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Freitag, 3. Juni 2011

DNA und Finalursache

Immer wieder hört man, die scholastische Philosophie stehe im Widerspruch zur modernen Naturwissenschaft. Man könnte darauf in der Weise Hegels antworten, der auf den Einwand, seine Philosophie stehe im Widerspruch zur Realität (was in der Tat der Fall ist), antwortete, „umso schlimmer für die Wirklichkeit“. Zunächst gilt auf jeden Fall, dass sich die scholastische Philosophie und die moderne Wissenschaft grundsätzlich nicht widersprechen können, da beide auf zwei verschiedenen Ebenen liegen. Es mag Wissenschaftler geben, die ihre Grenzen überschreiten und aus ihren empirischen Ergebnissen „philosophische“ Schlussfolgerungen ziehen, doch dann sprechen sie als Philosophen und nicht als Wissenschaftler. Am Beispiel der Desoxyribonukleinsäure (DNA) kann man deutlich machen, wie die moderne Biologie sehr klar für die Annahme einer Finalursache spricht.





Man kann sogar sagen, dass die Natur und Struktur der DNA genau das ist, dessen Existenz man erwarten kann, wenn man eine aristotelisch-scholastische Metaphysik zugrunde legt. Man kann sogar noch weiter gehen und behaupten, dass eine materialistische Philosophie der Tatsache der DNA eher widerspricht.

Der Grund für diese Behauptung liegt darin, dass der Ausdruck DNA und das damit gemeinte im Wesentlichen eine Zweckgerichtetheit und Potentialität meint, von der der Materialismus absolut nichts wissen will. Ausdrücke der Molekularbiologie wie „Kodierung“, „Information“, „Anweisung“, „Plan“ usw. werden nämlich zur Beschreibung der DNA verwendet. Tatsächlich gibt es auch keine andere rationale Beschreibung für die Funktion der DNA.

Doch alle diese Begriffe und Ausdrücke beinhalten eine Zielgerichtetheit, ein Gerichtetsein auf etwas, auf ein Ziel, auf einen Zweck. Und genau das ist gemeint, wenn der Scholastiker von Zweckursache spricht. Mit anderen Worten: Wenn man von der DNA sagt, sie habe eine bestimmte Charakteristik in sich, dann sagt man, sie habe eine „grundlegende Aktualität“, eine bestimmte Potenz etwas als „sekundäre Aktualität“ zu realisieren.

Die DNA enthält nach den Ergebnissen der Mikrobiologie die „Anlage“ z.B. zu einer bestimmten Augenfarbe. Was bedeutet dies anderes als eine aktive Potenz, die unter bestimmten Bedingungen realisiert wird und dann diese Augenfarbe des Menschen produziert? Der „Code“ ist auf ein bestimmtes Ziel oder auf einen Zweck gerichtet, der zu einem bestimmten Zeitpunkt und unter bestimmten Bedingungen realisiert wird.

Im vollständigen genetischen Code, der durch die Vereinigung von Ei- und Samenzelle entsteht, ist nach Erkenntnissen der modernen Biologie die gesamte „Anlage“ für die Entwicklung des Säugetiers enthalten. Genau das ist es, was Aristoteles und die Scholastiker schon wussten, bevor die DNA entdeckt wurde. Deshalb ist auch die vereinigte Ei- und Samenzelle bei allen Säugetieren das vollständige Säugetier. Nicht ein bloß „potentielles Säugetier“, sondern ein wirkliches Säugetier mit bestimmten Anlagen, Potenzen, die dann in der weiteren Entwicklung aktualisiert, entfaltet werden.

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