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Mittwoch, 14. November 2018

Die voluntaristische Persönlichkeit


Eine voluntaristische Konzeption der Person versteht den Willen als primär und den Intellekt als sekundär.  Das bedeutet, dass der Voluntarismus letztendlich annimmt, dass das was wir denken, das widerspiegelt, was wir wollen.  Eine intellektualistische Auffassung der Person versteht hingegen den Intellekt als primär und den Willen als sekundär.  Für den Intellektualismus spiegelt das, was wir wollen, das wider, was wir denken.  Die beiden Ansichten sind natürlich komplizierter als dies Wenige. Zum Beispiel würde kein Voluntarist leugnen, dass das, was wir denken, das beeinflusst, was wir wollen, und kein Intellektualist würde leugnen, dass das, was wir wollen, das beeinflusst, was wir denken.  Aber die Grundidee ist, dass für den Voluntaristen der Wille letztendlich am Steuer sitzt, während für den Intellektualisten der Intellekt letztendlich am Steuer sitzt.

Montag, 8. Oktober 2018

Gut lesbare Einführung in Thomas von Aquin [UPDATE]


Wie der Verlag editiones scholasticae  mitteilt, erscheint in Kürze die deutsche Übersetzung einer kleinen Einführung in Thomas von Aquin (Leben, Philosophie und Theologie), die sich speziell an Interessierte richtet, die keine oder nur geringe Vorkenntnisse besitzen. Der englische Titel lautet Thomas Aquinas: A Very Brief History und stammt aus der Feder des renommierten amerikanischen Thomisten Brian Davies.

[UPDATE] Die deutsche Übersetzung ist jetzt erschienen. Es gibt auch eine eBook Version, z.B. für Kindle bei Amazon aber auch in anderen eBook-Formaten bei vielen anderen eBook Anbietern.

Montag, 3. September 2018

Die fünf Wege Thomas von Aquin: Ein zusammenfassender Gottesbeweis aus der Dauerhaftigkeit der Existenz


Eine der wichtigsten und grundsätzlichsten Fragen der Ontologie ist die nach dem, was Sein oder Existenz ist. Eine damit zusammenhängende Frage wird hingegen so gut wie gar nicht diskutiert: Warum existiert eine Entität a im gegenwärtigen Augenblick und auch eine gewisse Zeit später? Es ist die Frage nach der existenziellen Dauerhaftigkeit. Wenn eine Entität anfängt zu existieren ist damit noch nicht geklärt, warum sie auch einige Zeit später noch existiert. 

Dienstag, 14. August 2018

Der ad hominem Trugschluss ist eine Sünde


Im Zeitalter des Internet 2.0 hat prinzipiell jeder die Möglichkeit, Artikel verschiedener Medien zu kommentieren. Gute Artikel stelle Argumente für oder gegen eine These bereit, die von Lesern kommentiert werden können. In sehr vielen Fällen werden solche Thesen oder Behauptungen nicht argumentativ angegriffen, sondern mit sogenannten ad hominem „Argumenten“, d.h. dem Autor oder der Autorin werden z.B. bestimmte Absichten unterstellt, er oder sie wird diffamiert („Nazi“, „Rechtsradikaler“, „Kommunist“ etc.), oder es wird ihm oder ihr „Hass“ unterstellt und zwar ohne jede Bezugnahme auf das Argument, dass der Gegner gegeben hat. Diese Unkultur wurde jüngst in einem Blogbeitrag von Edward Feser thematisiert. Scholastiker hat diesen Blogbeitrag übersetzt und er wird hier erstmals in deutsche Übersetzung veröffentlicht.

Montag, 6. August 2018

Papst Franziskus und die Todesstrafe


Im Folgenden veröffentlichen wir die deutsche Übersetzung eines Textes des amerikanischen Philosophen Edward Feser zu der jüngsten Anordnung von Papst Franziskus an die Kongregation für die Glaubenslehre, den Katechismus der Katholischen Kirche in Bezug auf die Todesstrafe so zu verändern, dass die Todesstrafe immer und in jedem Fall unzulässig ist. Feser hat gemeinsam mit dem Verfassungsrechtler Joseph Bessette im letzten Jahr ein Buch veröffentlicht, in dem die 2000-jährige Lehre der Kirche zur Todesstrafe detailliert dargelegt wird und so gezeigt wird, dass die prinzipielle Anwendung der Todesstrafe sowohl durch die hl. Schrift, wie auch durch alle Kirchenlehrer und Päpste gerechtfertigt wurde, selbst von solchen Kirchenlehrern und Päpsten, die gegen die Anwendung der Todesstrafe waren. Die neue Lehre von Papst Franziskus stellt deshalb nicht nur ein Bruch in der Lehre der Kirche dar, sondern es handelt sich faktisch um eine materiale Häresie, unabhängig davon, wie man persönlich zur Todesstrafe steht.

