Donnerstag, 28. Juni 2012

Materie, Form und Sein


Die 9. These der „24 bestätigten Thesen der thomistischen Philosophie“ lautet: „ Keiner dieser beiden Teile [gemeint sind Form und Materie] hat an sich das Sein, noch wird er an sich hervorgebracht oder vernichtet, noch wird er in eine Aussageform (= Kategorie) gebracht, es sei denn in Rückführung als substantielles Prinzip.“ Der Satz ist sicher nicht unmittelbar einleuchtend, sondern im Gegenteil schwer verständlich. Hier nun der Versuch einer kurzen Erklärung.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Der methodische Zweifel


Die Theorie des methodischen Zweifels geht vor allem auf Rene Descartes zurück. Der Zweifel besteht darin, dass man von der Gewissheit einer Wahrheit absieht, um diese durch eine wissenschaftliche Untersuchung zu prüfen. Um zu einer vollkommenen Gewissheit zu gelangen, behandelt man eine Wahrheit gewissermaßen so, als gäbe es sich nicht. Descartes kam durch den methodischen Zweifel zu seiner Auffassung, dass man an allem zweifeln kann, nur nicht an der Einsicht, dass ich zweifele, was er in dem berühmten Satz „Ich denke, also bin ich (cogito ergo sum)“ zusammenfasste. Im Ausgang von dieser, seiner Meinung nach, absolut gewissen Erkenntnis, wollte er die gesamte Philosophie entwickeln. Inwieweit ist ein solcher Zweifel berechtigt?

Mittwoch, 16. Mai 2012

24 Thesen zur Thomistischen Philosophie


Anfang des 20. Jahrhunderts hat eine päpstliche Studienkommission unter Papst Pius X. die wesentlichen Gehalte der thomistischen Philosophie in 24 Thesen zusammengefasst. Diese Thesen sind ein hervorragender Leitfaden zur Einführung und zum Verständnis dieser Philosophie. Freilich ist die Formulierung dieser Thesen oftmals etwas umständlich, begrifflich und nicht leicht verständlich. Sie lassen sich allerdings gut gebrauchen, um entlang einer Erläuterung dieser Thesen die thomistische Philosophie in ihrem Kerngehalt zu erläutern. Dies soll in diesem Blog in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin geschehen. Wir haben im folgenden Text die zentralen Begriffe mit Beiträgen aus diesem Blog zu den jeweiligen Themen verlinkt. In den U.S.A. sind diese Thesen bei den neueren analytisch orientierten Thomisten sehr verbreitet.  Hier zunächst die 24 Thesen:

Freitag, 13. April 2012

Thomistische Erkenntnistheorie: Die Identitätsthese


In besonders klarer und erhellender Weise erklärt Dominik Perler in seinem Buch: Zweifel und Gewissheit. Skeptische Debatten im Mittelalter", die Theorie Thomas von Aquins über die Identität der Form des Gegenstandes mit der Form, die der Intellekt in der Erkenntnis aufnimmt. Ermacht diese These verständlich und für moderne Leser nachvollziehbar durch eine Analogie mit der Installation eines Computerprogramms auf der Festplatte.

Samstag, 17. März 2012

"Nachgeburtliche Abtreibung"


Verschiedene Presseorgane berichteten in den vergangenen Tagen über einen Beitrag im "Journal for Medical Ethics" von zwei australischen Philosophen, die in der genannten Zeitschrift unter dem Titel "After-birth abortion: why should the baby live?" sich für eine Tötung von Neugeborenen auch in den ersten Tagen oder Wochen nach der Geburt aussprachen. Für die Medien ist dieser Beitrag sicher etwas Neues, doch in philosophischen Fachzeitschriften und Büchern wird schon seit Jahrzehnten ähnliches diskutiert. Bekanntester Vertreter in dieser Richtung in der australische Philosoph Peter Singer der auch in Deutschland Anhänger hat, wenn diese auch weniger radikal als Singer sind, allerdings in den Prinzipien übereinstimmen. Genannt seien hier nur der Düsseldorfer Ethiker Dieter Birnbacher oder Norbert Hoerster aus Mainz.

