Freitag, 26. Juli 2013

„Grundkurs Philosophie 2“ erschienen

Der zweite Band des von Rafael Hüntelmann verfassten „Grundkurs Philosophie“ ist erschienen. Thema dieses Buches ist die Metaphysik, nach dem im ersten Band vor allem die Naturphilosophie unter dem Titel „Werden, Bewegung, Veränderung“ thematisiert wurde. Der zweite Band ist, wie schon der erste, gut lesbar, wie zahlreichen beispielhaften Erläuterungen versehen und verständlich geschrieben, wenn auch das Thema einiger Anstrengung bedarf und ein selbständiges Nachdenken erfordert.

Donnerstag, 4. Juli 2013

Argumente statt Bibel

In der vergangenen Woche hat das oberste Gericht der USA homosexuelle Beziehungen in jeder Beziehung mit der Ehe gleichgestellt. Das Land ist, wie auch viele andere Länder, in dieser Frage tief gespalten, doch geht diese Spaltung in den USA nicht einfach nach dem bekannten Rechts-Links Schema. Auch konservativ-liberale stimmten dem Urteil zu. Doch dies ist eigentlich nicht mein Thema. Was die USA in dieser Frage, aber auch hinsichtlich der Diskussion um die Abtreibung, von vielen anderen Ländern unterscheidet, ist der Hinweis auf die Bibel von Seiten der Kritiker. So twitterte der Präsident der American Family Association nach dem Urteil „Jesus weinte“, was sich auf eine Stelle aus dem Johannesevangelium bezieht. Nicht zu Unrecht sagte der liberal-konservative Fox-News Moderator Bill O’Reilly, dass Verteidiger der Ehe Argumente vorbringen sollten, statt „nur mit der Bibel auf den Tisch zu hauen“.

Mittwoch, 19. Juni 2013

Der falsche Materialismus

Vor etwa einem Jahr wurde in den USA ein Buch eines der derzeit führenden Philosophen, Thomas Nagel, veröffentlicht, das seither zu den am meisten diskutierten philosophischen Neuerscheinungen gehört. Der Titel des Buches lautet: Mind and Cosmos. Nicht nur in nahezu allen bedeutenden Fachzeitschriften, sondern auch in Tages- und Wochenzeitungen und insbesondere in philosophischen Blogs wird das Buch heiß diskutiert. Erfreulicherweise hat sich der Suhrkamp Verlag entschlossen, das Buch zu übersetzen; die Veröffentlichung unter dem Titel Thomas Nagel: Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist. wird Ende Oktober erscheinen und ist unbedingt zu empfehlen. Scholastiker hat das Buch bereits gelesen und gibt Ihnen hier eine Zusammenfassung des zentralen Arguments.

Freitag, 14. Juni 2013

Strebt Richard Dawkins nach Gott?

Obwohl Thomas von Aquin Herrn Dawkins, den englischen Führer der atheistischen Front, nicht kannte, hat er dennoch die Frage beantwortet, ob Leute seines Schlages letztlich doch nach Gott streben. Zwar war die Zahl der Atheisten im Mittelalter eher überschaubar, dennoch gab es damals, in einer der freiesten Gesellschaften der europäischen Geschichte, theoretische Atheisten (praktische Atheisten, wie es heute die Mehrzahl der Menschen sind, waren noch seltener als theoretische Atheisten). Denn in den Disputationen des Mittelalters wurde offen auch darüber gesprochen, dass es keinen Gott gibt. Thomas von Aquin geht im zweiten Artikel seiner Quaestio 22 der Quaestiones disputatae der Frage nach, ob alles (also auch Richard Dawkins und andere Atheisten) nach Gott strebt.

Dienstag, 11. Juni 2013

De Veritate: Erster Band der Übersetzung erschienen

Der Verlag Felix Meiner hat erfreulicherweise die Aufgabe übernommen, die Quaestiones disputatae, eines der großen Werke Thomas von Aquins, erstmals vollständig ins Deutsche zu übersetzen (bedauerlicherweise ohne lateinischen Text. Die Schuld darin liegt allerdings bei der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), die nicht bereit war, das Projekt finanziell mit einem Druckkostenzuschuss zu unterstützen, was zeigt, wie weit sich die die DBK von der großen Tradition der Philosophie entfernt hat). Der größte Teil der Quaestiones besteht aus dem Werk De Veritate / Über die Wahrheit, von dem es bisher nur ein stark gekürzte und nicht immer einwandfreie Übersetzung von Edith Stein gibt, die aber auch erst seit kurzem wieder zugänglich gemacht wurde. Das Werk in der Ausgabe des Verlags Felix Meiner ist auf insgesamt sechs Bände angelegt; der fünfte Band ist soeben erscheinen und Scholastiker hat ihn gelesen.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Frege-Konferenz in Wismar


