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Donnerstag, 9. Januar 2014

Kausalität und die Philosophie des Geistes

Die Philosophie des Geistes ist eines der wohl umfangreichsten und intensivsten Forschungsgebiete der Gegenwartsphilosophie. Ihr Gegenstand ist die Frage nach dem Verhältnis, der Beziehung zwischen Geist und Körper, bzw, Geist und Gehirn. Sofern nicht völlig geleugnet wird, dass es so etwas wie Bewusstsein oder Geist gibt (Eliminativismus), wird diese Relation mit Hilfe der Kausalrelation und zwar nur mit Hilfe dieser Relation zu erklären versucht. Und genau darin besteht eines der wohl wichtigsten Probleme der Philosophie des Geistes.




Denn offensichtlich ist das Verhältnis zwischen etwas Immateriellem (Bewusstsein) und etwas Materiellem (Gehirn oder Körper) nicht durch eine kausale Beziehung im Sinne der effizienten Kausalität erklärbar. Wie soll auch etwas Immaterielles auf etwas Materiellem einwirken können? Auch das Umgekehrte ist unmöglich. Wäre dies möglich, dann müsste dies physikalische Grundsätze in Frage stellen wie den, dass die Menge an Energie im Universum nicht vermehrt oder vermindert werden kann. Auch das Prinzip der Geschlossenheit des materiellen Universums ist nur schwer zu widerlegen, obwohl Dualisten zumeist dieses Prinzip anzweifeln.

So dreht sich derzeit die Forschung im Bereich der Philosophie des Geistes weitgehend im Kreise, in dem bekannte Argumente immer nur wiederholt und mit neuen Argumenten untermauert werden, ohne dass die Schwierigkeiten verschwinden. Beide Hauptrichtungen, der Dualismus und der Physikalismus akzeptieren die Voraussetzung, dass es keine andere Art der Relation geben kann um das Verhältnis von Geist und Körper zu erklären als die Kausalrelation im Sinne der Wirkursächlichkeit.

Einzig der Hylemorphismus, der bedauerlicherweise bislang kaum wahrgenommen wird (in Deutschland in selbst die Einschränkung “kaum” unzutreffend) vertritt einen kausalen Pluralismus. Damit ist die Auffassung gemeint, dass es mehrere, völlig verschiedene Arten von Kausalität gibt und dass zum Verständnis der Relation von Geist und Körper die Wirkursache nicht weiterhilft. Stattdessen behauptet der Hylemorphismus, der auf Aristoteles und Thomas von Aquin zurückgeht, dass die Beziehung von Körper und Geist durch die Formursache (causa formalis) verständlich wird. Doch wie man seit über 500 Jahren in der Philosophie alles verworfen hat, was auch nur an Form- oder Zielursache erinnern könnte, wird auch in dieser Frage der Vorschlag der Hylemorphisten im günstigsten Fall mit einem freundlichen Lächeln bedacht. Argumente gegen die Erklärung der Relation von Bewußtsein und Gehirn durch die Formursache hört man dagegen nicht.

Die Formursache bestimmt, was etwas ist; sie ist keine Wirkursache, die etwas äußerlich an einem Gegenstand verändert, sondern die in einer Entität das Bestimmende ist. Sie ist so etwas wie das Struktur- oder Ordnungsprinzip einer Entität und selbst nichts Materielles, denn die Ordnung einer materiellen Konfiguration ist nicht selbst ein materielles Element dieser Konfiguration. Die Anordnung der Elemente einer Zelle, die Ordnung, ist auf eine bestimmte Funktion, einen Zweck, ausgerichtet und diese Ordnung, diese Struktur kann nicht ein Element dieser Zelle sein, so wie die Organellen, die Mitochondrien, der Zellkern und die Doppelhelix usw. Dass diese Elemente in einer bestimmten Weise sinnvoll zusammenwirken und dabei eine bestimmte Funktion in einem Organismus erfüllen, erfordert ein eigenes Prinzip, eine eigene Ursache und diese Ursache ist die Formursache.

Natürlich erfordert diese Erklärung weit mehr, als diese Andeutungen und zudem ist diese Erklärung nur dann sinnvoll, wenn sie mit der Akt-Potenz Theorie verbunden wird, denn dass die Formursache die Materie in der Weise determiniert, dass beides zusammen eine echte, lebendige Einheit bildet, ist nicht möglich, ohne das einer der beiden Teile - Form und Materie - rein potenziell ist und somit bestimmbar, während der andere Teil aktual ist und daher bestimmend. Es wäre schon ein großer Fortschritt in der Forschung der Philosophie des Geistes, wenn dieser Ansatz, der Hylemorphismus, ernsthaft in die Debatte mit einbezogen würde. Denn immerhin ist diese Theorie die bislang einzige, die eine widerspruchsfreie Erklärung der Relation von Bewusstsein und Gehirn bietet.

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