Freitag, 18. Januar 2013
War Thomas ein Fundamentalist?
Unter einem erkenntnistheoretischen Fundamentalismus versteht man heute eine epistemische Theorie, bei der jede nicht-grundlegende Aussage, oder Annahme auf eine letzte grundlegende, fundamentale Aussage zurückgeführt werden muss. Anders gesagt: von Wissen kann man nur dann sprechen, wenn es sich um eine begründete Erkenntnis handelt, die auf ein letztes, nicht begründbares Fundament zurückgeführt werden kann. Der klassische erkenntnistheoretische Fundamentalismus wird mit René Descartes in Verbindung gebracht, der nach einem letzten Fundament für jede Wahrheit gesucht hat, einem Fundament, auf das alle anderen Wahrheiten aufbauen. Descartes sieht dieses Fundament in dem berühmten cogito ergo sum. Verschiedene analytisch-orientierte Philosophen wie Nicholas Wolterstorff oder Alvin Plantinga haben auch der Erkenntnistheorie des Aquinaten (sofern man überhaupt von einer solchen sprechen kann) diesen oder einen ähnlichen Fundamentalismus unterstellt. Eleonore Stump, einer der besten Thomas-Spezialistinnen der Gegenwart, hat diese Unterstellung in einer hervorragenden Argumentation widerlegt.
Dienstag, 8. Januar 2013
Thomas von Aquin in Japan
Anders als in Deutschland ist die gesamte Summa Theologiae Thomas von Aquins jetzt ins japanische übersetzt. Das hat natürlich lange Zeit gedauert, nämlich genau 52 Jahre, länger als Thomas selbst gelebt hat und der hat noch zahlreiche weitere Werke verfasst. In Deutschland begannen die Dominikaner in den 1930iger Jahren mit einer deutschen Übersetzung, die aber dann in den 1960iger Jahren im Gefolge der Modernisierungen des II. Vatikanischen Konzils eingestellt wurde. Stattdessen wendeten sich die Dominikaner in Deutschland lieber dem Existenzialismus und der Philosophie Martin Heideggers zu. Ein besonders Verdienst an der japanischen Übersetzung der „Summa“ kommt dem Katholiken Ryosuke Inagaki (84) zu, der fast die Hälfte der 45 Bände übersetzt hat.
Samstag, 5. Januar 2013
Naturgesetze und die Natur der Dinge
Wenn man heutzutage gefragt wird, warum der Mond um die Erde kreist oder warum warme Luft nach oben steigt oder warum Laubbäume im Herbst ihre Blätter verlieren, dann verweist man für die Antwort im Allgemeinen auf die entsprechenden Naturgesetze. Dies ist sicherlich nicht falsch und zumeist geben wir uns mit einer solchen Erklärung zufrieden. Naturgesetze determinieren die verschiedenen Abläufe, Prozesse und Vorgänge in der Natur. Doch bewirken sie diese Prozesse auch?
Dienstag, 18. Dezember 2012
Für Sie gelesen: Einführungstexte bei OUP
Oxford University Press, der größte Verlag für Geisteswissenschaften
in Europa, publiziert seit vielen Jahren eine Reihe mit dem Titel „A Very Short Introduction“. Der Reihe umfasst inzwischen weit über 300 Titel, in denen in die
verschiedensten Themen und Gebiete auf sehr kurze (ca. 100 Seite) und prägnante
Weise eingeführt wird. Naturgemäß ist die Qualität dieser kleinen Bücher sehr
unterschiedlich und im wesentlichen von den Autoren abhängig. Ich habe in den
vergangenen Wochen drei Titel dieser Reihe gelesen und möchte Sie Ihnen hier
kurz vorstellen: Metaphysics, Aristotle
und Thomas Aquinas.
Freitag, 14. Dezember 2012
Was ist ein Organismus?