Vom 12.-15. Mai fand in Wismar eine hochkarätig besetzte internationale Frege-Konferenz statt, über die erst heute auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Wissenschaftsbeilage berichtet (Bericht von Wolfgang Krischke). Gottlob Frege (+1925) ist nach Aristoteles der wohl bedeutendste Logiker der Geschichte. Nicht nur die Philosophie und Mathematik, sondern auch die gesamte moderne Informatik und Automatentechnik ist ohne Frege überhaupt nicht denkbar. Dennoch war er zu Lebzeiten und noch lange danach in Deutschland so gut wie unbekannt. Das Anliegen Freges war die Zurückführung der Arithmetik auf Logik, ein Projekt, das bis heute unter dem Titel „Logizismus“ weitergeführt wird; bislang allerdings ohne letzten Erfolg.

Dienstag, 30. April 2013

Heidegger und die Unmöglichkeit eines Gesprächs


In den vergangenen Wochen war ich durch zahlreiche Verpflichtungen stark in Anspruch genommen und konnte nicht weitere Artikel posten. Am vergangenen Wochenende besuchte ich einen alten Freund, einen Professor für Philosophie, der seit Jahrzehnten der Philosophie Martin Heideggers eng verbunden ist. Da ich ihn wie auch andere Heideggerianer seit längerer Zeit nicht mehr gesprochen hatte, vor allem mit ihnen keine philosophischen Gespräche geführt hatte, war ich zunächst überrascht über die Unmöglichkeit einer philosophischen Auseinandersetzung auf der Grundlage von Argumenten zwischen einem Vertreter der Heidegger-Schule und einem Neoscholastiker (das gleiche würde allerdings auch für einen analytischen Philosophen zutreffen, der versucht mit einem Heideggerianer ins Gespräch zu kommen). Das Problem besteht darin, dass ein Heideggerianer, wie auch andere Hermeneutiker und Transzendentalphilosophen für Argumente nahezu unzugänglich sind.

Samstag, 6. April 2013

Über das Glück


Im Verlag Felix Meiner wurde im vergangenen Jahr die Schrift „Über das Glück / De beatidudine veröffentlicht Es handelt sich um einen Auszug aus der Summa Theologiae und zwar I-II, quaestiones 1-5. Derzeit ist keine andere Übersetzung aus der großen Summa Thomas von Aquins lieferbar und so ist es ein besonderes Verdienst des Verlags, diesen Teil der Summa neu übersetzt herausgegeben zu haben. Das kleine Buch, das in der „Philosophischen Bibliothek“ erschienen ist, wurde mit einer hervorragenden Einleitung von Johannes Brachtendorf  versehen, die in gut verständlicher, klarer und prägnanter Weise in die fünf Questiones des hl. Thomas einführt.

Dienstag, 2. April 2013

Ein Utilitarist über Vergeltung


Nach auch heute noch allgemein verbreiteter Auffassung besteht der Zweck der Strafe für eine Straftat darin, dass diese 1. eine Vergeltung oder Sühne auferlegt, die dem Verbrechen angemessen ist, 2. dass sie dazu führt, dass der Straftäter sich bessert und 3. dass sie eine abschreckende Wirkung auf andere Menschen ausübt. Norbert Hoerster, der vermutlich bekannteste und einflussreichste deutsche Vertreter einer utilitaristischen Ethik bezweifelt in seiner kleinen Schrift „Muss Strafe sein? Positionen der Philosophie“ im Grunde alle drei Kennzeichen der Strafe, allerdings ganz besonders den Sühnecharakter, der in der klassischen Moraltheorie an erster Stelle steht.

Sonntag, 24. März 2013

Die ersten erkenntnistheoretischen Prinzipien


Woraus besteht unser Wissen? Die Antwort auf diese Frage recht einfach: „Unsere Erkenntnis besteht aus mit einander verbundenen und koordinierten Urteilen. Das fortschreitende Leben des Geistes bewegt sich durch regulären Prozess in dem Urteile auf Grund anderer Urteile gebildet werden, so dass die Urteile die Haupt- und Zentralakte des Geistes sind“. (Maurice de Wulf: The System of Thomas Aquinas, Dover 1959, Neuauflage Editiones scholasticae 2012, S. 26).  Anders gesagt, besteht alles Wissen in bestimmten Aussagen, Sätzen oder Propositionen, die miteinander verbunden sind. Nun gibt es, nach aristotelisch-scholastischer Auffassung aber bestimmte Aussagen, die sich von der großen Masse der Aussagen unterscheiden. Diese Aussagen liegen sowohl der psychologischen Entwicklung, als auch die erkenntnistheoretischen und logische Entwicklung zugrunde. Sie werden in der Philosophie der Scholastik als erste Prinzipien bezeichnen, weil sie jede andere Aussage und damit jedes Wissen bestimmen.