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Mittwoch, 27. April 2011

Das mechanistische Weltbild der Moderne

Das Weltbild der modernen Wissenschaften und der Philosophie ist mechanistisch und naturalistisch. Leider hat dieses Denken den modernen Menschen tief ergriffen und verändert, was in ihm dieselbe Sinnleere hinterlassen hat, die das mechanistische Weltbild der Moderne hervorbringt. Doch was ist mit diesem Begriff des mechanistischen Weltbildes gemeint? Wir sind keine Esoteriker oder New Age Jünger, die auch häufig von einem mechanistischen Weltbild reden und sich davon mit ihren geradezu schwachsinnigen „Theorien“ abzusetzen versuchen, wobei sie in den allermeisten Fällen dieses Weltbild sogar teilen. Das mechanistische Weltbild ist der Ersatz für den Aristotelismus des Mittelalters. Die Grundlage dieses neuzeitlichen Denkens ist die Ignoranz gegen die Formal- und Finalursache, denn Argumente gegen diese gibt es praktisch nicht, wie wir gesehen haben.





Von den vier Ursachen der aristotelischen Scholastik übernimmt die neuzeitliche Philosophie und Wissenschaft nur zwei, nämlich die Material- und die Wirkursache. Beide werden allerdings völlig neu interpretiert und alle Veränderung in der Welt allein auf diese beiden Ursachen reduziert.

Materie wird nicht als Korrelat zur substantiellen Form verstanden, die zusammen eine Substanz bilden, sondern als unsichtbare Partikel mit mathematisch quantifizierbaren Merkmalen. Atome und subatomare Teilchen, Protonen, Neutronen, Elektronen, die wiederum aus noch kleineren „Bestandteilen“, wie den Quarks aufgebaut sind. Nach scholastischer Philosophie müsste man übrigens Atome als Substanzen kategorisieren, also als Komplexe, die aus Materie und Form zusammengesetzt sind.

Diese materiellen Teile werden durch Ursache-Wirkungszusammenhänge beherrscht, die aber nichts mit den in den Dingen selbst vorhandenen Kräften zu tun haben, Kräfte, die nach scholastischer Theorie auf einen Zweck bzw. ein Ziel gerichtet sind. Im mechanistischen Weltbild handelt es sich bei den Ursache-Wirkungszusammenhängen nur um Regularitäten, die als Naturgesetze verstanden werden, die keinerlei Zweck oder Ziel haben, sondern letztlich sinnlos wirken.

Die Partikel, die die Materie bilden, können in sehr verschiedener Weise angeordnet werden. Von Atomen bis hin zu größeren materiellen Körpern, Bergen, Seen, Planeten, Sternen, Planetensystemen und Galaxien. Wie auch immer diese Anordnung der materiellen Gegenstände aussehen mag, sie ist letztlich nichts anderes als die Partikel selbst, aus der sie gebildet werden. Die Naturgesetze beschreiben das Verhalten der Partikel und ihre Interaktion geschieht auf der Grundlage der sinnlosen Naturgesetze.

Selbstverständlich sind die Gesetze der Biologie komplexer als die der Physik und Chemie, aber im Prinzip können selbst individuelle menschliche Verhaltensweisen, soziale Komplexe wie Familien oder andere Gemeinschaften mit derselben Methode untersucht und beschrieben werden, wie sie auch die Physik verwendet. In allen Fällen handelt es sich um Ursache-Wirkungszusammenhänge, wobei diese selbst nicht auf einen Zweck gerichtet sind und sich nicht auf Grund der substantiellen Form, der Wesenheit der Dinge selbst ergeben.

Nach dem mechanistischen Weltbild haben auch die Gegenstände unserer alltäglichen Erfahrung keine individuellen Formen, Wesenheiten im aristotelischen Sinne, weil sie grundsätzlich nichts sind, dass ihre grundsätzliche materielle Natur, der Partikel aus denen sie bestehen, übersteigt.

Dass diese Vorgehensweise in den Naturwissenschaften zu großen Erfolgen in der Naturbeherrschung und damit zur Entwicklung der modernen Technik geführt hat, ist unbestritten. Doch beweisen diese Erfolge die Wahrheit der Theorie? Wohl kaum!

Kommentare:

  1. Die Naturphilosophie des 16. bis 18. Jahrhundert war mechanistisch, die des 19. ist es nicht mehr und schon gar nicht die des 20. mit der Quantenmechanik, der Relativitätstheorie, vielfältigen Anwendungen der Wahrscheinlichkeitstheorie, der Kypbernetik und der Informationatheorie. Die Kausalität spielt dabei eine nur noch geringe Rolle. Zeitweise glaubte man, sie ganz aufgeben zu können. Allerdings ändert das alles nichts daran, dass aristotelische Potenzen in den heutigen Wissenschaften nicht mehr angenommen werden und auch dort, wo man sie wieder einführen will (z.B. in der Propensitätsauffassung der Wahrscheinlichkeit) ist man weit von Aristoteles und der Scholastik entfernt.

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  2. Mechanistisch im Sinne der aristotelischen Scholastik ist auch die Quantenmechanik (wie das Wort Mechanik bereits andeutet), die Relativitätstheorie und die anderen genannten Theorien; möglicherweise liegt in der Informationstheorie eine gewisse Ausnahme, das hängt aber auch von dem Verständnis der „Information“ ab. Was ich meine ist die Tatsache, dass diese neueren Theorien das Grundprinzip der Kausalität unverändert beibehalten. Nach meiner Auffassung, also der des Scholastikers, lässt sich die effiziente Kausalität überhaupt nicht verstehen, ohne die Finalkausalität. Jeder kausale Vorgang hat einen Zweck oder ein Ziel, auf das er gerichtet ist. Gerade diese Auffassung wird auch durch die genannten modernen Theorien entschieden bestritten. Und dies ist mit „mechanistischem Weltbild“ gemeint: die Leugnung einer Finalität der Wirkkausalität, überhaupt der Finalursache, die Thomas von Aquin als „Ursache der Ursachen“ bezeichnet. Wird diese aber geleugnet, dann sind alle naturwissenschaftlichen Prozesse letztlich sinnlos, zwecklos, ziellos.

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