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Samstag, 5. Januar 2013

Naturgesetze und die Natur der Dinge


Wenn man heutzutage gefragt wird, warum der Mond um die Erde kreist oder warum warme Luft nach oben steigt oder warum Laubbäume im Herbst ihre Blätter verlieren, dann verweist man für die Antwort im Allgemeinen auf die entsprechenden Naturgesetze. Dies ist sicherlich nicht falsch und zumeist geben wir uns mit einer solchen Erklärung zufrieden. Naturgesetze determinieren die verschiedenen Abläufe, Prozesse und Vorgänge in der Natur. Doch bewirken sie diese Prozesse auch?





Es scheint vielen modernen naturwissenschaftlich orientierten Menschen in der Tat so, als ob die Naturgesetze etwas bewirken. So liest man nicht selten Sätze wie die, dass die Gravitationsgesetze die Umdrehung des Mondes um die Erde oder der Erde um die Sonne bewirken. Doch wie können Naturgesetze etwas bewirken?

Ein Naturgesetz ist eine allgemeine mathematische Formulierung über bestimmte Zusammenhänge in der Natur, die die folgende allgemeine Form hat: Unter der Voraussetzung, dass die Bedingungen f, g und h (…) gegeben sind: wenn x, dann y. Sie können dies gerne auf verschiedene Ihnen bekannte Naturgesetze anwenden, wie dem Gesetz vom freien Fall oder den Newtonschen Gravitationsgesetzen.

Eine solche Formulierung ist aber nichts mehr und nichts weniger als eine mathematische Beschreibung eines Zusammenhangs und sie ist weder eine Ursache, noch die Wirkung dieses Vorgangs. Naturgesetze bewirken nichts, sie beschreiben nur Zusammenhänge zwischen Ursachen und Wirkungen, wobei selbst dies umstritten ist, denn nach Auffassung des englischen Empiristen David Hume (1711 – 1776) gibt es keinen objektiven Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung.

Die eigentlichen Ursachen und Wirkungen oder die von der Naturwissenschaft beschriebenen Zusammenhänge liegen in der Natur, der Wesenheit der Dinge. David Oderberg hat dies sehr treffend in dem Satz formuliert „The laws of nature are the laws of natures“, was man im deutschen leider nicht so klar formulieren kann. Gemeint ist etwa, dass die Naturgesetze Gesetze der Naturen, bzw. der Wesenheiten der Dinge sind. Naturgesetze abstrahieren von dem konkreten Verhalten, von den, allgemeiner gesagt, Tätigkeiten der konkreten, individuellen Substanzen und können schon deshalb nicht selbst irgendetwas erklären. In der natürlichen Welt existieren konkrete materielle Substanzen mit bestimmten Eigenschaften und Wesenheiten und die Rede von Naturgesetzen ist nur eine Abkürzung für die Muster der Tätigkeit und des Verhaltens, zu dem diese Substanzen neigen.

Die Substanzen haben bestimmte Potenzen die durch eine äußere Einwirkung aktualisiert werden und infolge dessen bestimmte Wirkungen zeigen. Diese Wirkungen sind wiederum der Zweck der Einwirkung, der Ursache, durch die eine Potenz oder Potenzialität aktualisiert wird. All dies liegt im Wesen der Dinge, der Substanzen selbst und nicht in den Naturgesetzen, die dies nur in abstrakter und mathematischer Form beschreiben.

Wenn man also gefragt wird, warum sich z.B. der Mond um die Erde dreht, wird diese Warum-Frage nicht dadurch beantwortet, indem man auf die Gesetze der Gravitation verweist, sondern auf das Verhalten des Mondes und der Erde zueinander, die innere Disposition des Mondes und der Erde und das Ziel, bzw. den Zweck dieses Verhaltens, z.B. die Stabilisierung der Erdachse, die wiederum das Leben auf der Erde erst möglich macht usw. Dies gilt natürlich nicht nur für diese Vorgänge, sondern für jedes Naturgesetz, denn diese Gesetze haben ihre Grundlage in den Wesenheiten der Substanzen aus denen ihre Tätigkeit, ihr Verhalten folgt. Oder in scholastischer Terminologie agere sequitur esse, die Tätigkeit folgt aus dem Sein.

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