Unter dem Thema „Organismus – die Erklärung der Lebendigkeit“ fand kürzlich an der Berliner Humboldt-Universität eine Tagung statt, die mit Biologen und Philosophen besetzt war, die der Frage nachgingen, was denn der Organismus ist. Nun sind Was-Fragen keine Fragen, die von empirischen Einzelwissenschaften beantwortet werden können, diese können allerdings einiges dazu beitragen, auf solche Fragen eine richtige philosophische Antwort zu geben. Allerdings konnten, wie Leander Steinkopf in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 12. Dezember berichtet, auch die Philosophen auf diese Frage keine definitive Antwort geben. Am radikalsten fiel wohl die Antwort des Prozessphilosophen Peter McLaughlin aus Heidelberg aus, der den Organismus als Prozess definierte.
Freitag, 30. November 2012
Ontologie und Logik
In der gegenwärtigen analytisch-orientierten Philosophie gibt es starke Tendenzen, Logik und Ontologie mehr oder weniger zu identifizieren. Dies hängt sicher mit der modernen Fregeschen mathematischen Logik zusammen, die vor allem in der Prädikatenlogik und Modallogik nicht ontologieneutral ist. So gibt es ontologische Theorien, die die moderne Logik nicht nur als Grundlage der Ontologie betrachtet, sondern auch darüber hinaus die Logik direkt auf die Ontologie anwendet. Logische Entitäten sind allerdings grundsätzlich keine echten Entitäten, d.h. sie existieren nicht.
Freitag, 23. November 2012
Werte und Naturrecht
In den Medien, der Politik und Öffentlichkeit hört man immer häufiger die Rede von „Werten“. Es geht um „konservative Werte“, die es zu bewahren gilt oder um „ökologische Werte“. In der Auseinandersetzung um die sogenannte Homo-Ehe hört man als Sprachfloskel, „dass auch außerhalb der klassische Ehe und Familie Werte gelebt werden“. Nicht nur dass es zumeist unklar bleibt, welche konkreten Werte gemeint sind ist das Problem, sondern welche Grundlage diese Werte haben und ob sie über bloß subjektive Vorlieben hinaus auch objektiv begründet werden können. Ausgehend von Franz Brentano und seiner Schule gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine aus der Phänomenologie hervorgehende Wertethik, deren wichtigste Vertreter Max Scheler und Nicolai Hartmann waren.
Freitag, 9. November 2012
These 12: Die Quantität als Grund der Ausdehnung
Die Quantität ist nicht nur das Prinzip der Individuation, sondern auch der Ausdehnung einer Entität. Jede materielle Entität hat eine bestimmte Ausdehnung und befindet sich an einem bestimmten Ort. Keine Entität kann zugleich an zwei oder mehr Orten gleichzeitig sein. Dies ist der Inhalt der 12. These der „24 bestätigten Thesen der Thomistischen Philosophie“.
Montag, 22. Oktober 2012
Trägheitsprinzips und Energieerhaltung
Eine der bedeutensten Neuscholastiker des vergangenen Jahrhunderts war der Franzose Garrigou-Lagrange. Bis auf einige theologische Bücher ist in deutscher Sprache leider bisher nur ein Buch des Autors übersetzt worden.. Durch glückliche Umstände sind wir nun in den Besitz eines Textes von Garrigou-Lagrange mit dem Titel „Anmerkung über die Gültigkeit des Trägheitsprinzips und der Energieerhaltung“ gekommen, der hier erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt. In diesem Text, der dem großen Werk „Dieu“ des Autors entnommen ist, thematisiert Garrigou-Lagrange die beiden oben im Titel genannten physikalischen Gesetze im Zusammenhang mit der Akt-Potenz-Theorie.
Freitag, 12. Oktober 2012
„Naturalisierung des Geschlechterbegriffs“
Während in den Geisteswissenschaften und insbesondere in der Philosophie ein starker Trend hin zur Naturalisierung erkennbar ist – dies gilt besonders für die Philosophie des Geistes – gibt es in der stark ideologisierten Genderforschung keinen schlimmeren Vorwurf als den der „Naturalisierung des Geschlechterbegriffs“.
Abonnieren
Posts (Atom)









