Der erste der sogenannten „fünf Wege“, - der fünf
Gottesbeweise Thomas von Aquins – geht von einer Tatsache in unserer Erfahrung
aus, die von niemandem ernsthaft bestritten wird. Es gibt Veränderung, Bewegung
in der Welt. Es ist nicht nötig anzunehmen, dass sich alles verändert. Es reicht,
wenn wir davon überzeugt sind, dass es mindestens eine Entität gibt, die sich
verändert.
Montag, 16. November 2015
Dienstag, 3. November 2015
Warum überhaupt Gottesbeweise?
In einer Reaktion auf meinen letzten Beitrag zum Thema
Atheismus und Gottesbeweise hat ein Leser einen Kommentar auf Google+
veröffentlicht, der eher typisch für die Haltung heutiger ernsthafter Christen
zu diesem Thema ist. Insbesondere Protestanten, und hier besonders die frommen
Protestanten in den Freikirchen, aber seit einigen Jahrzehnten auch Katholiken,
sind der Überzeugung, dass Gottesbeweise mehr oder weniger überflüssig sind,
dass durch sie niemand zum christlichen Glauben findet und dass der Gott der
Gottesbeweise kein Gott ist, "vor dem man niederfallen kann" und "den man anbeten
kann". Diese Auffassung ist nicht nur falsch, sie führt sogar zu einem oft
falschen Gottesverständnis. Daher möchte ich einige Worte zu dem Thema sagen,
warum eine philosophische Analyse des Gottesbegriffs und die rationalen Beweise
für die Existenz Gottes nicht nur hilfreich und sinnvoll, sondern sogar
notwendig sind.
Donnerstag, 29. Oktober 2015
Warum Atheisten gegen einen Strohmann kämpfen
Verschiedene Atheisten, darunter bekannte Namen wie Bertrand Russell,
Daniel Dennett und Richard Dawkins
glauben, sie hätten ein starkes Argument gegen die verschiedenen kosmologischen
Gottesbeweise gefunden. Doch spricht ihr Argument mehr für die völlige
Unkenntnis der kosmologischen Argumente, was für einen Philosophen (zu denen
Dawkins freilich nicht gehört) eher ein Armutszeugnis ist. So führt Daniel
Dennett, einer der führenden analytischen Philosophen gegen die kosmologischen
Argumente an: „Das kosmologische Argument … in seiner einfachsten Form
behauptet, dass weil alles eine Ursache haben muss, auch das Universum eine
Ursache haben muss, nämlich Gott“ (eigene Übersetzung von: D. Dennett, Breaking the Spell, S. 242).
Dienstag, 20. Oktober 2015
Neuerscheinungen für Scholastiker
Die Situation für scholastische Philosophen, was die
Publikationen angeht, hat sich in den vergangenen zehn Jahren erheblich
verbessert. Während vor zehn Jahren pro Jahr einige, wenige Neuerscheinungen
zur scholastischen Philosophie zu verzeichnen waren und dies vor allem
historisch orientierte Titel, erscheinen derzeit fast monatlich ein bis zwei
neue Titel. Leider fast ausschließlich auf Englisch. Wie auch sonst ist die
systematische Philosophie in Deutschland leider fünf bis zehn Jahre hinter der
internationalen (d.i. angelsächsischen) Entwicklung hinterher. Heute möchte ich
Ihnen zwei interessante Neuerscheinungen vorstellen.
Donnerstag, 8. Oktober 2015
Erste Thomistische Sommerakademie
Das Institut für Thomistische Philosophie hat die konkreten Daten für die vom Institut durchgeführte Erste Thomistische Sommerakademie bekanntgegeben. Ab sofort ist auch eine Anmeldung möglich. Da die Plätze, wie es auf der Website des Instituts heißt, begrenzt sind, empfiehlt sich vermutlich eine rechtzeitige Anmeldung. Das Thema ist jedenfalls sehr ansprechend und hochaktuell: Dualismus und Hylemorphismus in der Philosophie des Geistes.
Hier die Daten der ersten Sommerakademie:
Samstag, 26. September 2015
These 16: Substantielle Einheit von Leib und Seele
Die 16. These der 24 bestätigten Thesen der derThomistischen Philosophie
bezieht sich auf den sogenannten Hylemorphismus.
