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Donnerstag, 24. Mai 2018

Die fünf Wege Thomas von Aquins: 5. Teil. Der Beweis aus der Zielgerichtetheit der Tätigkeit


Der „fünfte Weg“, den ich persönlich für den überzeugendsten Gottesbeweis halte, setzt die aristotelisch-thomistische Theorie der Finalkausalität voraus. Während die beiden ersten Gottesbeweise vor allem auf die effiziente Kausalität Bezug nehmen, argumentiert der fünfte Gottesweis des hl. Thomas auf der Grundlage der Ziel- oder Zweckursachen. Die aristotelische Tradition der Philosophie geht davon aus, dass alle natürlichen Gegenstände, also die Substanzen, eine inhärente Teleologie besitzen, durch die ihre Tätigkeiten auf ein Ziel oder einen Zweck gerichtet sind. Wichtig ist hier besonders die Betonung der inhärenten Zielgerichtetheit, denn in diesem Punkt unterscheidet sich der fünfte Weg zum Erweis der Existenz Gottes bei Thomas von Aquin deutlich von der Intelligent Design Theorie, die ebenfalls einen teleologischen Gottesbeweis kennt.




Der Gottesbeweis der Intelligent Design Theorie, der auf den anglikanischer Pfarrer William Paley zurückgeht, bestreitet aber entschieden eine inhärente Finalursache in den Dingen. Stattdessen verteidigt diese Theorie eine externe Zielgerichtetheit der Dinge, eine Zielgerichtetheit somit, die von einem intelligenten Wesen in die Dinge hineingelegt wird, bzw. wodurch die Dinge von diesem intelligenten Wesen auf ein Ziel hingelenkt werden. Eine solche ausschließlich externe Finalität findet sich bereits bei Platon und wird auch nicht grundsätzlich von neuzeitlichen, mechanistischen Philosophen wie z.B. Leibniz und Newton bestritten. Eine externe Finalität findet sich nach thomistischer Auffassung auch bei allen Artefakten. Die Teile einer klassischen Uhr – Federn und Zahnräder – haben keine in ihnen selbst liegende Neigung, die Uhrzeit anzuzeigen, sondern sie wurden vom Menschen so zusammengestellt, dass sie diesen Zweck erfüllen. Das Holz eines Baumes hat keine innere Neigung, zu einem Tisch zu werden. Durch die menschliche Handwerkskunst wird dem Holz dieser Zweck aufgeprägt. Anders verhält es sich mit der inneren Finalität des Baumes. Der Baum hat eine inhärente Tendenz zu wachsen, sich im Boden immer tiefer und fester zu verwurzeln, im Frühjahr Blätter und Früchte, bzw. Samen zu bilden, die seiner Fortpflanzung dienen. Alle Tätigkeit, alle effiziente Kausalität, die sich im Baum nachweisen lässt, ist auf verschiedene Zwecke gerichtet, letztendlich auf die Zwecke der Selbsterhaltung und der Fortpflanzung. Solche inhärenten Zwecke gibt es bei Artefakten nicht. Wenn man bestreitet, dass es eine solche inhärente Finalität in den Dingen selbst gibt, kann man Artefakte nicht theoretisch von Substanzen, bzw. von natürlich Dingen unterscheiden. Und genau dies ist der Vorwurf, den thomistische Philosophen den Vertretern der Intelligent Design Theorie machen.



Es stellt sich die Frage, warum die Vertreter der Intelligent Design Theorie, die fast durchweg behaupten, dass der fünfte Weg Thomas von Aquins mit ihrem Designargument identisch sei, eine inhärente Finalität nicht akzeptieren. Die Antwort lautet, dass sie die Voraussetzungen des modernen mechanistischen Weltbildes der neuzeitlichen Philosophie im Prinzip teilen. Sie teilen die Auffassung, dass die rein quantitative Auffassung der Natur, wie sie seit der frühen Neuzeit und bei Descartes, Galilei, Giordano Bruno, Newton und vielen anderen verbreitet wurde, uns die volle Erkenntnis der Natur erschließen. Mit diesen modernen Denkern, die jede Art inhärenter Finalität in Pflanzen und Tieren leugnen, die zugleich bestreiten, dass es artspezifische Wesenheiten der Dinge gibt, die unserer Erkenntnis zugänglich sind und die bestreiten, dass es vier verschiedene Arten von Kausalität gibt, stimmen die Vertreter der Intelligent Design Theorie grundsätzlich überein. Was sie der modernen Wissenschaft und insbesondere der Biologie vorwerfen ist die Missachtung jeder Art von Finalität. Die Intelligent Design Theoretiker erkennen die zielgerichtete Tätigkeit von Pflanzen und Tieren an, die sich in ihrem Wachstum, in ihrer Entfaltung und besonders in ihrer evolutionären Entwicklung zeigt, doch schreiben sie diese zielgerichtete Tätigkeit unmittelbar einem intelligenten Wesen zu, das zumeist mit Gott identifiziert wird.



