Dienstag, 28. August 2012
Post-Postmoderne Metaphysik
In einem Beitrag für die in Würzburg erscheinende katholische Tageszeitung „Die Tagespost“ äußert sich Christoph Böhr (der offensichtlich nicht Philosoph, sondern Journalist ist) über die „Metaphysik nach der Postmoderne“. Doch das, was unter diesem vielversprechenden Titel geschrieben wird, trieft vor Subjektivismus und neuzeitlichem Denken, dass es bestenfalls in den 20er Jahren des 20. Jahrhundert verortet werden kann, aber ganz gewiss keine Alternative zur kritisierten Postmoderne oder zum Positivismus darstellt.
Montag, 27. August 2012
Scholastiker ist zurück
Scholastiker ist aus dem Urlaub zurückgekehrt und mit dem Blog geht’s weiter. Ich war auch auf philosophischen Tagungen. Leider gibt es (noch) keine solchen Tagungen zur neuen Scholastik. Allerdings habe ich erfahren, dass für das kommende Jahr auch in Deutschland eine solche Konferenz geplant ist. Sobald ich mehr darüber weiß, werde ich in diesem Blog darüber informieren. Auf philosophischen Fachkonferenzen geht es seit Jahren praktisch nur um ein einziges Thema: die Versuche, alles was es gibt materialistisch zu reduzieren.
Mittwoch, 25. Juli 2012
Die Unteilbarkeit der Substanz
Die 10. These der 24 Thesen zur Thomistischen Philosophie bezieht sich auf das Verhältnis von Substanz und Ausdehnung. Ein häufiges Missverständnis philosophischer Laien die das Wort „Substanz“ hören besteht darin, dieses mit dem Ding selbst zu identifizieren. Doch die Substanz im philosophischen Sinne – und dies gilt nicht nur für die aristotelisch-thomistische Philosophie – ist nicht „körperlich“, nicht ausgedehnt, selbst wenn es sich um eine körperliche bzw. materielle Substanz handelt.
Freitag, 20. Juli 2012
Teleologie: Intelligent Design und Scholastik
Teleologie ist die Lehre, dass Dinge, Ereignisse, Tätigkeiten, Veränderungen und natürlich Handlungen zweckgerichtet sind. Abgesehen davon, dass solche Theorien mehr als umstritten sind (man vergleiche nur den Wikipedia-Eintrag http://de.wikipedia.org/wiki/Teleologie), gibt es einen sehr deutlichen Unterschied zwischen den Verständnis von Teleologie in der sogenannten Intelligent Design Theorie (ID), die heute besonders in den USA sehr weit verbreitet ist und den Verständnis von Teleologie in der aristotelisch-scholastischen Philosophie (A-T). In einem Satz auf den Punkt gebracht besteht der Unterschied darin, dass die ID Theorie nur externe Zwecke verteidigt, während die A-T Philosophie insbesondere immanente Zweckursachen kennt.
Donnerstag, 28. Juni 2012
Materie, Form und Sein
Die 9. These der „24 bestätigten Thesen der thomistischen Philosophie“ lautet: „ Keiner dieser beiden Teile [gemeint sind Form und Materie] hat an sich das Sein, noch wird er an sich hervorgebracht oder vernichtet, noch wird er in eine Aussageform (= Kategorie) gebracht, es sei denn in Rückführung als substantielles Prinzip.“ Der Satz ist sicher nicht unmittelbar einleuchtend, sondern im Gegenteil schwer verständlich. Hier nun der Versuch einer kurzen Erklärung.
