach: „Unsere Erkenntnis besteht aus mit einander verbundenen und koordinierten Urteilen. Das fortschreitende Leben des Geistes bewegt sich durch regulären Prozess in dem Urteile auf Grund anderer Urteile gebildet werden, so dass die Urteile die Haupt- und Zentralakte des Geistes sind“. (Maurice de Wulf: The System of Thomas Aquinas, Dover 1959, Neuauflage Editiones scholasticae 2012, S. 26).  Anders gesagt, besteht alles Wissen in bestimmten Aussagen, Sätzen oder Propositionen, die miteinander verbunden sind. Nun gibt es, nach aristotelisch-scholastischer Auffassung aber bestimmte Aussagen, die sich von der großen Masse der Aussagen unterscheiden. Diese Aussagen liegen sowohl der psychologischen Entwicklung, als auch die erkenntnistheoretischen und logische Entwicklung zugrunde. Sie werden in der Philosophie der Scholastik als erste Prinzipien bezeichnen, weil sie jede andere Aussage und damit jedes Wissen bestimmen.

Samstag, 2. März 2013

These 13: Organische und anorganische Körper


Das alle materiellen Körper in organische und anorganische eingeteilt werden, ist sicher keine Neuheit. Der Unterschied wird auch durch das Begriffspaar „lebendig“ bzw. „nicht-lebendig, leblos“ beschrieben. Die 13. These der „24 bestätigten Thesen der thomistischen Philosophie“ behauptet nun, dass bei den lebendigen Körpern in ein und demselben Körper (also in einer Pflanze oder einem Tier oder einem Menschen) zwei Teile vorhanden sind, nämlich ein bewegender und ein bewegter Teil. Diese beiden Teile sind charakteristisch für alles Organische, denn organische, lebendige Körper unterscheiden sich von anorganischen Körpern unter anderen dadurch, dass sie einen bewegenden und einen bewegten Teil haben und eben dadurch selbstbeweglich sind. Selbstbeweglich ist etwas, dass nicht nur einen beweglichen Teil hat und daher allenfalls von außen bewegt werden kann, wie der Kieselstein am Rheinufer, sondern auch einen weiteren Teil, der bewegt. Und diesen Teil nennt die thomistische Philosophie (wie schon Aristoteles) die Seele.


Dienstag, 26. Februar 2013

Immaterielle Aspekte des Denkens


In der Philosophie des Geistes versucht man seit Jahrzehnten, alle mentalen Vorgänge, wie sinnliches Wahrnehmen aber auch das Denken rein materiell zu erklären. Dass dies nicht ganz gelingt, ist auch in der Philosophie des Geistes bekannt, doch man hofft, durch die Erweiterung der Erkenntnisse der Neurowissenschaften in Zukunft eine solche vollständige Reduktion aller mentalen Entitäten auf materielle Entitäten durchführen zu können. Am radikalsten sind in dieser Hinsicht die Patricia und Paul Churchland, deren Theorie als Eliminativismus bezeichnet wird, denn sie behaupten, dass es nichts anderes gibt als neuronale Prozesse. In einem soeben erschienen Beitrag des amerikanischen Philosophen Edward Feser mit dem Titel Kripke, Ross and the Immaterial Aspects of Thought wird gezeigt, dass eine Reduktion mentaler Prozesse, insbesondere aber des begrifflichen Denkens auf materielle Prozesse theoretisch unmöglich ist und dass daher die Hoffnung auf weitere Erkenntnisse der Neurowissenschaften hoffnungslos ist.


Donnerstag, 14. Februar 2013

„Menschenverachtend“


Der Vorwurf, eine Meinung, eine Ansicht oder gar eine Handlung sei „menschenverachtend“ gehört heute zu den fast alltäglichen Vorwürfen im politischen und gesellschaftlichen „Diskurs“. Besonders Vertreter aus dem linken politischen Spektrum erheben diesen Vorwurf gegen die verschiedensten Meinungen, wie sie im konservativen und rechten politischen Spektrum verbreitet sind. Ein solcher Vorwurf unterbindet selbstverständlich jeden weiteren Diskurs und erspart demjenigen, der ihn erhebt vor allem weitere Argumente. Erstaunlicherweise (oder auch nicht?) sind es oft gerade diejenigen, die anderen eine menschenverachtende Haltung oder Meinung unterstellen, die keinen objektiven Begriff des Menschen kennen.

Freitag, 18. Januar 2013

War Thomas ein Fundamentalist?


Unter einem erkenntnistheoretischen Fundamentalismus versteht man heute eine epistemische Theorie, bei der jede nicht-grundlegende Aussage, oder Annahme auf eine letzte grundlegende, fundamentale Aussage zurückgeführt werden muss. Anders gesagt: von Wissen kann man nur dann sprechen, wenn es sich um eine begründete Erkenntnis handelt, die auf ein letztes, nicht begründbares Fundament zurückgeführt werden kann. Der klassische erkenntnistheoretische Fundamentalismus wird mit René Descartes in Verbindung gebracht, der nach einem letzten Fundament für jede Wahrheit gesucht hat, einem Fundament, auf das alle anderen Wahrheiten aufbauen. Descartes sieht dieses Fundament in dem berühmten cogito ergo sum. Verschiedene analytisch-orientierte Philosophen wie Nicholas Wolterstorff oder Alvin Plantinga haben auch der Erkenntnistheorie des Aquinaten (sofern man überhaupt von einer solchen sprechen kann) diesen oder einen ähnlichen Fundamentalismus unterstellt. Eleonore Stump, einer der besten Thomas-Spezialistinnen der Gegenwart, hat diese Unterstellung in einer hervorragenden Argumentation widerlegt.

Dienstag, 8. Januar 2013

Thomas von Aquin in Japan


Anders als in Deutschland ist die gesamte Summa Theologiae Thomas von Aquins jetzt ins japanische übersetzt. Das hat natürlich lange Zeit gedauert, nämlich genau 52 Jahre, länger als Thomas selbst gelebt hat und der hat noch zahlreiche weitere Werke verfasst. In Deutschland begannen die Dominikaner in den 1930iger Jahren mit einer deutschen Übersetzung, die aber dann in den 1960iger Jahren im Gefolge der Modernisierungen des II. Vatikanischen Konzils eingestellt wurde. Stattdessen wendeten sich die Dominikaner in Deutschland lieber dem Existenzialismus und der Philosophie Martin Heideggers zu. Ein besonders Verdienst an der japanischen Übersetzung der „Summa“ kommt dem Katholiken Ryosuke Inagaki (84) zu, der fast die Hälfte der 45 Bände übersetzt hat.

Samstag, 5. Januar 2013

Naturgesetze und die Natur der Dinge


Wenn man heutzutage gefragt wird, warum der Mond um die Erde kreist oder warum warme Luft nach oben steigt oder warum Laubbäume im Herbst ihre Blätter verlieren, dann verweist man für die Antwort im Allgemeinen auf die entsprechenden Naturgesetze. Dies ist sicherlich nicht falsch und zumeist geben wir uns mit einer solchen Erklärung zufrieden. Naturgesetze determinieren die verschiedenen Abläufe, Prozesse und Vorgänge in der Natur. Doch bewirken sie diese Prozesse auch?