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Freitag, 12. Februar 2016

Buchempfehlung für Scholastiker



In unregelmäßigen Abständen stelle ich in meinem Blog philosophische Neuerscheinungen vor, die zugleich deutlich machen, dass sich die neuscholastische oder neothomistische Philosophie in der Gegenwartsphilosophie immer deutlicher bemerkbar macht, und vom Hauptstrom der Gegenwartsphilosophie nicht mehr ignoriert werden kann. Eine ausgezeichnete Arbeit zur Ethik bzw. Metaethik, die allerdings bereits 2012 erschienen ist, ist das Buch von David Alexander: Goodness, God, and Evil.



Der Autor ist Assistenzprofessor für Philosophie an derHuntington Universität im US-Bundesstaat Indiana. In seinem Buch argumentiert der Autor mit Bezug auf einen kaum beachteten Aufsatz der renommierten englischen Logikers Peter Geach (Ehemann von Elizabeth Anscombe), dass es sich bei dem Wort „gut“ nicht um ein prädikatives Adjektiv, sondern um ein attributives Adjektiv handelt. Dies bedeutet, kurz und nicht ganz korrekt gesagt, dass das Wort „gut“ nicht wie eine Eigenschaft in der gleichen Weise allen Dingen zukommt, von denen gesagt wird, dass sie gut sind. Dies ist der Fall bei prädikatives Adjektiven, wie z.B. „rot“. Rot kann ich in der gleichen Weise von einem Apfel oder einem Ferrari aussagen. Dies trifft nicht bei „gut“ zu. Ein gutes Auto ist etwas anderes als ein gutes Pferd, eine gute Eiche oder ein guter Mensch.

Diese Entdeckung von Peter Geach ist aber nur die Voraussetzung für die weitere Untersuchung. Denn dies hat Auswirkungen für die Ethik. Wenn „gut“ nicht prädikativ verwendet werden kann, dann, so argumentiert Alexander, ist „gut“ auch keine Eigenschaft, so wie z.B. „rot“ eine Eigenschaft ist. Die Bedeutung von gut lässt sich demnach nur verstehen, wenn man das Wesen oder den Zweck einer Entität kennt, von der man sagt, dass sie gut ist.

Ein Beispiel: Nehmen wir an, Sie haben noch nie in Ihrem Leben ein Pferd gesehen. Wenn Ihnen nun ein Pferdeliebhaber begegnet und Ihnen unbedingt seine Pferde zeigen möchte, so sagt er möglicherweise über eines seiner Pferde im Stall: „das ist ein besonders gutes Pferd!“. Da Sie nicht wissen, was ein Pferd ist, wissen Sie natürlich auch nicht, was ein gutes Pferd ist. Die Güte des Pferdes hängt ab von seinem Wesen als Pferd und seinem Zweck. Das Pferd des Pferdenarren hat auch einen äußerlichen Zweck, nämlich z.B. den, dass es bei Pferderennen mitläuft und Preise gewinnt. Und in dieser Hinsicht kann man ein Pferd gut nennen, wie man z.B. auch einen Rasierapparat oder ein anderes Artefakt gut nennt, nämlich insofern es seinen Zweck erfüllt. Bei Artefakten ist die Wesenheit weitgehend mit dem Zweck identisch. Bei Pferden und anderen natürlichen Arten ist dies allerdings nicht der Fall. Das Pferd kann auch ein gutes Pferd sein, weil es der Wesenheit des Pferdes, dem „Ideal“ eines Pferdes, besonders vollkommen entspricht und sich so verhält, wie Pferde sich verhalten.

Aus diesen Überlegungen ergeben sich Folgerungen für die Ethik, die von Alexander im o.g. Buch nur angedeutet werden. Kurz gesagt sind die Folgen für die Ethik das, was die Naturrechtsethik schon seit der Antike behauptet, dass sich nämlich in Bezug auf den Menschen die moralischen Gebote oder die Rechte und Pflichten, also das, was in einem objektiven Sinne gut ist, aus der Natur des Menschen ergeben, aus seinem Wesen. Was für den Menschen gut ist, ist das, was aus seiner Natur folgt, ebenso, wie das, was für ein Pferd gut ist, dass ist, was aus der Natur des Pferdes folgt. Und beides ist ziemlich verschieden.

Das Buch von David Alexander ist hervorragend geschrieben und streng argumentativ im Stil der analytischen Philosophie. Erstaunlich ist allerdings, dass er kaum Bezug nimmt auf Aristoteles oder Thomas von Aquin, sondern sich weitgehend auf moderne Autoren bezieht.

Im letzten Kapitel gibt es dann noch eine besondere „Überraschung“. Wie Aristoteles und Thomas von Aquin verteidigt der Autor die Theorie, dass „gut“ ebenso wie „seiend“ Transzendentalien sind und daher konvertible, d.h. miteinander austauschbar. Dies bedeutet zugleich, dass das Böse nicht seiend sein kann und daher eine Privation darstellt, eine „Beraubung“ des Guten. Darauf aufbauend bringt Alexander ein neues Argument für die Existenz Gottes.

Wer sich für das Buch interessiert, kann es z.B. bei Amazon kaufen:

David E. Alexander
Bloomsbury Publishing
ISBN 978-1-62892166-3
EUR 28,66

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