Donnerstag, 1. März 2012

Thomistische Erkenntnistheorie


Die derzeit beste Gesamtdarstellung der Erkenntnistheorie Thomas von Aquins findet sich in dem auch sonst empfehlenswerten Buch des Schweizer Philosophen Dominik Perler, der als Professor für theoretische Philosophie an der BerlinerHumboldt-Universität tätig ist. Perler ist kein Scholastiker, sondern Spezialist für die frühe neuzeitliche Philosophie. Im Jahre 2006 erhielt er den Leibniz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. In seiner Habilitationsschrift "Theorien der Intentionalität im Mittelalter" beschäftigt er sich im 1. Teil auf etwa 70 Seiten mit der Intentionalitätstheorie, bzw. mit der Thomistischen Erkenntnistheorie.

Sonntag, 26. Februar 2012

Sein und Sollen


In der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schreibt der Redakteur  Lorenz Jäger in der Kolumne "Exerzitien" einen hervorragenden Beitrag über das Thema Sein und Sollen. Jäger schrieb früher fast ausschließlich diese Kolumne, doch seit einiger Zeit nur noch einmal im Monat, was der Qualität der "Exerzitien" leider sehr geschadet hat. Die anderen Autoren sind zumeist oberflächlich und langweilig. Jäger beginnt seinen Beitrag direkt mit dem Hinweis auf David Hume (1711 - 1776) der zu den schärfsten Kritikern der Zusammengehörigkeit von Sein und Sollen gehört und dessen Position in der Gegenwartphilosophie gewissermaßen zum unhinterfragten Dogma geworden ist. Lorenz Jäger führt das entsprechende Zitat von Hume an:

Samstag, 25. Februar 2012

Relationen


Relationen oder Beziehungen sind Verhältnisse zwischen zwei oder mehreren Entitäten. Zu einer Relation gehören die aufeinander bezogenen Dinge, der Grund der Beziehung und die Beziehung selbst. Subjekt der Beziehung ist dasjenige, von dem die Beziehung ausgesagt wird und dasjenige, worauf das Subjekt sich bezieht heißt Terminus (auch Ziel genannt). Eine Kritik der modernen Philosophie an der Scholastik ist, dass sie die Natur der Relationen nicht erfasst hat; eine Kritik übrigens, die auf den Nominalismus tatsächlich zutrifft, nicht jedoch auf die realistische Philosophie der Scholastik. Allerdings unterscheidet sich diese Theorie der Relationen deutlich von der moderner Philosophen wie z.B. Bertrand Russell, der Relationen als zwei oder mhrstellige Universalien analysiert hat.

Freitag, 24. Februar 2012

Das Sein ist das Ersterkannte


Nach scholastischer Auffassung ist das zu allererst Erkannte des Verstandes nicht irgendein bestimmte Gegenstand, sondern: das Sein. Praktisch alle anderen philosophischen Systeme, insbesondere der Empirismus, bestreiten dies ganz entschieden, denn der Empirist ist überzeugt, dass wir irgendwelche individuellen Sinnesdaten zuerst erfassen. Dass diese empiristische Auffassung aber mit erheblichen Problemen belastet ist, zeigt sich nicht nur in Lockes Abstraktionstheorie. Die scholastische Theorie, dass das Sein das Ersterkannte ist, hat unter anderem den großen Vorteil, dass deren Abstraktionstheorie den Aporien des Empirismus aus dem Weg geht.

Freitag, 10. Februar 2012

Definitionen


Alles was existiert hat eine Wesenheit oder Natur. Die Wesenheit oder Natur einer Sache wird in der Definition ausgedrückt. Entsprechend gilt: Alles ist definierbar. Allerdings darf dieser Satz nicht erkenntnistheoretisch verstanden werden, denn faktisch, epistemisch, ist vieles nicht oder nur unvollständig definierbar. Der Satz ist ontologisch zu verstehen in dem Sinne, dass alles, was eine Wesenheit oder Natur hat auch eine Definition hat, selbst wenn es schwierig ist, diese Definition auszudrücken. Die Frage, der ich mich in diesem Beitrag widmen möchte lautet: Was ist eine Definition?