In der modernen Wissenschaft und besonders in der Biologie wird heute jede Art der Finalität mit aller Entschiedenheit bestritten. Das geht so weit, dass Biologen, die die in Pflanzen oder Tieren ganz offensichtlichen teleologischen Strukturen beobachtet und beschrieben haben, ihre Stelle verloren haben oder deren Dissertation zurückgewiesen wurde. Es gehört zu den evolutionstheoretischen Dogmen der modernen Wissenschaftstheorie, dass jede Finalkausalität auf eine effiziente Kausalität reduziert werden kann und daher teleologische Begriffe vollständig überholt sind.



Doch warum erzähle ich dies alles? Der Grund liegt darin, dass der fünfte Gottesbeweis Thomas von Aquins auch in der gegenwärtigen Religionsphilosophie entweder missverstanden, oder abgelehnt wird. Sofern dieser Gottesbeweis thematisiert wird (z.B. Löffler 2013f.) wird er unter dem Oberbegriff „teleologische Gottesbeweise“ eingeordnet und mit der Intelligent Design Theorie zusammen kritisch betrachtet, oder er wird überhaupt nicht erwähnt (Beckermann 2013, 67ff.), weil er als vollkommen überholt gilt. In beiden Fällen beruht die Kritik oder die Ablehnung auf einem Missverständnis des fünften Gottesbeweises. Lesen wir zunächst noch einmal den Text aus der Summa theologiae:



Der fünfte Weg geht aus von der Ordnung der Welt. Wir stellen nämlich fest, dass unter den Dingen manche, die keine Erkenntnis haben, wie z.B. die Naturkörper, dennoch auf ein festes Ziel hin tätig sind. Das zeigt sich darin, dass sie immer oder doch in der Regel in der gleichen Weise tätig sind und stets das Beste erreichen. Das beweist aber, dass sie nicht zufällig, sondern irgendwie ex intentione ihr Ziel erreichen. Die vernunftlosen Wesen sind aber nur insofern absichtlich, d.h. auf ein Ziel hin tätig, als sie von einem erkennenden geistigen Wesen auf ein Ziel hingeordnet sind, wie der Pfeil vom Schützen. Es muss also ein geistig-erkennendes Wesen geben, von dem alle Dinge auf ihr Ziel hingeordnet werden: und dies nennen wir Gott.



Ich habe in diesem Text den Begriff „ex intentione“ unübersetzt gelassen. In der Deutschen Thomas-Ausgabe wird dies mit „absichtlich“ übersetzt, was zu dem Missverständnis Anlass geben kann, als sei es ein Eingreifen Gottes, dass diese Tätigkeit auf das Ziel hinlenkt. Wäre dies von Thomas gemeint, dann hätten die Intelligent Design Theoretiker in der Tat recht mit ihrer Interpretation, dass Thomas nichts anderes behauptet als sie selbst. Doch das ist nicht der Fall. Bis zu diesem ex intentione ist noch nicht von Gott die Rede und Gott ist hier noch nicht gemeint. Gemeint ist vielmehr, dass die Dinge der Natur eine in ihnen selbst liegende Neigung oder Tendenz besitzen, durch die sie ihre Ziele selbständig verfolgen und zwar, obwohl sie keinen Verstand haben und obwohl den Pflanzen sogar jedes Bewusstsein fehlt, und sie verfolgen diese Ziele im Allgemeinen mit Erfolg. Dies ist gewissermaßen die empirische Basis des Arguments des hl. Thomas. Der Aquinate setzt hier die aristotelische Theorie der Finalursachen voraus, nach der jede Tätigkeit auf ein Ziel gerichtet ist. Aristoteles hat daraus keinen Gottesbeweis abgeleitet, sondern nur ein Naturphänomen mit Hilfe seiner Vier-Ursachen-Lehre zu erklären versucht. Das jede Tätigkeit auf ein Ziel gerichtet ist, besagt nichts anderes, als dass jede Wirkursache als solche ein Ziel hat, das die Wirkung dieser Ursache ist. Das Prinzip der aristotelischen Finalität besagt, dass die Wirkung B einer Ursache A das Ziel oder der Zweck von A ist. Genau dies wird durch die moderne Philosophie und Wissenschaft entschieden bestritten. Die moderne Philosophie und Wissenschaft behauptet, dass finale Kausalität oder Teleologie vollständig auf effiziente Kausalität reduziert werden kann. Ich (2012, 105ff.) habe an anderer Stelle mit Bezug auf David Oderberg (2007, 197-200) und Edward Feser (2009, 16-23, 53-55, 64f, 67ff, 80f.) gezeigt, dass diese Reduktion ontologisch unmöglich ist. Hier kann ich nur einige kurze Hinweise dazu geben.



