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Donnerstag, 9. Januar 2020

Ein neues Buch von David Oderberg


Nach fast 12 Jahren Wartezeit hat David Oderberg, der derzeit wohl führende analytische Thomist (auf der Liste der 50einflussreichsten Philosophen der Welt) ein neues Buch veröffentlicht. Der Titel: The Metaphysics of Good and Evil Leider ist die gedruckte Hardcoverausgabe extrem teuer, doch es gibt ein eBook zu einem günstigen Preis und im Verlauf dieses Jahres kann man auch eine günstigere Paperbackausgabe erwarten. 
Das Warten hat sich gelohnt: Das neue Buch Oderbergs erfüllt alle Erwartungen, die man an diesen Autor stellen kann.



Oderberg stellt eine sehr präzise, detaillierte und tiefe Analyse von Gut und Böse vor, die Fragen beantwortet, die sich viele nicht einmal gestellt haben. Die Grundlagen dieser Analyse finden sich in der aristotelisch-scholastischen Tradition und besonders bei Thomas von Aquin, aber in vielen Bereichen hat Oderberg seine Untersuchungen weiterentwickelt.

Ausgehend von der Theorie des Guten als Erfüllung (Fulfilment) des Wesen, bzw. der Natur des Menschen und der dazu grundlegenden Theorie von Akt und Potenz, entwickelt Oderberg die scholastische Konzeption des Guten weiter, die ja nicht primär moralisch zu verstehen ist, sondern einen erheblich weiteren Umfang an. Auch wenn der Titel des Buches die Vermutung nahelegt, es handele sich um ein Buch zur Ethik, so erweist sich dieser Eindruck beim Studium als nicht zutreffend. Es ist tatsächlich ein Buch zur Metaphysik.

Ausführlich untersucht Oderberg auch den Begriff des Guten im Zusammenhang mit anorganischen Entitäten. Während bei organischen Entitäten die Erfüllung des Wesens einer Entität durch ihre Tätigkeit geschieht, ist dies bei anorganischen Entitäten nicht so weiteres zu sagen. Diese Analyse Oderbergs ist fast vollständig ohne Vorläufer und hier zeigt er seine Fähigkeit, Grundlagen und Prinzipien der scholastischen Philosophie auf neue Fragestellungen anzuwenden.

Im vierten Teil der Studie geht es dann um das Gute bei organischen Lebewesen und wie üblich, werden hier zahlreiche Einwände gegen die scholastische Theorie des Guten ausführlich diskutiert.

Während sich der Erste Teil der Schrift mit dem Guten beschäftigt, geht es im zweiten Teil um das Böse als Privation. Oderberg verteidigt zunächst die Theorie des Bösen, bzw. Schlechten (denn auch hier geht es nicht primär um die Moral) gegen klassische und neuere Einwände und wendet sich dann weiteren Problemen der Theorie des Bösen zu, z.B. der Frage, wie das Böse, da es ja eine Privation ist, also kein Seiendes, etwas Verursachen kann und der Frage, wie es um die Realität des Bösen bestellt ist, dass ja eigentlich nichts ist.

Ich hoffe, dass sich viele Philosophen und Ethiker in Deutschland mit diesem Buch beschäftigen werden und eine kritische Diskussion der scholastischen Metaphysik des Guten und Bösen auch in Deutschland in Gang kommt.

Im Covertext zum Buch heißt es:

Die Metaphysik von Gut und Böse ist die erste, umfassende zeitgenössische Verteidigung der scholastischen Theorie von Gut und Böse aus der Perspektive der analytischen Philosophie, - der Theorie von Aristoteles, Augustinus, Thomas von Aquin und den meisten mittelalterlichen und thomistischen Philosophen. Das Gute wird als Folgsamkeit gegenüber der Natur analysiert. Das Böse wird als Privation des Guten analysiert. Das Gute findet sich überraschenderweise in der anorganischen Welt, aber in der Welt des Lebendigen nimmt es einen besonderen Charakter an. Das Buch analysiert verschiedene Arten von Güte und zeigt, wie sie in die scholastische Theorie passen. Die Privationstheorie des Bösen erhält ihre umfassendste zeitgenössische Verteidigung, einschließlich einer Darstellung von Wahrheitsmachern für Wahrheiten der Privation und einer Analyse, wie die Verursachung durch Privation zu verstehen ist. Letztendlich ist alles Böse eine Abweichung - eine Abweichung von der Güte, die durch die wesentliche Natur einer Sache vorgeschrieben ist.


Hier ein Überblick über das Inhaltsverzeichnis:

Preface and Acknowledgements ix

Introduction 1

PART I
A Theory of Good as Fulfilment 9

1 The Basic Theory: Appetites and Fulfilment 11
1.1 Actuality and potentiality 11
1.2 Appetite as potentiality: the tendencies of things 13
1.3 Seven objections to goodness as fulfilment 18
1.4 Fulfilment as non-arbitrariness: the principle
of finality 26

2 Developing the Scholastic Conception of Goodness 33
2.1 Goodness as neither essentially moral nor essentially organic 33
2.2 The attributive/predicative debate 35
2.3 Final and contributory goodness 42
2.4 Goodness ‘in a way’ 50

3 A Case for Inorganic Goodness 57
3.1 Instantiation and approximation 57
3.2 Continuation in existence as a tendency 61
3.3 The objection from radioactivity 65
3.4 False analogies: inertia and conservation 68
3.5 Is existence itself good? 71

4 The Good in the Living 84
4.1 From inorganic to organic goodness 84
4.2 The good in the vegetative appetites 85
4.3 The good in the sensitive appetites 91
4.4 Sexual cannibalism and related objections 96
4.5 The good in the rational appetite 101

PART II
A Theory of Evil as Privation 115

5 In Defence of the Privation Theory 117
5.1 Privation and need 117
5.2 Privation and evil 122
5.3 Some painful objections 128
5.4 Objections from morality: malice and punishment 136

6 Evil and Truthmaking 145
6.1 Truthmaker theory and negative truths 145
6.2 Absences 152
6.3 The totality theory 155
6.4 The exclusion theory 158
6.5 Truthmakers for privative truths 164

7 Evil as Cause and Effect 175
7.1 The fundamental problem 175
7.2 Absence causation 176
7.3 Privative causal truths 183
7.4 Armstrong’s analysis: the contrast 188

8 The Reality of Evil 196
8.1 Non-negotiable truths about evil 196
8.2 Why it matters that evil is conceptual being 200
8.3 The reality of evil in the good 204
8.4 The mystery of evil 208

Bibliography 214
Index 223

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