Samstag, 22. März 2014

Sind Wesenheit und Existenz real verschieden?

Thomas von Aquin und die ihm folgenden Philosophen sehen im Unterschied zwischen der Wesenheit (das, was etwas ist) und Existenz, (dass es ist) einen realen Unterschied, also einen Unterschied, der nicht nur von uns gedacht wird. Bei Aristoteles finden sich bezüglich dieser Frage keine klaren Aussagen. Schon kurz nach Thomas wurde diese Auffassung des Unterschieds zwischen Wesenheit und Existenz durch Duns Scotus in Frage gestellt, der den Unterschied als „formale Differenz“ betrachtet und in der späteren Scholastik vertritt auch Franz Suarez die Auffassung, dass sich Wesenheit und Existenz nur „virtuell“ unterscheiden. In breiten Teilen der Gegenwartsphilosophie wird dieses Problem nicht mehr diskutiert, da man bestreitet, dass es überhaupt Wesenheiten gibt.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Neue Einführung in die scholastische Metaphysik

Für eine besondere Überraschung sorgt der deutsche Verlag editiones scholasticae. Es ist dem kleinen Verlag mit internationalem Vertrieb für alle Länder Europas und den amerikanischen Kontinent gelungen, den bekannten US-amerikanischen Neuscholastiker Edward Feser für ein Buchprojekt zu gewinnen. Das Buch "Scholastic Metaphysics. A Contemporary Introduction" befindet sich derzeit im Druck und dürfte in zwei bis drei Wochen in Deutschland und Europa lieferbar sein. Für die USA wird Mai als Ausliefertermin genannt. Scholastiker konnte bereits einen Blick in das Buch werfen.

Montag, 13. Januar 2014

Gewissensentscheidung

In moralischen Debatten in den Medien hört man immer wieder zu dieser oder jener moralischen Frage, dass die Entscheidung darüber ob es z.B. erlaubt sein soll, seinem Leben ein Ende zu bereiten, wenn dieses von schwerem Leid geprägt ist, oder ob die Abtreibung eines Kindes im Mutterleib erlaubt ist, eine Gewissensentscheidung sei. Unter diesem Begriff versteht man dabei offensichtlich, wie aus dem Kontext zumeist klar wird, eine subjektive Entscheidung, die jeder für sich anders entscheiden kann. Es wäre deshalb ehrlicher man würde gleich sagen, diese Entscheidungen seien der subjektiven Willkür oder dem persönlichen Belieben überlassen so wie die Frage, ob man bestimmte Kunstwerke der Gegenwart schön findet. Denn eine Gewissensentscheidung, richtig verstanden, ist alles andere als subjektiv.

Donnerstag, 9. Januar 2014

Kausalität und die Philosophie des Geistes

Die Philosophie des Geistes ist eines der wohl umfangreichsten und intensivsten Forschungsgebiete der Gegenwartsphilosophie. Ihr Gegenstand ist die Frage nach dem Verhältnis, der Beziehung zwischen Geist und Körper, bzw, Geist und Gehirn. Sofern nicht völlig geleugnet wird, dass es so etwas wie Bewusstsein oder Geist gibt (Eliminativismus), wird diese Relation mit Hilfe der Kausalrelation und zwar nur mit Hilfe dieser Relation zu erklären versucht. Und genau darin besteht eines der wohl wichtigsten Probleme der Philosophie des Geistes.

Montag, 25. November 2013

Internationale Scholastik-Tagung in Köln

Erstmals im deutschen Sprachraum findet am 7. und 8. Dezember in Köln eine Tagung mit den bekanntesten Vertretern des analytischen Thomismus bzw. des Neoaristotelismus statt.
Schwerpunkt der Tagung, die vom Kölner Lindenthal-Institut in Zusammenarbeit mit dem Verlag editiones scholasticae veranstaltet wird, ist eine Auseinandersetzung zwischen analytischer und scholastischer Philosophie. Entsprechend lautet der Titel der Tagung: New Scholastics Meets Analytic Philosophy.