Ein Verständnis von Kausalität ist ohne die Ziele und Zwecke überhaupt nicht möglich. David Hume hat dies mit seiner radikalen Kausalskepsis besonders deutlich gezeigt. Wenn man die finale Kausalität ablehnt, ist ein notwendiges Ursache-Wirkungsverhältnis vollkommen unverständlich. Warum sollte auf eine Ursache A die Wirkung B folgen? Es könnte genauso gut C oder D folgen oder es könnte gar keine Wirkung erfolgen. Das B als Wirkung auf A folgt ist reiner Zufall, wie Hume behauptet, selbst wenn wir dies bisher ausnahmslos immer so erlebt haben. Jede kausale Regularität, die von den Naturwissenschaften beschrieben wird, wird erst verständlich durch die Finalursachen. Man kann natürlich die Finalursachen von der wissenschaftlichen Untersuchung ausschließen und sich allein auf die Beschreibung der Regularitäten bzw. der Gesetze beschränken; jede Wissenschaft kann ihre Grenzen dort ziehen, wo sie dies für sinnvoll hält. Und die Naturwissenschaften haben gerade dadurch so große Erfolge, dass sie sich ausschließlich auf mathematisch-quantitative Aspekte der Natur beschränken. Doch dabei handelt es sich um eine Beschränkung. Man kann dann nicht hinterher behaupten, diese Beschränkung sei sehr erfolgreich und man sei vollkommen ohne Ziel- oder Zweckursachen ausgekommen, also gebe es solche Ursachen auch nicht. Für die Philosophie ist eine bloße Beschreibung kausaler Relationen nicht ausreichend. Der Philosoph fragt weiter, warum gerade diese Regularität in der Natur besteht. Und dies kann nur mit Hilfe der Teleologie erklärt werden, denn wenn die Naturwissenschaft feststellt, dass auf B stets A folgt, dann kann man weiterfragen, warum gerade B auf A folgt und nicht C oder D. Die Antwort auf diese Frage lautet: Weil B das Ziel von A ist. Erst durch die Einführung der Zielursache wird die effiziente Kausalität intelligibel. Wir wollen wissen, was es bedeutet, dass Wirkursachen ihre Wirkungen notwendig machen, und wir brauchen eine Erklärung dieser Notwendigkeit (Feser 2015, 168). Naturgesetze sind Gesetze der Naturen (Oderberg), d.h., sie folgen aus der Natur der Dinge selbst, aus ihrer Wesenheit, aus der substanziellen Form einer Entität, mit Notwendigkeit. Hier kommen wir zu dem Zusammenhang der vier Ursachen, wie sie von Aristoteles entwickelt wurden. Kausalität im Sinne der effizienten Kausalität ist die Aktualisierung einer Potenz. Und die Potenz, die durch eine äußere Ursache aktualisiert wird, ist stets die Potenz zu etwas, ein Vermögen oder eine Tendenz, eine Disposition für eine bestimmte Wirkung. Diese Wirkung ist das Ziel der Potenz, das, worauf die Potenz zielt, wenn sie aktualisiert wird. Damit wird deutlich, dass das Ziel in der Entität selbst liegt, dass die Teleologie im Sinne Aristoteles’ und Thomas von Aquins eine intrinsische Teleologie ist. Hier liegt der deutlichste Unterschied zur Rede von Teleologie bei William Paley, der Vater der Intelligent-Design-Theorie, die nur eine extrinsische Finalität kennt, wie sie sich bei Artefakten, bei vom Menschen hergestellten Dingen findet. William Paley und diejenigen, die ihm heute folgen, kennen, wie schon gesagt wurde, faktisch keinen Unterschied zwischen natürlichen Dingen und Artefakten.



