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Dienstag, 5. Januar 2021

Neue Buchreihe zur klassischen aristotelischen Logik


 Im Verlag editiones scholasticae erscheint in Kürze eine neue dreibändige Reihe zur Einführung in die klassische aristotelische Logik von Rafael Hüntelmann. Die drei Bände sind so angelegt, dass sie für jeden Interessierten verständlich sind und sogar für Schüler geeignet sein sollen. Der erste Band erscheint bereits in etwa einer Woche, die beiden anderen Bände kommen noch in diesem Jahr. Weitere Informationen zu Reihe hier. Grundkurs klassische aristotelische Logik – Editiones Scholasticae (editiones-scholasticae.de)

 

Montag, 4. Januar 2021

„Feinde“ – von Ferdinand von Schirach aus philosophischer Perspektive

 


Am gestrigen Sonntag konnte man eine weitere Verfilmung eines Beststellers des Autors Ferdinand von Schirach in der ARD sehen. Eigentlich waren es zwei Filme mit zwei verschiedenen Perspektiven, der Perspektive des ermittelnden Polizeibeamten und der Perspektive des Anwalts des Täters. Wie bei allen mir bekannten Verfilmungen der Bücher von Schirachs geht es eigentlich um eine Auseinandersetzung zwischen zwei philosophischen ethischen Theorien: der deontischen oder kantischen Ethik und der konsequentialistischen Ethik. Leider wird dies in den Verfilmungen oft nicht deutlich, da juristische Fragen im Mittelpunkt stehen. Ich möchte deshalb den vorstellten Fall philosophisch analysieren und die Fragestellung des Films naturrechtlich beantworten.

 

Freitag, 11. Dezember 2020

Die Tyrannei des souveränen Individuums

 


Das Individuum, das isoliert ist, ist nicht selbstgenügsam; und deshalb ist es wie ein Teil im Verhältnis zum Ganzen.  Wer aber unfähig ist, in Gesellschaft zu leben, oder wer kein Bedürfnis hat, weil er sich selbst genügt, muss entweder ein Tier oder ein Gott sein.

Aristoteles, Politik, Buch I

 

In der amerikanischen Zeitschrift The American Conservative interviewt Rod Dreher den Theologen Carl Trueman zu seinem neuen Buch The Rise and Triumph of the Modern Self.  Trueman argumentiert, dass der Zusammenbruch der traditionellen Sexualmoral nur als Folge einer radikal individualistischen Auffassung des Selbst verstanden werden kann, die sich im Laufe der Moderne immer tiefer in jeden Winkel des westlichen Geistes eingegraben hat – auch in den Köpfen vieler sogenannter Konservativer.  Doch zu wenige Verteidiger der traditionellen Sexualmoral sind sich dessen bewusst.  Trueman sagt:

 

Dienstag, 24. November 2020

GOTT von Ferdinand von Schirach und die Sterbehilfe

 


Am 23. November wurde in der ARD ein Kammerspiel des Autors Ferdinand von Schirach gesendet, bei dem es um die sogenannte Sterbehilfe gab. Es ging um den konstruierten aber denkbaren Fall eines gesunden 78-jährigen Mannes, dessen Ehefrau unter großen Qualen gestorben war und der nun selbst von einem Arzt einen assistierten Selbstmord erbat. Dazu gab es eine Verhandlung vor einer Ethikkommission und die Zuschauen konnten zum Schluss entscheiden, ob es dem Mann, Herrn Gärtner, erlaubt sein soll, mit Hilfe eines Arztes, der ihm ein Medikament verabreicht, zu sterben. Kaum überraschend stimmten über 70% der Zuschauen mit einem „Ja“ ab. Ein zentrales Thema, das während der gesamten „Verhandlung“ im Zentrum stand, wurde allerdings außer Acht gelassen: Die Frage der „Autonomie“.

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Sozialphilosophische Prinzipien: Gemeinwohl und Corona-Pandemie


 Ziel des Staates und aller staatlichen Maßnahmen ist das Gemeinwohl. Die Definition des Gemeinwohls lautet:

 Das Gemeinwohl ist die Gesamtheit der Bedingungen, durch die der Möglichkeit nach alle Glieder eines Staates frei und selbständig ihr irdischen Glück erreichen können.

 

Dienstag, 20. Oktober 2020

Wer war Thomas von Aquin?

