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Montag, 10. Juli 2017

Glückseligkeit – Ziel aller menschlichen Tätigkeit


In einem vorherigen Blogbeitrag habe ich dafür argumentiert, dass es ein letztes Ziel aller menschlichen Handlungen gibt. Auch wenn es unzählbare verschiedene Ziele der zahlreichen Handlungen in unserem Leben gibt, so sind diese vielen Ziele letztlich auch ein letztes Ziel gerichtet, ohne die es diese Zwischenziele nicht geben würde, denn im Vergleich zum letzten Ziel sind alle anderen Ziele nur Mittel. Dieses letzte Ziel ist nach Auffassung der aristotelisch-scholastischen Philosophie die Glückseligkeit. In allen unseren Handlungen streben wir nach Glück, letztlich nach vollkommenem Glück. Doch was ist das?






Aristoteles schreibt dazu am Beginn seiner berühmten „Nikomachischen Ethik“: „Alle Menschen streben von Natur aus nach Glück“. Jeder will glücklich werden, dass ist unumstritten, auch wenn wir nicht bei allem, was wir tun, stets daran denken, glücklich zu werden. Wir brauchen auch gar nicht daran zu denken. Auch ohne ein Bewusstsein davon streben wir nach der Glückseligkeit; nicht nur nach diesem oder jenem „kleinen Glück“, sondern nach einem letzten, vollkommenen Glück, in dem sich all unser Streben erfüllt. Moralisch folgt daraus das Recht jedes Menschen, nach seinem Glück zu streben.



Doch was ist das Glück? Was ist vollkommene Glückseligkeit? Worin besteht diese? In der Antwort auf diese Frage gehen die Ansichten weit auseinander, wie ebenfalls schon Aristoteles betonte. Deshalb hat er sich darangemacht, die Antwort auf eine objektive Grundlage zu stellen.



Ganz allgemein kann man, nachdem was ich in bereits in dem früheren Blogbeitrag gesagt habe, feststellen, dass die Glückseligkeit darin bestehen muss, dass die Natur des Menschen, seine Wesenheit, sich in vollkommener Weise entfalten kann, dass sich der Mensch in seinem Menschsein vollkommen verwirklicht und zwar so, dass keine Wünsche mehr übrigbleiben.



Hier unterscheiden die Scholastiker nun zwischen einer objektiven und einer subjektiven Glückseligkeit. Subjektive Glückseligkeit meint dabei Ihre persönliche Glückseligkeit, bzw. die Antwort auf die Frage, worin Ihr ganz persönliches Glück besteht. Die objektive Glückseligkeit besteht in einem objektiven Gut, dass alles Streben nach Glück vollständig befriedigt. Dieses Gut muss so verfasst sein, dass es mit keinem bestimmten Gut identisch ist, denn es gibt kein endliches Gut, dass das Streben nach vollkommener Glückseligkeit erfüllen kann. Thomas von Aquin nennt dieses objektive Gut das summum bonum, das höchste Gut.



Seit Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden sucht man in der Philosophie nach einer Antwort auf die Frage nach dem summum bonum und die Antworten sind naturgemäß sehr unterschiedlich ausgefallen. Ich will hier nicht die verschiedene Antworten Platons, Aristoteles‘, der Stoiker und anderer antiker Philosophen, sowie die Antworten der neuzeitlichen Philosophen wie Leibniz oder Kant aufführen. Insbesondere seit dem Ende des 19. Jahrhunderts haben die Glückvorstellungen durch die zahlreichen Ideologien des Kommunismus und Sozialismus, einschließlich des Nationalsozialismus deutlich zugenommen und wurden v.a. durch politische Aktivitäten zu realisieren versucht, was zu massiven „Kollateralschäden“ geführt hat, letztlich zu weit über 100 Millionen Toten. Eine der aktuellen Ideologien, die das vollendete Glück verkünden, scheint die Gender Mainstreaming Ideologie zu sein, eine Variante der schon erwähnten Gleichheitsideologien.



Nach Thomas von Aquin und seiner Schule, aber auch nach Auffassung der Mehrheit der mittelalterlichen Philosophen, besteht das vollkommene Glück nicht in irgendeinem endlichen Gut, sondern letztlich allein in Gott. Gott ist die objektive Glückseligkeit und die subjektive Glückseligkeit besteht entsprechend in der Erlangung dieser objektiven Glückseligkeit, in der Gemeinschaft mit Gott, bzw. in der Vergöttlichung des Menschen durch die Teilhabe an der göttlichen Natur.



Das ist natürlich eine sehr starke Behauptung und viele, vielleicht die meisten Menschen werden dieser Behauptung nicht zustimmen. Doch es gibt Argumente, die diese Behauptung stützen.



1.     Kein äußeres Gut, so hatten wir gesagt, wird um seiner selbst willen erstrebt

2.     Ebenso wird auch kein inneres Gut um seiner selbst willen erstrebt

3.     Alle inneren und äußeren Güter sind deshalb Mittel in Bezug auf ein Gut, das um seiner selbst willen erstrebt wird.

4.     Das höchste Gut muss so beschaffen sein, dass es um seiner selbst willen erstrebt wird und nicht um eines anderen willen.

5.     Daher kann das höchste Gut mit keinem inneren oder äußeren Gut identisch sein.

6.     Es gibt aber nur ein Gut, dass alle anderen Güter übersteigt und selbst unendlich ist und das ist Gott.

7.     Also ist Gott das höchste Gut und das, was in allem erstrebt wird.



Ausführlichere Argumentation zu diesem Punkt finden Sie z.B. im Grundkurs Philosophie VI: Natürliche Ethik.

1 Kommentar:

  1. Auch wenn man voraussetzt, dass es ein letztes Ziel des Menschen gibt und dass dieses letzte Ziel "Gemeinschaft mit Gott" ist, folgt daraus nicht, dass der Mensch aus eigenen Kräften dieses Ziel tatsächlich anstreben oder gar erreichen kann. Gott ist kein "Handlungsgegenstand". Zudem entsteht die Frage, woran man erkennen kann, welche Handlungen uns auf das letzte Ziel hinordnen und welche nicht.

    In Wirklichkeit ist Gott nicht das "Ziel" unseres Handelns, sondern er ermöglicht dadurch, dass er uns Gemeinschaft mit sich schenkt, dass wir anders als aus der Angst um uns selber handeln, d.h. wirklich menschlich und moralisch gut.

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