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Freitag, 5. Februar 2016

Warum unterstützen Linksliberale den Islam?



Es überrascht mich immer wieder, warum Linksliberale, also Freunde, Mitglieder und begeisterte Wähler der im Bundestag vertretenen Parteien, mit oft massiven Aversionen gegen die katholische Kirche kämpfen und dies trotz der inzwischen oft sehr liberalen Auffassungen von Papst und Bischöfen und gleichzeitig kaum etwas gegen den Islam haben. Die derzeit massive islamische Einwanderung nach Europa und besonders nach Deutschland, regt kaum einen Linksliberalen auf; im Gegenteil lassen sich die meisten Personen, die sich besonders für die Einwanderer engagieren, dem linksliberalen Umfeld zuordnen. Da der Islam alle Prinzipien und Ideale des Liberalismus entschieden ablehnt, sind es vor allem Vertreter des linken Liberalismus, die die Mitglieder islamischer Gemeinschaften unterstützen. Dies ist doch offensichtlich ein Widerspruch.






Edward Feser hat in einem sehr ausführlichen Beitrag inseinem Blog zu diesem Thema Stellung genommen, denn dieses erstaunliche Phänomen gibt es natürlich auch in den USA. Die islamische Moral verdammt Homosexualität, voreheliche Sexualität und die sogenannte „sexuelle Revolution“ insgesamt. Der Feminismus hatte praktisch keinerlei Wirkung in islamischen Ländern, die traditionell extrem patriarchalisch organisiert sind. Ein Mann kann bis zu vier Frauen haben, eine Frau darf aber nicht mehrere Männer haben usw. usw. Diese Tatsachen sind allgemein bekannt. Die katholische Moral ist demgegenüber geradezu liberal. Mann und Frau haben die gleichen Rechte (wenn sie auch nicht als in jeder Beziehung gleich betrachtet werden, so doch als gleichwertig). Dennoch wettern Linksliberale entschieden gegen den Priesterzölibat, die Haltung der Kirche zur Ehescheidung und gegen die Auffassung der Kirche von der Verschiedenheit von Mann und Frau. Dasselbe hört man eher selten von Linksliberalen bezüglich des Islam. Es ließen sich noch zahlreiche ähnliche Dinge anführen, bei denen die katholische Auffassung und Moral im Vergleich zum Islam geradezu liberal ist und dies selbst bei einem traditionellen Verständnis des Katholizismus.


Was ist der Grund für dieses eigentümliche Phänomen? Eigentlich würde man erwarten, dass Linksliberale mit aller Entschiedenheit gegen den Islam kämpfen und polemisieren und alles daransetzen, dessen Einfluss in Europa massiv zurückzudrängen. Zumindest würde man in Entsprechung zur Christophobie eine Islamophobie bei Linksliberalen erwarten. Doch genau das Gegenteil geschieht. Eher scheint der Linksliberalismus Islamophil zu sein. Warum? 


Wir haben es hier offenbar mit einem Paradox zu tun. Angesichts der Geschichte und Gegenwart des Islam scheint dieser die am wenigsten liberale Religion der Welt zu sein. Auch lässt sich nicht leicht erkennen, wie ein frommer Moslem seine Religion dem Liberalismus anpassen könnte, besonders, wenn er sieht, wie der Liberalismus mit dem Christentum umgeht. Liberale glauben allerdings, dass eine solche Anpassung des Islam nicht nur möglich, sondern sogar höchst wahrscheinlich ist. Warum? Gibt es irgendetwas im Islam das Liberale sehen, während es anderen verborgen bleibt?


Der Schlüssel zum Verständnis jedes dieser beiden Systeme, des Liberalismus und des Islam, ist nach Auffassung von Edward Feser, dass es sich bei beiden Weltanschauungen um Häresien handelt. Natürlich handelt es sich bei Islam und Liberalismus nicht um christliche Häresien. Gemeint ist, dass jede der beiden Weltanschauungen bestimmte Aspekte des Christentums gewählt hat und zugleich andere Aspekte ausgeschlossen hat. Was sind das für Aspekte?


Während das Christentum, und hier ist vor allem das katholische Christentum gemeint, eine klare Unterscheidung, wenn auch nicht Trennung, macht zwischen dem Natürlichen und dem Übernatürlichen, zwischen dem Weltlichen und dem Heiligen und beide „Bereich“ im Gleichgewicht zu halten versucht, neigt der Islam dazu, alles dem übernatürlichen Bereich, dem Göttlichen unterzuordnen, während der Liberalismus genau das Gegenteil tut, indem er alles dem Weltlichen unterordnet. Der Islam schließt das Weltliche als einen eigenen Bereich aus, während der Liberalismus das Heilige, das Übernatürliche entweder völlig ausschließt oder zumindest in den Bereich des Privaten verbannt.