Entsprechend dieser aristotelisch-thomistischen Theorie ist jeder
materielle Gegenstand aus Materie (griechisch: hylé) und Form (griechisch: morphé)
zusammengesetzt. Dies gilt auch für den Menschen. Beim Menschen ist die Seele
die Form des Körpers. Diese Seele bestimmt somit den Körper bis in seine
letzten Bestandteile und macht den Körper zu dem, was er ist, zu einem
menschlichen Leib. Der menschliche Leib ist nicht als solcher die Materie. Was
wir wahrnehmen, wenn wir einen Menschen sehen, ist der „geformte“ Leib, der
Körper, der bereits durch die Form, d.i. die Seele bestimmt ist. Die
eigentliche Materie ist immer die materia prima, die völlig unbestimmte, reine
Materie, die ohne Form nie existiert. Im Unterschied zur Pflanze oder zum Tier
ist aber die menschliche Form, also die Seele des Menschen, in einem gewissen Sinne
ohne den Körper existenzfähig.
Freitag, 11. September 2015
These 15: Subsistenz der menschlichen Seele
Schon vor einigen Jahren habe ich damit begonnen, die sogenannten
24 bestätigten Thesen der Thomistischen Philosophie der Reihe nach zu erläutern. Damals war
ich bis zur 14. Thesevorgedrungen, bei der es um die Philosophie der Biologie geht. Die 15. These
bezieht sich auf die menschliche Seele, von der hier behauptet wird, dass sie „an
sich“ besteht. Das hört sich wie eine dualistische These an, wie sie von René
Descartes und anderen neuzeitlichen und modernen Philosophen vertreten wird,
ist aber nicht so gemeint.
Montag, 31. August 2015
Der Bundespräsident und die Definition
Am vergangenen Samstag veröffentlichte der in Bonn
erscheinende „Generalanzeiger“ ein
Interview mit dem deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Der
Bundespräsident ist in der DDR aufgewachsen und wurde dort zum evangelischen
Pfarrer ausgebildet. Ob zur Ausbildung von Pfarrern in der DDR ein Studium der
Philosophie gehörte, kann ich nicht sagen, aber nach den Äußerungen des
Bundespräsidenten im Generalanzeiger würde ich das eher bezweifeln. Bestenfalls
könnte ein Studium des Marxismus-Leninismus Teil des Studiums gewesen sein.
Dies schließe ich aus der Äußerung von Herrn Gauck, man müsse den Begriff der „Nation“
heute umdefinieren.
Montag, 24. August 2015
Warum existiere ich heute?
Vor einigen Jahrzehnten wurde ich geboren. Meine Existenz begann
mit der Befruchtung der Eizelle. Danach hat sich der Körper entwickelt, ich
wurde geboren und existiere seither mehr oder weniger selbständig. Von Tag zu
Tag, von Stunde zu Stunde von Minute zu Minute dauert meine Existenz fort. Aber
warum? Gibt es eine Ursache oder ein Prinzip in mir selbst, durch die ich meine
Existenz erhalte? Während die Frage nach dem Anfang der Existenz in der
Philosophie von je her größere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, ist die
Frage nach der Dauerhaftigkeit der Existenz kaum beachtet worden. Um diese
Dauerhaftigkeit der Existenz zu erklären, müsste es eine Ursache in einer
Entität geben, durch die sie fortdauert. Gibt es eine solche Ursache?
Samstag, 8. August 2015
Neuer Essentialismus
Nach jahrhunderterlanger Abstinenz vom Essentialismus, also
der Theorie, dass es Wesenheiten gibt, die in der Realität selbst und nicht nur
im Bewusstsein existieren, gibt es seit einiger Zeit nun auch in der analytischen
Philosophie wieder ein neues Interesse an Wesenheiten. Allerdings unterscheidet
sich dieses neue Verständnis ganz erheblich vom klassischen Essentialismus der
aristotelisch-scholastischen Tradition. Die neuen Essentialisten stehen im
Zusammenhang mit den Weiterentwicklungen in der modernen Logik, insbesondere
der Modallogik, und gehen teilweise zurück auf Hilary Putnam und Saul Kripke.
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