Donnerstag, 14. Juni 2012
Der methodische Zweifel
Die Theorie des methodischen Zweifels geht vor allem auf Rene Descartes zurück. Der Zweifel besteht darin, dass man von der Gewissheit einer Wahrheit absieht, um diese durch eine wissenschaftliche Untersuchung zu prüfen. Um zu einer vollkommenen Gewissheit zu gelangen, behandelt man eine Wahrheit gewissermaßen so, als gäbe es sich nicht. Descartes kam durch den methodischen Zweifel zu seiner Auffassung, dass man an allem zweifeln kann, nur nicht an der Einsicht, dass ich zweifele, was er in dem berühmten Satz „Ich denke, also bin ich (cogito ergo sum)“ zusammenfasste. Im Ausgang von dieser, seiner Meinung nach, absolut gewissen Erkenntnis, wollte er die gesamte Philosophie entwickeln. Inwieweit ist ein solcher Zweifel berechtigt?
Mittwoch, 16. Mai 2012
24 Thesen zur Thomistischen Philosophie
Anfang des 20. Jahrhunderts hat eine päpstliche Studienkommission unter Papst Pius X. die wesentlichen Gehalte der thomistischen Philosophie in 24 Thesen zusammengefasst. Diese Thesen sind ein hervorragender Leitfaden zur Einführung und zum Verständnis dieser Philosophie. Freilich ist die Formulierung dieser Thesen oftmals etwas umständlich, begrifflich und nicht leicht verständlich. Sie lassen sich allerdings gut gebrauchen, um entlang einer Erläuterung dieser Thesen die thomistische Philosophie in ihrem Kerngehalt zu erläutern. Dies soll in diesem Blog in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin geschehen. Wir haben im folgenden Text die zentralen Begriffe mit Beiträgen aus diesem Blog zu den jeweiligen Themen verlinkt. In den U.S.A. sind diese Thesen bei den neueren analytisch orientierten Thomisten sehr verbreitet. Hier zunächst die 24 Thesen:
Freitag, 13. April 2012
Thomistische Erkenntnistheorie: Die Identitätsthese
In besonders klarer und erhellender Weise erklärt Dominik Perler in seinem Buch: Zweifel und Gewissheit. Skeptische Debatten im Mittelalter", die Theorie Thomas von Aquins über die Identität der Form des Gegenstandes mit der Form, die der Intellekt in der Erkenntnis aufnimmt. Ermacht diese These verständlich und für moderne Leser nachvollziehbar durch eine Analogie mit der Installation eines Computerprogramms auf der Festplatte.
Samstag, 17. März 2012
"Nachgeburtliche Abtreibung"
Verschiedene Presseorgane berichteten in den vergangenen Tagen über einen Beitrag im "Journal for Medical Ethics" von zwei australischen Philosophen, die in der genannten Zeitschrift unter dem Titel "After-birth abortion: why should the baby live?" sich für eine Tötung von Neugeborenen auch in den ersten Tagen oder Wochen nach der Geburt aussprachen. Für die Medien ist dieser Beitrag sicher etwas Neues, doch in philosophischen Fachzeitschriften und Büchern wird schon seit Jahrzehnten ähnliches diskutiert. Bekanntester Vertreter in dieser Richtung in der australische Philosoph Peter Singer der auch in Deutschland Anhänger hat, wenn diese auch weniger radikal als Singer sind, allerdings in den Prinzipien übereinstimmen. Genannt seien hier nur der Düsseldorfer Ethiker Dieter Birnbacher oder Norbert Hoerster aus Mainz.
Donnerstag, 1. März 2012
Thomistische Erkenntnistheorie
Die derzeit beste Gesamtdarstellung der
Erkenntnistheorie Thomas von Aquins findet sich in dem auch sonst
empfehlenswerten Buch des Schweizer Philosophen Dominik Perler, der
als Professor für theoretische Philosophie an der BerlinerHumboldt-Universität tätig ist. Perler ist kein Scholastiker, sondern Spezialist für
die frühe neuzeitliche Philosophie. Im Jahre 2006 erhielt er den
Leibniz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. In seiner
Habilitationsschrift "Theorien der Intentionalität im
Mittelalter" beschäftigt er sich im 1. Teil auf etwa 70 Seiten
mit der Intentionalitätstheorie, bzw. mit der Thomistischen
Erkenntnistheorie.
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