Man könnte dies nun an verschiedenen Beispielen deutlich machen, so z.B. in Bezug auf das Verhältnis von Staat und Kirche im katholischen Verständnis, im Islam und im Liberalismus. Wie dies sich verhält, dürfte eigentlich bekannt sein, obwohl die traditionelle katholische Auffassung in dieser Frage allgemein falsch dargestellt wird. Die moderne katholische Auffassung hat sich weitgehend dem Liberalismus angenähert, aber auch die traditionelle Lehre der Kirche über das Verhältnis von Staat und Kirche geht davon aus, dass beide Bereiche verschieden sind, unterschiedliche Ziele und Zwecke verfolgen und daher ihr Eigenrecht besitzen. Darüber hinaus gibt es gemeinsame Aufgaben, in denen der Staat die Kirche unterstützen soll. Doch dies ist ein fundamentaler Unterschied zum Islam, für den es keinerlei Unterschied zwischen Staat und Religion gibt. Der Staat wird direkt von Gott gegründet, alle staatlichen Gesetze ergeben sich aus den islamischen Gesetzen oder sind mit diesen identisch usw. Dies ist keine bestimmte Auslegung des Islam, sondern ganz exakt die Lehre des Islam. Wenn es islamische Staaten gibt, bei denen dies nicht der Fall ist, dann hat dies seinen Grund im Kolonialismus und westlichen Einflüssen, wie z.B. in der Türkei und Ägypten oder früher im Irak, in Syrien und im Libanon. Dass der Liberalismus im Allgemeinen und der Linksliberalismus im Besonderen das Gegenteil vertritt, ist bekannt.

Seit Beginn der christlichen Lehre und bereit im Neuen Testament gibt es mehrere Äußerungen, die den Unterschied von Staat und Kirche betonen und das Eigenrecht jedes der beiden Bereiche. Diese christliche Auffassung bildet somit die Mitte zwischen Islam und Liberalismus.


Dazu kommt die Lehre des Naturrechts, die ebenfalls klar zwischen natürlicher und übernatürlicher Ordnung unterscheidet. Rechte und Pflichten und damit die wichtigsten Gesetze ergeben sich aus der Natur oder dem Wesen des Menschen als rationales Sinneswesen. Diese Rechte und Pflichten können ohne jede Bezugnahme auf Gott und auf Offenbarung erkannt werden. Der Staat ist in diesem Verständnis eine natürliche Institution, die sich aus der Natur des Menschen als sozialem Wesen ergibt. Der Islam leitet demgegenüber alle Rechte und Pflichten direkt aus göttlichen Befehlen ab, während der Liberalismus alle Rechte und Pflichten als rein von Menschen gemacht versteht. Daraus ergibt sich das Verständnis des Staates im Islam und im Liberalismus, das in beiden Fällen eine Vereinseitigung der christlichen Auffassung vom Staat darstellt. Die Religion ist nach islamischen Verständnis eine Aufgabe des Staates (selbst in der Türkei gibt es ein Religionsministerium), während der Liberalismus die Religion zur Privatsache erklärt.

In dieser Vereinseitigung der christlichen Lehre sind sich Islam und Liberalismus einig. Wenn auch beide Vereinseitigungen diametral entgegengesetzt sind, erklären sie gleichwohl eine Nähe, die beide Weltanschauungen nicht mit dem Christentum aufweisen.

Die „islamische Häresie“ hat ihre Kraft vor allem aus einer massiven Vereinfachung des Christentums gewonnen, wie der christliche Autor Hilaire Belloc in seinem Buch „Die großen Häresien“ herausgearbeitet hat. Durch diese massive Vereinfachung und Simplifizierung der christlichen Lehren erschien der Islam nicht als eine christliche Sekte, sondern von Anfang an als eine neue Religion. Mohammed wies die Inkarnation Gottes in Jesus Christus, die Dreifaltigkeit, die Eucharistie und das Priestertum zurück und so war der Islam eine sehr vereinfachte neue Religion, die in nichts an das Christentum erinnerte.


Wenn man diesen Unterschied zwischen Christentum, Liberalismus und Islam am Modell der drei Seelenteile bei Platon verdeutlichen will, kann man folgendes sagen: Das Christentum mit seinem hochdifferenzierten und komplexen System theologischer Lehren und Moral bildet den rationalen Seelenteil. Der Liberalismus, der materielle Sicherheit und Freiheit verspricht, appelliert an den sinnlichen Teil der Seele und der Islam appelliert vor allem an den mittleren Seelenteil, den temperamentvollen Teil, den Teil der Seele, der durch Zorn auf Grund von Ungerechtigkeit bewegt wird, durch Ehre und Schande, durch martialische Tugenden, durch Befehl und Unterwerfung im Gegensatz zu endlosen Reden und theologischer Haarspalterei. Der Islam ist am besten verständlich als stromlinienförmige Variante des Christentums, als eine Art von „Christentum light“ und insbesondere als ein maßgeschneidertes Christentum für einen Mann der Tat.


Der Islam ist nicht zu verstehen nach dem Modell des Christentums und seinem Verständnis von Staat und Religion. Islam ist die Einheit von Staat und Religion. Wer dies übersieht oder den Islam mit dem Christentum vergleicht und dann glaubt, der Islam lasse sich auch so zähmen, wie der größte Teil der Christen heute, der unterschätzt massiv den Islam. Und diese Unterschätzung des Islam hat zu Ausbreitung desselben in der westlichen Welt erheblich beigetragen.


Der vollständige, sehr lesenswerte und lehrreiche Blogbeitrag, von dem ich hier nur eine Kurzfassung wiedergegeben habe, ist hierzu finden.


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