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Montag, 21. Dezember 2015

Nur Eins ist notwendig



Der dritte thomistische Gottesbeweis geht, wie alle „fünf Wege“, von einer alltäglichen Erfahrung aus. Wir sehen, dass bestimmte Dinge in unserer Welt kontingent sind, d.h. dass sie nicht notwendigerweise existieren müssen. Dies zeigt sich schon daran, dass sie irgendwann einmal nicht existiert haben und dass sie auch irgendwann aufhören zu existieren. Niemand wird diese Tatsache ernsthaft in Frage stellen.






Damit sich etwas verändert oder entsteht und vergeht, muss es aus Akt und Potenz zusammengesetzt sein. Veränderung wird nämlich von Thomas von Aquin als Übergang von Potenz zu Akt, von Möglichkeit zu Wirklichkeit analysiert. Wenn etwas, dass bisher noch nicht wirklich ist, das aber möglich ist, wie z.B., dass aus einem Samen eine Blume wird – der Samen selbst ist wirklich, enthält aber auch zugleich die Möglichkeit, eine Rose zu werden – dann wird diese im Samen liegende Möglichkeit verwirklicht, aktualisiert. Alle materiellen Dinge sind aus Wirklichkeit und Möglichkeit zusammengesetzt. Darauf beruht die Veränderbarkeit der Dinge. Diese Zusammensetzung in materiellen Dingen ist die Zusammensetzung durch Materie und Form. Die Form ist das wirkliche und bestimmende Prinzip, während die Materie das potenzielle oder bestimmbare Prinzip im Aufbau einer Substanz ist.



Die Formen selbst vergehen und entstehen nicht. Das Gleiche gilt auch von der Materie als Materie, d.h. die materia prima, die völlig unbestimmte aber bestimmbare Materie. Materie und Form entstehen nicht und sie vergehen nicht. Veränderung, Bewegung oder Werden betrifft nur die Dinge, die aus Materie und Form zusammengesetzt sind.



Dies wird auf folgende Weise verständlich. Die Materie ist reine Potenz, die nicht unabhängig von der Form, die sie bestimmt existiert. Die Formen als solche existieren aber auch nicht unabhängig von den materiellen Gegenständen, deren Formen sie sind. Als Formen sind sie Abstraktionen des Verstandes. Darum können Materie und Formen als solche nicht entstehen oder vergehen.



Da sowohl die Materie nicht ohne die Form, als auch die Form nicht ohne Materie existieren kann, haben sie ihre Notwendigkeit nicht in sich selbst. Daher kann ihre Notwendigkeit nur eine abgeleitete sein, sie existieren nicht in sich selbst notwendigerweise. Dies bedeutet aber, dass es etwas geben muss, wodurch sie zusammengesetzt werden, denn jede materielle Substanz ist aus Akt und Potenz, bzw. aus Form und Materie zusammengesetzt.



Sollte es eine Entität geben, die notwendigerweise existiert, dann ist diese Notwendigkeit entweder abgeleitet von einer anderen notwendigen Entität oder diese Entität existiert aus sich selbst notwendigerweise. Sofern die Notwendigkeit abgeleitet ist, ergibt sich dasselbe: diese Notwendigkeit ist wieder entweder abgeleitet oder in sich selbst notwendig.



Nun ist aber ein Regress notwendiger Entitäten nicht bis ins Unendliche möglich, denn bei einer solchen Reihe handelt es sich um eine per se geordnete Kausalreihe und nicht um eine Kausalreihe per accidens.



Daraus aber folgt, dass es etwas geben muss, das in einer absoluten Weise notwendig ist, das in sich selbst und durch sich selbst notwendig existiert und seine Notwendigkeit nicht in einem anderen hat und daher auch nicht aus Form und Materie, bzw. aus Akt und Potenz zusammengesetzt sein kann. Ein solches absolut notwendiges Seiendes ist aber weder entstanden, noch kann es vergehen. Es kann sich auch nicht ändern, denn es ist die Fülle der Wirklichkeit. Ein solches Seiendes kann nur Gott sein.


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