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Freitag, 30. November 2012

Ontologie und Logik


In der gegenwärtigen analytisch-orientierten Philosophie gibt es starke Tendenzen, Logik und Ontologie mehr oder weniger zu identifizieren. Dies hängt sicher mit der modernen Fregeschen mathematischen Logik zusammen, die vor allem in der Prädikatenlogik und Modallogik nicht ontologieneutral ist. So gibt es ontologische Theorien, die die moderne Logik nicht nur als Grundlage der Ontologie betrachtet, sondern auch darüber hinaus die Logik direkt auf die Ontologie anwendet. Logische Entitäten sind allerdings grundsätzlich keine echten Entitäten, d.h. sie existieren nicht.





Selbstverständlich hat die Logik in Fundament in der Wirklichkeit, ein fundamentum in re, wie dies in der scholastischen Philosophie genannt wird, die Logik selbst ist allerdings nicht real. Real ist der Logiker oder die vom Logíker verwendeten Symbole und Zeichen, sofern Sie auf einer materiellen Grundlage geschrieben werden. Die Neigung, nicht nur der Logiker, sondern auch anderer Wissenschaftler, die Logik mit der Wirklichkeit selbst zu identifizieren, widerspricht der klassischen Philosophie.

Man kann dies zum Beispiel an einem Vergleich der Modallogik und der aristotelischen Akt-Potenz-Theorie verständlich machen. Der logische Begriff der Möglichkeit bedeutet, dass etwas, was logisch möglich ist, mit logischen Gesetzen, insbesondere dem Gesetz vom Nichtwiderspruch, konsistent ist. Aber nicht alles was logisch möglich ist, ist auch real möglich. Unter einer realen Möglichkeit versteht die aristotelisch-scholastische Philosophie eine Potenz. Eine Potenz ist entweder aktiv oder passiv. Das bedeutet, dass eine aktive Potenz ein Vermögen, eine Fähigkeit, eine Disposition zu etwas ist. Eine passive Potenz ist eine solche, die einen Akt aufnehmen kann. Beides hängt meistens zusammen. So besteht eine aktive Potenz des Wassers darin, heiß zu werden, die passive Potenz des Wassers besteht darin, Hitze aufzunehmen. Eine Eichel hat die aktive Potenz, ein Eichenbaum zu werden. Im Allgemeinen bezieht man sich bei der Rede von Potenzen auf aktive Potenzen.

Jede Potenz ist eine echte Wirklichkeit, ein Vermögen, eine Fähigkeit oder Disposition. Solche Potenzen existieren, selbst wenn ihre Existenz sich von der eines Aktes oder einer realisieren Potenz unterscheidet. Eine logische Möglichkeit, ist z.B. die logische Möglichkeit zur Galaxie Andromeda zu reisen. Diese Möglichkeit ist logisch durchaus gegeben, denn es widerspricht keinem logischen Gesetz. Allerdings ist es, zumindest derzeit, real nicht möglich zum Andromodanebel zu fliegen. Dies gilt aber auch für logische Möglichkeiten, die realen Möglichkeiten entsprechen. Eine logische Möglichkeit hat dann allerdings ein fundamentum in re, wenn es eine reale Möglichkeit gibt, die ihr entspricht.

In der Prädikatenlogik wird eine partikuläre Proposition wie „der Adler fliegt“ z.B. mit F(a) formalisiert, wobei der kleine Buchstabe für das Subjekt bzw. das Individuum und der Großbuchstabe für das Prädikat steht. In der klassisch-aristotelisch Logik werden solche Sätze als S ist P Sätze formalisiert. Wenn man nun, wie dies in der Fregeschen Logik angelegt ist, F(a) als eine Entität beschreibt, z.B. als einen Sachverhalt, dann hat man damit eine ontologische Vorentscheidung getroffen, die oftmals unreflektiert bleibt. In der scholastischen Philosophie ist F(a) keine echte Entität. Echte Entitäten sind der Adler und die Tätigkeit des Fliegens, die allerdings nicht für sich, sondern nur an einem anderen, an einer Substanz nämlich (die für-sich ist), vorkommt. In einer Proposition, die durch eine Aussage ausgedrückt wird, sind diese beiden Entitäten miteinander verbunden. Existieren Propositionen oder Aussagen? Natürlich gibt es den Satz, den Erwin jetzt zu mir spricht, wenn er sagt „Der Adler fliegt“. Aber die Proposition, auf die sich dieser gesprochene Satz bezieht, hat nur eine logische und keine reale Existenz. Zahlreiche Vertreter der analytischen Philosophie behandeln nun aber solche Propositionen so, als wären sie wirkliche Entitäten und bezeichnen diese dann als Sachverhalte oder Tatsachen. Bekannt ist der Satz Ludwig Wittgensteins zu Beginn seiner Tractatus logico philosophicus (Logisch-philosophische Abhandlung), „[d]ie Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge“ der genau meint dies meint. Es handelt sich hier um die Anwendung der modernen Logik auf die Wirklichkeit. Nach Kant sollen sich die Gegenstände nach unserer Erkenntnis richten, wie er im Vorwort zur „Kritik der reinen Vernunft“ sagt. Bei Wittgenstein und anderen analytischen Philosophen soll sich die Wirklichkeit nach der Logik richten. Nur in der aristotelisch-scholastischen Philosophie richten sich Logik und Philosophie nach der Wirklichkeit. Deshalb ist nur diese Philosophie im echten Sinne realistisch.

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