Nachdem Thomas das Phänomen deutlich gemacht hat, dass die natürlich Dinge ex intentione ihre Ziele verfolgen, kommt er im zweiten Teil des Arguments zum eigentlichen Gottesbeweis, der sich aber nicht unmittelbar aus dem Phänomen selbst ergibt. Das die natürlichen Dinge in sich selbst eine Neigung auf ein Ziel hin haben, bedeutet nicht unmittelbar, dass es einen Gott geben muss, der ihnen diese Neigung gegeben hat. Wäre dem so, dann hätte auch Aristoteles dies zweifellos festgestellt. Es ist eine weitere Prämisse erforderlich, um von der Tatsache, dass die Tätigkeit der natürlichen Substanzen auf ein Ziel gerichtet ist, zu dem Schluss zu kommen, dass Gott selbst diese Neigung oder Disposition in die Dinge hineingelegt hat. Daher fährt Thomas fort: „Die vernunftlosen Wesen sind aber nur insofern absichtlich, d.h. auf ein Ziel hin tätig, als sie von einem erkennenden geistigen Wesen auf ein Ziel hingeordnet sind, wie der Pfeil vom Schützen. Es muss also ein geistig-erkennendes Wesen geben, von dem alle Dinge auf ihr Ziel hingeordnet werden: und dies nennen wir Gott.“



Das Thema dieses zweiten Teils des Arguments ist nicht, wie die Dinge sich auf ein Ziel hinbewegen. Bewegung bzw. Veränderung im Sinne der Aktualisierung einer Potenz war das Thema des ersten Gottesbeweises. Das lateinische Wort tendunt wird in der Deutschen Thomas-Ausgabe mit „tätig sein“ wiedergegeben. Besser ist die Übersetzung „dazu neigen“. Thomas sagt hier, dass die Dinge nur insofern absichtlich auf ein Ziel hinneigen, sofern sie von einem geistigen Wesen auf ein solches Ziel hingeordnet werden (Feser 2015, 174). Doch hier kann man die Frage stellen, warum das so sein soll, wenn diese Neigung doch immanent ist, wie Aristoteles richtig gesagt hat?



Feser hat darauf hingewiesen (ibid.), dass Thomas von Aquin ein paralleles Argument in der Schrift De veritate (V.2) anführt, wo es heißt, dass ein vernunftloses Wesen nur dann direkt auf ein Ziel gerichtet ist, wenn es einen Verstand gibt, der ein solches Ziel festgelegt und das Ding auf dieses Ziel hin ausgerichtet hat. Dies lässt sich mit der Voraussicht vergleichen, durch die eine Architektin ein Haus plant oder, wie es bei Thomas selbst heißt, durch die ein Herrscher eine Stadt oder ein Königreich regiert. Insbesondere dieses letzte Beispiel macht deutlich, worum es geht: Die verschiedenen Ziele und Zwecke der Menschen in einer Stadt oder in einem Königreich müssen so aufeinander abgestimmt werden, dass sie irgendwie „zusammenpassen“ und sich nicht gegenseitig behindern. Dies überträgt Thomas auf die gesamte Natur. Die verschiedenen, den Dingen immanenten Ziele und Zwecke müssen miteinander harmonisiert werden, damit sie sich nicht gegenseitig behindern oder gar zerstören. Solch eine Harmonisierung ist aber nur durch einen Verstand, durch einen intelligenten Geist möglich, der wie ein Staatsmann ein Land regiert. Doch damit nicht genug. Nicht nur eine Harmonisierung bereits bestehender Ziele und Zwecke ist erforderlich, wie bei der Architektin oder dem Staatsmann, sondern auch die Existenz dieser Ziele und Zwecke wird im fünften Argument begründet. Jedes einzelne vernunftlose Individuum könnte nicht zu einem Ziel hinneigen, wenn es nicht auf ein solches Ziel gerichtet würde. Doch warum nicht?