Donnerstag, 7. November 2013

Was ist Wissen?

Wenn jemand davon überzeugt ist, das etwas der Fall ist und er rationale Gründe für diese seine Überzeugung anführen kann, dann wird er behaupten, dass er wisse, dass dies der Fall ist. Dementsprechend wird in der Gegenwartsphilosophie Wissen definiert als wahre, gerechtfertigte Überzeugung. Doch gegen diese Definition wurden verschiedene Einwände erhoben, von denen das sogenannte Gettier-Problem das bekannteste und wichtigste ist. Das Problem wird benannt nach dem Philosophen Edmund Gettier. Er hat argumentiert, dass die Bedingungen für Wissen, nämlich die Wahrheit der Überzeugung und die Rechtfertigung für die Überzeugung nicht hinreichend sind, um von Wissen zu sprechen.

Freitag, 11. Oktober 2013

Thomas Nagel jetzt auf deutsch

Das von mir bereits im Juni kurz erwähnte und besprochene Buch des führenden amerikanischen Philosophen Thomas Nagel ist seit heute auf deutsch im Suhrkamp Verlag erschienen. Das Buch Mind and Cosmos. Why the Materialist Neo-Darwinian Conception of Nature is Almost Certaintly False (deutsch: Geist und Kosmos. Warum die materialistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist) gehört in den USA seit einem Jahr zu den am meisten diskutierten philosophischen Schriften und zwar nicht nur in Fachzeitschriften, sondern sogar in Tageszeitungen. Viele materialistische Philosophen, und das ist die Mehrzeit in den USA wie auch in Europa, reagieren geradezu empört auf das neue Buch von Nagel, der selbst bekennender Materialist ist, aber im Unterschied zum Mainstream die Grenzen einer materialistischen Weltanschauung erkannt hat.

Dienstag, 17. September 2013

Repräsentationalismus?

Je nach dem, welche philosophische Position von jemandem vertreten wird, wird der aristotelisch-thomistischen (A-T) Erkenntnistheorie einmal ein “naiver Realismus”, ein andermal eine repräsentationalistische Theorie der Erkenntnis unterstellt. Der Repräsentationalismus ist, ganz allgemein gesagt, die Auffassung, dass es mentale Repräsentationen gibt. Und in dieser allgemeinen Form ist es richtig, dass die aristotelisch-thomistische Philosophie zum Repräsentationalismus zu zählen ist. Allerdings versteht man unter dem Begriff Repräsentationalismus viel mehr als nur, dass es mentale Repräsentationen gibt. Dass es solche Repräsentationen gibt wird nämlich von fast niemanden, außer von sogenannten direkten Realisten bestritten, mit denen ich mich heute aber nicht beschäftigen möchte.

Dienstag, 27. August 2013

Jetzt auch auf Deutsch

Der Verlag editiones scholasticae hat jetzt eine deutsche Übersetzung des Buches „The System of Thomas Aquinas“ unter dem deutschen Titel „Die Philosophie des Thomas von Aquin“ veröffentlicht. Es ist sicher eines der besten Einführungen in die Gedankenwelt des Aquinaten und der aristotelisch-scholastischen Philosophie insgesamt.

Samstag, 24. August 2013

Das Gute ist immer und überall…

In der modernen Moralphilosophie wird die Qualität „das Gute“ häufig als eine außergewöhnliche Eigenschaft dargestellt, die nur moralischen Handlungen zukommt. Dadurch bleibt aber ungeklärt, woher diese Qualität kommt und worin sie ihr ontologisches Fundament hat. Dies wiederum hängt wesentlich damit zusammen, dass die neuzeitliche Moralphilosophie nicht viel für Ontologie und Metaphysik übrig hat und der Auffassung ist, dass man Ethik auch ohne Metaphysik betreiben kann, ja sogar sollte. Die klassische Philosophie ist hier anderer Auffassung.