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Samstag, 2. März 2013

These 13: Organische und anorganische Körper


Das alle materiellen Körper in organische und anorganische eingeteilt werden, ist sicher keine Neuheit. Der Unterschied wird auch durch das Begriffspaar „lebendig“ bzw. „nicht-lebendig, leblos“ beschrieben. Die 13. These der „24 bestätigten Thesen der thomistischen Philosophie“ behauptet nun, dass bei den lebendigen Körpern in ein und demselben Körper (also in einer Pflanze oder einem Tier oder einem Menschen) zwei Teile vorhanden sind, nämlich ein bewegender und ein bewegter Teil. Diese beiden Teile sind charakteristisch für alles Organische, denn organische, lebendige Körper unterscheiden sich von anorganischen Körpern unter anderen dadurch, dass sie einen bewegenden und einen bewegten Teil haben und eben dadurch selbstbeweglich sind. Selbstbeweglich ist etwas, dass nicht nur einen beweglichen Teil hat und daher allenfalls von außen bewegt werden kann, wie der Kieselstein am Rheinufer, sondern auch einen weiteren Teil, der bewegt. Und diesen Teil nennt die thomistische Philosophie (wie schon Aristoteles) die Seele.





Die Seele ist aber nichts anderes als die substantielle Form lebendiger Körper. Es handelt sich nicht um irgendetwas geheimnisvolles, einen „Geist“, der in einem toten Körper lebt und ihn wie ein Alien belebt. Der Begriff der Seele ist heute unbeliebt geworden, weil man mit ihm alle möglichen Assoziationen verbindet, die aber mit dem aristotelisch-thomistischen Begriff überhaupt nichts zu tun haben. Die Missverständnisse sind vielmehr das Ergebnis des kartesischen Seelenbegriffs, bei dem Seele und Körper strikt getrennt sind.

In der thomistischen Philosophie sind Seele als Form organischer Körper und Körper selbst zwar eindeutig verschieden, aber keineswegs geschieden. Die 13. These bezeichnet sie als zwei Teile eines organischen Körpers, nämlich als den bewegenden Teil (die Seele als substantielle Form des Körpers) und den bewegten Teil (als Materie, letztlich als prima materia).

Die Seele der Pflanzen und Tiere ist die Form des Körpers und sie bestimmt, was etwas ist: eine Gurke, ein Weißkohl, eine Orchidee oder eine Eule. Die Seele „in-formiert“ den Körper und alle seine Teile und ist für die Einheit der Teile verantwortlich. Ohne diese Form, die Seele sind die Teile keine Einheit, keine Eule oder kein Hähnchen, sondern ein totes Stück, das früher eine Eule war oder ein Brathähnchen. Der „un-informierte“ Körper zerfällt in seine Bestandteile und zuletzt zur prima materia.

Die Seele als substantielle Form der Pflanzen und Tiere geht voll und ganz in ihrer Funktion für den Körper auf. Sie ist gewissermaßen vollständig in den Körper eingesenkt und dessen Lebensprinzip. Deshalb sind die Seelen der Pflanzen und Tiere sterblich; sie gehen mit dem Körper, dem sie eingesenkt sind, zugrunde.

Alle organischen Körper unterscheiden sich von den anorganischen zudem dadurch, dass sie „verschiedengeartete Teile“ besitzen, wie es in der 13. These heißt. Diese „verschiedengearteten Teile“ sind die Organe, die sich selbst bei primitiven Lebewesen, wie den Einzellern finden. Anorganische Körper können aus verschieden Teilen bestehen, doch diese sind entweder homogen miteinander verbunden, oder bestehen nebeneinander, vermischt oder wie auch immer; sie bilden keine Einheit. Die verschiedenen Teile des Organismus, seine Organe, bilden eine sinnvolle Einheit, die durch die Seele, die substantielle Form der Organismus bestimmt wird. Jedes einzelne Organ erfüllt einen oder mehrere Zwecke und alle diese Zwecke sind wieder auf einen gemeinsamen Zweck, den Zweck des Organismus als Ganzes gerichtet, nämlich die Selbsterhaltung und Fortpflanzung (Erhaltung der Art). Nichts anderes ist mit „Seele“ gemeint als diese Zusammenfassung der verschiedenen organischen Teile zu einer Einheit, die Informierung dieser Teile, ihre Belebung.

Und so lautet die 13. These:

„13. Die Körper werden zweifach eingeteilt: die einen nämlich sind lebendig, die anderen leblos. Bei den lebendigen bedarf, damit es in demselben Subjekt einen bewegenden Teil und einen bewegten Teil an sich gebe, die substantielle Form – mit dem Namen „Seele“ bezeichnet – einer organischen Anlage bzw. verschiedengearteter Teile.“

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