Das, wozu eine Entität natürlicherweise neigt, kann nur dann wirksam werden, wenn es schon zuvor in einem Verstand existiert, so wie der Plan des Hauses im Verstand der Architektin besteht, bevor dieser Plan dann realisiert wird. Weiterhin ist ein Verstand aber auch dazu erforderlich, damit eine Ursache auf eine bestimmte Wirkung gerichtet wird, und zwar aus demselben Grund, der notwendig ist, damit die verschiedenen Mittel auf ein und dasselbe Ziel ausgerichtet werden. So viel zur Erläuterung dessen, was Thomas von Aquin im fünften Argument sagen will.



Das fünfte Argument für die Existenz Gottes kann also in seiner Stoßrichtung so zusammengefasst werden: (1) Es gibt eine nicht-reduzierbare Teleologie in den natürlichen Dingen. (2) Diese Teleologie in den Dingen ist nicht verständlich, wenn es nicht eine Intelligenz außerhalb der Welt gibt. (3) Daraus folgt, dass es einen Intellekt außerhalb der Welt gibt. (Feser 2015, 47)



Eine vollständige Rekonstruktion des Arguments sieht folgendermaßen aus (Feser 2015, 102):



1.     Dass nichtintelligente natürliche Ursachen regelmäßig bestimmte Wirkungen hervorbringen, beweist unsere sinnliche Erfahrung.

2.     Solche Regularitäten sind nur verständlich unter der Annahme, dass diese Wirkursachen inhärent „auf etwas zeigen“ oder „auf etwas gerichtet“ sind, was deren Wirkung im Sinne eines Ziels oder Zwecks ist.

3.     Daher gibt es Finalursachen oder Zwecke, die der natürlichen Ordnung immanent sind.

4.     Aber nichtintelligente natürliche Ursachen können nur „auf etwas zeigen“ oder „auf etwas gerichtet“ sein, was deren Ziel ist, wenn sie durch eine Intelligenz geführt werden.

5.     Deshalb gibt es eine solche Intelligenz.

6.     Aber weil die in Frage stehenden Ziele oder Finalursachen den Dingen auf Grund ihrer Natur oder Wesenheit inhärent sind, muss die in Frage stehende Intelligenz auch die Ursache der natürlichen Dinge sein, die diese Naturen oder Wesenheiten besitzen.

7.     Dies beinhaltet deren Sein, das deren Wesenheiten und die Existenzakte verbindet, und nur dasjenige, dessen Wesenheit und Existenz identisch sind, kann letztlich dies vollbringen.

8.     Daher ist die in Frage stehende Intelligenz etwas, bei dem Wesenheit und Existenz identisch sind.



Ich habe früher den Unterschied zwischen diesem Argument des hl. Thomas und dem Gottesbeweis William Paleys und der Intelligent Design Theorie ausführlicher herausgearbeitet und muss an dieser Stelle auf diesen Text verweisen (Hüntelmann 2016, 58-74). In einem letzten Teil in dieser Artikelreihe werde ich ein Argument für die Existenz Gottes vorstellen, das alle „fünf Wege“ Thomas von Aquins gewissermaßen in einem Argument zusammenfasst und auf die Frage antwortet: „Warum existiert eine Entität a im gegenwärtigen Augenblick und auch zu einem späteren Zeitpunkt?“ Es geht dabei um die Frage der sogenannten „existenziellen Trägheit“, eine Frage, die so gut wie nie gestellt wurde und gestellt wird. Selbst wenn man den Anfang der Existenz einer Entität erklären kann, bleibt immer noch die Frage, warum diese Entität auch noch zehn Minuten oder zehn Jahre später existiert. Dafür gibt es ein Argument, das sich letztlich aus den Gottesbeweisen des hl. Thomas ergibt und vielleicht sogar nicht nur das stärkste Argument für die Existenz Gottes ist, sondern auch das Argument, dass alle fünf Wege vereint.







Literatur



Beckermann, Angar (2013) Glaube. Reihe: Grundthemen Philosophie. Berlin, Boston: De Gruyter.

Löffler, Winfried (2013) Einführung in die Religionsphilosophie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

Hüntelmann, Rafael (2012) Grundkurs Philosophie I. Werden, Bewegung, Veränderung. Heusenstamm: editiones scholasticae.

Hüntelmann, Rafael (2016) Grundkurs Philosophie V. Die Existenz Gottes. Neunkirchen-Seelscheid: editiones scholasticae.

Oderberg, David (2007) Real Essentialism. London: Routledge.

Feser, Edward (2009) Aquinas. Oxford: Oneworld.

Feser, Edward (2015) Neo-Scholastic Essays. South Bend: St. Augustine’s Press.

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