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Donnerstag, 14. Juni 2012

Der methodische Zweifel


Die Theorie des methodischen Zweifels geht vor allem auf Rene Descartes zurück. Der Zweifel besteht darin, dass man von der Gewissheit einer Wahrheit absieht, um diese durch eine wissenschaftliche Untersuchung zu prüfen. Um zu einer vollkommenen Gewissheit zu gelangen, behandelt man eine Wahrheit gewissermaßen so, als gäbe es sich nicht. Descartes kam durch den methodischen Zweifel zu seiner Auffassung, dass man an allem zweifeln kann, nur nicht an der Einsicht, dass ich zweifele, was er in dem berühmten Satz „Ich denke, also bin ich (cogito ergo sum)“ zusammenfasste. Im Ausgang von dieser, seiner Meinung nach, absolut gewissen Erkenntnis, wollte er die gesamte Philosophie entwickeln. Inwieweit ist ein solcher Zweifel berechtigt?





Bei jeder wissenschaftlichen und somit auch philosophischen Untersuchung setzt man notwendigerweise bestimmte Wahrheit voraus. Von solchen allgemeinen Wahrheiten oder ersten Prinzipien kann auch derjenige nicht absehen, der aus methodischem Zweifel alles in Frage stellen will.

Solche erste Wahrheiten sind die Tatsache, dass der Zweifelnde selbst existiert, des Weiteren der Satz vom Widerspruch, d.i. der Satz, dass etwas nicht in ein und derselben Hinsicht existieren und nicht existieren kann, was für Aristoteles der oberste Satz der Philosophie ist und zumindest die Anerkennung der ersten Bedingung allen Erkennens, dass der Zweifelnde bzw. der Forscher grundsätzlich in der Lage ist, die Wahrheit zu erkennen.

Trifft dies zu, dann ist der methodische Zweifel eine unbrauchbare Methode um zur Gewissheit von Erkenntnissen zu kommen. Stattdessen geht die aristotelisch-scholastische Philosophie so vor, dass sie von der natürlichen Gewissheit erster Prinzipien ausgeht. Dazu gehört für Thomas von Aquin z.B. auch die Erkenntnis, dass das Ganze größer ist als der Teil und zahlreiche weitere unmittelbar einleuchtende Erkenntnisse.

Wenn man solche Grundsätze oder Prinzipien voraussetzt, dann anerkennt man damit auch den Grundsatz, dass der Mensch grundsätzlich zur Erkenntnis der Wahrheit befähigt ist. Das Vorgehen des methodischen Zweifels, das auch heute in der Philosophie häufig vertreten wird, führt hingegen zum Skeptizismus. Freilich waren Descartes oder auch Kant und andere Vertreter des methodischen Zweifels keine wirklichen Skeptiker; im Gegenteil, es ging ihnen um absolut gewisse Erkenntnisse. Doch damit widersprachen sie sich im Grunde selbst. Denn wenn z.B. Descartes von der Zweifelhaftigkeit des gesamten Erkenntnisvermögens ausgeht, dann kann er nicht zu der Einsicht seines Grundsatzes „Ich denke, also bin ich“ kommen, denn dann könnte auch diese Einsicht durchaus zweifelhaft sein.

Aus den obersten, unmittelbar einsichtigen Prinzipien können durch Schlussfolgerung weitere Erkenntnisse gewonnen werden oder man führt Erkenntnisse auf eine der obersten Prinzipien zurück. Nun kann man freilich, unter der Voraussetzung des Widerspruchsprinzips, durchaus dieses Prinzip auf einen bestimmten Zweifel anwenden und den bezweifelten Satz durch Zurückführung auf das Widerspruchsprinzip beweisen. Dies geht aber nur für Sätze, die nicht zu den obersten Prinzipien gehören, die selbst nicht beweisbar sind aber auch keines Beweises bedürfen.

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