 


Thomas von Aquin ist einer der größten christlichen Denker aller Zeiten. 1568 erklärte die römisch-katholische Kirche ihn zum Kirchenlehrer. Seine Schriften waren auch für Philosophen einflussreich, und nur wenige würden heute bestreiten, dass Thomas es verdient, den philosophischen Giganten zugeordnet zu werden, neben Platon (427348 v. Chr.), René Descartes (15961650), Immanuel Kant (17241804) und Ludwig Wittgenstein (19891951).

Freitag, 16. Oktober 2020

Die Herrschaft der Gesetzlosigkeit. Ein Rundumschlag: Corona, Antirassismus, cancel-culture, Tyrannei u.a.

 


Seit meinem letzten Blogbeitrag ist viel Zeit vergangen. Es hat sich sehr viel ereignet, aber aus verschiedenen Gründen, besonders wegen meiner beruflichen Aufgaben, bin ich nicht dazu gekommen, darauf zu reagieren.

Nun habe ich auf das Blog von Edward Feser einen Beitrag entdeckt, der alle wichtigen Ereignisse der letzten Wochen kritisch beleuchtet und philosophisch einordnet, natürlich unter der Perspektive der thomistischen Philosophie. Daher habe ich mich entschlossen, diesen umfangreichen Beitrag zu übersetzen. Der Text bezieht sich zwar auf die Verhältnisse in den USA, aber sie spiegeln vieles wider, was auch in Europa und in Deutschland geschieht.

 

Montag, 10. August 2020

Theologie und das analytische Apriori

Philosophen unterscheiden traditionell zwischen analytischen und synthetischen Sätzen.  Ein analytischer Satz ist ein Satz, der aufgrund der Beziehungen zwischen den ihn konstituierenden Begriffen wahr oder falsch ist.  Ein gängiges Beispiel ist „Alle Junggesellen sind unverheiratet“, was wahr ist, weil der Begriff „Unverheiratet“ im Begriff des Junggesellen enthalten ist.  Ein synthetischer Satz ist aufgrund von etwas wahr, das über die Beziehungen zwischen seinen konstituierenden Begriffen hinausgeht.  Zum Beispiel ist der Satz „Manche Junggesellen sind einsam“ aufgrund einer kontingenten empirischen Beziehung zwischen „Junggesellen-Sein“ und „Einsamkeit“ wahr, und nicht aufgrund einer notwendigen begrifflichen Beziehung zwischen ihnen.

 

Mittwoch, 1. Juli 2020

Sinnliche Gefühle und Gefühle des Willens


Der Verlag editiones scholasticae bereitet derzeit eine Neuerscheinung zur Psychologie Thomas von Aquins vor. Zu diesem Themenkomplex ist seit Jahrzehnten kein Buch mehr erschienen. Im vorletzten Jahr hat nun der amerikanische Philosoph Steven J. Jensen eine hervorragend geschriebene Einführung in dieses Thema veröffentlicht, die ich persönlich für das Beste halte, was zur philosophischen und speziell thomistischen Psychologie in den letzten 100 Jahren erschienen ist. Der Verlag hat die deutschen Übersetzungsrechte erworben und der Band wird vermutlich noch im August in deutscher Übersetzung erscheinen.
In dem Buch „Steven J. Jensen: Die menschliche Person. Eine thomistische Psychologie für Anfänger“ gibt es auch ein Kapitel über den Willen, aus dem ich viel gelernt und verstanden haben. Hier geht es u.a. um den Unterschied zwischen sinnlichen Gefühlen und Gefühlen des Willens, wobei gezeigt wird, dass Letztere nicht empfunden werden. Ich veröffentliche hier erstmals in deutscher Übersetzung einen Ausschnitt aus diesem Kapitel.


Freitag, 19. Juni 2020

Metaphysische Tierpräparation


Ich habe oft betont, dass der Grund, warum das Bewusstsein ein so hartnäckiges Problem für den Materialismus darstellt, weniger mit dem Bewusstsein selbst zu tun hat als mit der ausgetrockneten Auffassung von Materie, die wir von der frühneuzeitlichen Philosophie und Wissenschaft geerbt haben.  Barry Dainton weist in seinem Buch Self ein paar Mal auf den gleichen Punkt hin.  Zum Beispiel schreibt er: