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Donnerstag, 9. Januar 2020

Ein neues Buch von David Oderberg


Nach fast 12 Jahren Wartezeit hat David Oderberg, der derzeit wohl führende analytische Thomist (auf der Liste der 50einflussreichsten Philosophen der Welt) ein neues Buch veröffentlicht. Der Titel: The Metaphysics of Good and Evil Leider ist die gedruckte Hardcoverausgabe extrem teuer, doch es gibt ein eBook zu einem günstigen Preis und im Verlauf dieses Jahres kann man auch eine günstigere Paperbackausgabe erwarten. 
Das Warten hat sich gelohnt: Das neue Buch Oderbergs erfüllt alle Erwartungen, die man an diesen Autor stellen kann.

Dienstag, 3. Dezember 2019

Die Wahrheit des Szientismus


In den letzten Jahrzehnten scheint sich der Szientismus als die vorherrschende Strömung nicht nur in der Philosophie, sondern auch im alltäglichen Leben durchgesetzt zu haben. Wir erwarten von der Wissenschaft und insbesondere von der Naturwissenschaft die Antwort auf alle wesentlichen Fragen. Ein Blick in die Medien und insbesondere in die populären Wissenschaftsmagazine, ob im Fernsehen oder in anderen Medien, macht diesen Trend deutlich. Es sind fast die einzigen Sendungen und Magazine, die einen Zuwachs an Zuschauern und Lesern verzeichnen können. 

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Tod und Organtransplantation


David Oderberg, einer der einflussreichsten und bekanntesten thomistischen Philosophen der Gegenwart, hat in einem Aufsatz für eine Fachzeitschrift (2019) eine Analyse des Hirntodkriteriums, aber auch anderer Todeskriterien veröffentlicht. In seinem Beitrag argumentiert Oderberg, dass alle derzeitig gebräuchlichen empirisches Kriterien zur Bestimmung des Todeszeitpunkts unzuverlässig sind und das nur die Philosophie, bzw. die Metaphysik in der Lage ist, zu bestimmen, was der Tod ist. In der aristotelisch-thomistischen Metaphysik wird aber die Trennung von Leib und Seele als Tod definiert. Diese Trennung von Leib und Seele ist empirisch auf jeden Fall gegeben, wenn die Verwesung des Körpers eintritt. Oderberg folgert deshalb, dass jede Organtransplantation seit den 1950er Jahren, bei der die Organe einem Menschen entnommen wurden, der mit dem Hirntodkriterium für tot erklärt wurde, letztlich die Tötung eines Menschen darstellt. Er tritt ein für ein Moratorium für alle weiteren Transplantationen, bei denen der Tod nicht zumindest durch die Totenstarre festgestellt wird.

Dienstag, 27. August 2019

Naturphilosophie und Naturwissenschaft


Wie steht es um das Verhältnis von Naturphilosophie und Naturwissenschaft? Diese Frage eröffnet ein weites Feld, aber einige einleitende Worte, insbesondere aus erkenntnistheoretischer Sicht, können hilfreich sein, um dieses Verhältnis zu beleuchten und die Einwände, die häufig von Naturwissenschaftlern und insbesondere von szientistisch orientieren Philosophen aufzugreifen und zu entkräften.

Dienstag, 6. August 2019

Psychoanalyse des sexuellen Revolutionärs


Wenn jemand eine Behauptung aufstellt oder ein Argument vorbringt und vorgibt, es zu widerlegen, indem er auf einen angeblichen persönlichen Mangel seines Charakters aufmerksam macht (wie z.B. einen schlechten Charakter oder ein verdächtiges Motiv), dann haben wir es einen ad hominem Trugschluss zu tun.  Der Grund, warum es sich um einen Trugschluss handelt, ist, dass das, worum es in einem solchen Fall geht, die Wahrheit der Behauptung oder die Beweiskraft des Arguments ist, aber stattdessen wurde das Thema gewechselt, indem man über etwas anderes spricht, nämlich über die Person, die die Behauptung oder das Argument aufstellt.  Aber wie ich in einem Beitrag von vor einigen Jahren erklärte, ist nicht jede Kritik an einer Person, die eine Behauptung oder ein Argument vorbringt, ein ad hominem Trugschluss, denn manchmal ist das Thema tatsächlich die Person selbst. Wenn eine Person zum Beispiel anfällig für ad hominem Trugschlüsse ist und trotz sanfter Korrektur auf ihnen besteht, ist es völlig legitim zu bemerken, dass sie irrational und vielleicht sogar moralisch in gewisser Weise defekt ist - zum Beispiel, dass sie im Laster des Zorn verharrt, oder eine eigensinnige Persönlichkeit hat, oder sich eines Mangels an Nächstenliebe gegenüber ihren Gegnern schuldig macht.

Montag, 15. Juli 2019

Was macht eine Aussage wahr?


Nach der klassischen aristotelischen Wahrheitstheorie ist eine Aussage wahr, genau dann, wenn die Aussage mit der Tatsache übereinstimmt. Dabei ist vorausgesetzt, dass nur Aussagen, bzw. Propositionen wahr sind. Es gibt verschiedene andere Definitionen dieser klassischen Wahrheitstheorie, die auch als Korrespondenztheorie der Wahrheit bezeichnet wird, doch dies ist in unserem Zusammenhang von untergeordneter Bedeutung.

In der neueren Philosophie heißt es, dass eine Aussage durch einen „Wahrmacher“ (truthmaker) wahr gemacht wird. Was ist damit gemeint und wie unterscheidet sich diese Auffassung von der klassischen Wahrheitstheorie?


Donnerstag, 2. Mai 2019

Aristoteliker sollten Präsentisten sein


Der Präsentismus vertritt die Auffassung, dass innerhalb des zeitlichen Bereichs nur die Gegenwart existiert und dass Vergangenheit und Zukunft nicht existieren.  Alex Pruss ist der Meinung, dass Aristoteliker keine Präsentisten sein sollten.  Das wäre eine Neuigkeit für Aristoteles, Thomas von Aquin und andere aristotelische Präsentisten.  Ich stimme eher mit ihnen als mit Alex Pruss überein, und ich denke, dass der Präsentismus tatsächlich die natürliche Sichtweise ist, die man einnehmen sollte, wenn man eine aristotelische Sichtweise auf die Natur der physischen Realität hat und insbesondere im Blick auf die Natur der Zeit.  Ich erkläre das alles ausführlich in Aristoteles' Revenge. An dieser Stelle möchte ich nur kurz versuchen, die allgemeine Idee zu vermitteln.




Samstag, 16. März 2019

Ist das Geschlecht sozial konstruiert?

Der folgende Beitrag ist eine Übersetzung eines Blogbeitrags von Edward Feser, der sich wiederum auf einen Beitrag des Philosophen Alex Byrne bezieht. Byrne hat sich in verschiedenen Beiträgen mit der derzeitigen Gender-Debatte auseinandergesetzt und gilt als einer der besten Kenner dieser Debatte. In einem Beitrag auf Arc Digital hat er einen Beitrag zu der Frage veröffentlicht, ob das Geschlecht sozial konstruiert ist, wie die meisten Vertreter der Gendertheorie behaupten. Auf diesen Beitrag von Byrne auf Arc Digital bezieht sich der Kommentar von Edward Feser, den wir hier in deutscher Übersetzung wiedergeben.


Freitag, 15. März 2019

Warum der Verstand kein Gehirn braucht


Der folgende Text ist entnommen aus dem „Grundkurs Philosophie IV. Das Leib-Seele-Problem“ von Rafael Hüntelmann. In dem Text werden die wichtigsten Argumente für die Immaterialität des Geistes, bzw. des Verstandes vorgestellt:

Ganz offensichtlich sind sinnliche Wahrnehmungen auf materielle Organe angewiesen. Um Farben zu sehen, benötigen wir Augen, Sehnerven und ein Gehirn. Um Töne zu erfassen, müssen Schallwellen an unser Ohr gelangen und das Trommelfell muss in Schwingung versetzt werden, Schwingungen, die durch bestimmte Knochen und andere Organe weitergeleitet und in elektrische Impulse umgewandelt werden, die dann ins Gehirn gelangen.


Montag, 4. Februar 2019

Der Materialismus untergräbt sich selbst


Ein naives Verständnis des Materialismus spricht dem Materialismus ein naives Verständnis der Materie zu.  Die Materie, so sagt der gesunde Menschenverstand, ist mehr oder weniger so, wie sie uns in der normalen Erfahrung erscheint.  Sie ist ein festes, farbiges Material, das irgendwie schmeckt, riecht, klingt und sich auf eine bestimmte Weise anfühlt.  Der Materialismus ist nach einem naiven Verständnis die Ansicht, dass alles, was existiert, in dieser Weise ist.  Selbst unbeobachtbare Partikel gelten als winzige feste, farbige Objekte, die ihren eigenen Geschmack, Geruch, Klang und ihr eigenes Gefühl haben.  So wie kleine Steine oder Murmeln.