Mittwoch, 25. Juli 2018

Notizen zu einem grundlegenden Unterschied


In der klassischen Wissenschaft und Philosophie werden die Beziehungen und das Verhalten von Dingen abgeleitet aus dem, was diese Dinge sind, aus ihrer Wesenheit.



In der modernen Wissenschaft und Philosophie wird die Frage, was die Dinge sind, als unerkennbar beiseitegestellt und allein das Verhalten und die Beziehungen der Dinge zueinander untersucht, d.h. es werden ausschließlich quantitative Aspekte der Dinge in den Blick genommen und daraus Schlüsse gezogen, die zukünftiges Verhalten der Dinge vorhersagen sollen.


Montag, 2. Juli 2018

Neues Buch von Edward Feser in deutscher Übersetzung


Das bereits in einem früheren Blogbeitrag angekündigte Buch von Edward Feser: Five Proofs of the Existence of God, erschienen bei Ignatius Press 2017 ist jetzt in deutscher Übersetzung lieferbar. Die deutschsprachige Ausgabe erschien unter dem Titel Fünf Gottesbeweise. Aristoteles, Plotin, Augustinus, Thomas von Aquin, Leibniz im Verlag editiones scholasticae.  In diesem Blog habe ich bereits die Einführung übersetzt.

Donnerstag, 24. Mai 2018

Die fünf Wege Thomas von Aquins: 5. Teil. Der Beweis aus der Zielgerichtetheit der Tätigkeit


Der „fünfte Weg“, den ich persönlich für den überzeugendsten Gottesbeweis halte, setzt die aristotelisch-thomistische Theorie der Finalkausalität voraus. Während die beiden ersten Gottesbeweise vor allem auf die effiziente Kausalität Bezug nehmen, argumentiert der fünfte Gottesweis des hl. Thomas auf der Grundlage der Ziel- oder Zweckursachen. Die aristotelische Tradition der Philosophie geht davon aus, dass alle natürlichen Gegenstände, also die Substanzen, eine inhärente Teleologie besitzen, durch die ihre Tätigkeiten auf ein Ziel oder einen Zweck gerichtet sind. Wichtig ist hier besonders die Betonung der inhärenten Zielgerichtetheit, denn in diesem Punkt unterscheidet sich der fünfte Weg zum Erweis der Existenz Gottes bei Thomas von Aquin deutlich von der Intelligent Design Theorie, die ebenfalls einen teleologischen Gottesbeweis kennt.

Dienstag, 17. April 2018

Die fünf Wege Thomas von Aquins: 4. Teil. Der Beweis aus den Graden der Vollkommenheit


Die klassische platonisch-aristotelische Tradition der Philosophie, zu der auch Thomas von Aquin gezählt werden kann, geht von einer Hierarchie des Seienden aus. Damit ist nicht nur gemeint, dass pflanzliche Lebewesen einen höheren Grad an Komplexität aufweisen wie Mineralien, und dass diese Komplexität bei Tieren und beim Menschen immer weiter zunimmt. Diese Auffassung wird auch von der Evolutionstheorie geteilt. Eine Hierarchie des Seienden im Sinne der klassischen Philosophie bezieht sich auch nicht auf die verschiedenen akzidentellen Bestimmungen des Seienden, sondern auf das Sein. Was Platon und Aristoteles und weitere Philosophen in dieser Tradition meinen, ist, dass ein Mensch „seiender“ ist als eine Amsel und dass eine Amsel „seiender“ ist ein als Regenwurm. Diese Hierarchie ist eine solche des Seins. 

Dienstag, 27. März 2018

Ist Gott männlich?

Moderne Theologinnen kritisieren die klassische Theologie unter anderem deshalb, weil sie Gott als männlich charakterisiert und ihn stets mit männlichen Artikeln anspricht. Darin sehen diese Theolog_innen einen schwerwiegenden sexistischen Irrtum. Sie plädieren dafür, Gott entweder mit weiblichen Artikeln (sie, ihr) oder stets mit er/sie/es anzusprechen. 
Edward Feser geht in seinem jüngsten Buch über die fünf Gottesbeweise in einem kurzen Anhang zum sechsten Kapitel auf diese Frage ein. Scholastiker hat diesen kurzen Text übersetzt und stellt ihn hier den Lesern dieses Blogs zur Verfügung. Die deutsche Übersetzung des kompletten Buches ist in Vorbereitung und wird nach Angaben des Verlags im Frühsommer erscheinen.