Freitag, 10. September 2021

Thomas von Aquin über Humor und soziales Leben


In Summa Theologiae II-II.168.2-4 erörtert Thomas von Aquin die wesentliche Rolle, die Spiel und Humor im menschlichen Leben spielen.  Sie sind notwendig für die Gesundheit des Einzelnen, da der Geist bei ihrem Fehlen müde und angespannt wird.  Und sie sind notwendig für die Gesundheit des sozialen Lebens, das ohne die Fähigkeit zu lachen und gemeinsam zu spielen ähnlich angespannt wäre.  Die Tugend des Witzes ist die Charaktereigenschaft, die dieses menschliche Bedürfnis erleichtert.  Natürlich können wir, wie in jedem anderen Bereich des menschlichen Lebens, durch Übermaß sündigen, wenn wir auf unangemessene Weise oder zur unpassenden Zeit scherzen oder in unserer allgemeinen Lebensweise ernste Dinge nicht ernst genug nehmen.  Aber wir können auch durch einen Mangel sündigen, indem wir zu wenig angenehm und bereit sind, mit unseren Mitmenschen zu spielen.  Thomas vom Aquin schreibt:

 

Konfuzius und die Bundestagswahl 2021


Was ist wesentlich für eine gut funktionierende Gesellschaft?  In einer berühmten Passage aus der Großen Lehre, die traditionell Konfuzius (551-479 v. Chr.) zugeschrieben wird, sagt der Philosoph:

Die Alten, die im ganzen Reich eine glänzende Tugend zeigen wollten, ordneten zuerst ihre eigenen Staaten gut.  Um ihre Staaten gut zu ordnen, ordneten sie zuerst ihre Familien.  Um ihre Familien zu ordnen, kultivierten sie zuerst ihre Personen.  In dem Bestreben, ihre Persönlichkeit zu kultivieren, richteten sie zuerst ihre Herzen aus.  Um ihre Herzen zu berichtigen, versuchten sie zuerst, in ihren Gedanken aufrichtig zu sein.  In dem Bestreben, in ihren Gedanken aufrichtig zu sein, erweiterten sie zunächst ihr Wissen bis zum Äußersten.  Eine solche Erweiterung des Wissens lag in der Erforschung der Dinge.

 

Mittwoch, 4. August 2021

Papst Franziskus und die katholische Tradition


 Eigentlich ist dies ein philosophisches Blog, aber gelegentlich erlaube ich mir, auch theologische oder politische Themen zu behandeln. Kürzlich hat Papst Franziskus ein sogenanntes motu proprio veröffentlicht, das den Titel Traditionis Custodes trägt, also „Hüter der Tradition“. Der Titel könnte aus dem „Neusprech“ des Romans „1984“ stammen, denn der Inhalt bedeutet faktisch die Abschaffung der Tradition, zumindest die Abschaffung der traditionellen, auf Papst Gregor den Großen (6. Jahrhundert) zurückgehenden lateinischen Messe. Edward Feser hat dazu einen Text verfasst, dem ich nicht in allen Punkten zustimmen kann, der aber dennoch wertvoll ist und eine gute Kritik dieses Dokuments darstellt.

 

Dienstag, 3. August 2021

Die metaphysischen Voraussetzungen der formalen Logik

 


In verschiedenen Beiträgen dieses Blogs bin ich immer wieder auf Fragen der Logik eingegangen und habe den Unterschied der klassischen-aristotelischen Logik zur modernen mathematischen Logik herausgestellt. Erst kürzlich ist dazu eine dreibändige Einführung in die klassische-aristotelische Logik erschienen, die ich sehr empfehlen kann.  Auf die Probleme einer unkritischen Anwendung der modernen Logik auf philosophische Probleme geht jetzt Edward Feser in einem aktuellen Beitrags seines Blogs ein, den ich hier in deutscher Übersetzung wiedergebe:

 Mit "Logik" können wir (a) die Regeln meinen, die den Unterschied zwischen gutem und schlechtem Denken bestimmen, oder (b) ein formales System, das diese Regeln in einer bestimmten Weise kodifiziert, wie die Systeme der Aussagen- und Prädikatenlogik, die heutige Studenten der analytischen Philosophie als Routinebestandteil ihrer Ausbildung lernen.  Das ist nicht dasselbe, und es ist ein Irrtum, sie zu verwechseln.

 

Mittwoch, 14. Juli 2021

Aristotelisch-Thomistische Philosophie im 21. Jahrhundert. Teil 2


 
Im Folgenden veröffentliche ich in mehreren Teilen ein Beitrag über die aktuellen Entwicklungen in der aristotelisch-thomistischen Philosophie, der kürzlich in einem Sonderheft der Zeitschrift „DIVINITAS. Rivista Internazionale di Ricerca e di Critica Teologica“ erscheinen ist. Der Beitrag passt sehr gut zu meinem Blog, da er die „Neue Scholastik im 21. Jahrhundert“ perfekt darstellt und zusammenfasst. Der Beitrag hat im Druck allerdings 16 Seiten, so dass ich ihn in verschiedene Teile aufteilen muss. Hier nun der erste Teil dieses Artikels.

Dienstag, 6. Juli 2021

Neugierde verdammt die Katze

 


Thomas von Aquin sagt uns, dass Neugier ein Laster ist.  Bevor Sie sich an Ihre Erbsen klammern, lieber atheistischer Leser, sollten Sie wissen, dass Thomas das Streben nach Wissen als solches nicht verdammte.  Im Gegenteil, er bezeichnet ein solches Streben als "Gelehrsamkeit", und er betrachtete es als Tugend, nicht als Laster.  "Neugierde", wie Thomas von Aquin den Begriff verwendet, bezieht sich stattdessen auf intellektuelle Bestrebungen, die in irgendeiner Hinsicht ungeordnet sind.  (Vergleiche: Die Sünde des Zorns ist nicht der Zorn, sondern das Nachgeben des ungeordneten Zorns; die Sünde der Lust ist nicht das sexuelle Verlangen, sondern das Nachgeben des ungeordneten sexuellen Verlangens; und so weiter.  In jedem Fall ist es nicht die Sache, sondern der Missbrauch der Sache, der verurteilt wird).

 

Aristotelisch-Thomistische Philosophie im 21. Jahrhundert. Teil 1


 Im Folgenden veröffentliche ich in mehreren Teilen ein Beitrag über die aktuellen Entwicklungen in der aristotelisch-thomistischen Philosophie, der kürzlich in einem Sonderheft der Zeitschrift „DIVINITAS. Rivista Internazionale di Ricerca e di Critica Teologica“ erscheinen ist. Der Beitrag passt sehr gut zu meinem Blog, da er die „Neue Scholastik im 21. Jahrhundert“ perfekt darstellt und zusammenfasst. Der Beitrag hat im Druck allerdings 16 Seiten, so dass ich ihn in verschiedene Teile aufteilen muss. Hier nun der erste Teil dieses Artikels.

Dienstag, 1. Juni 2021

Grisez über das Abwägen zwischen Gesundheit und anderen Überlegungen

 


Im Folgenden gebe ich einen jüngst veröffentlichten Text von Edward Feser wieder, der sich mit dem Problem von COVID-19 und besonders mit den unangemessenen Reaktionen von Seiten der Regierenden beschäftigt. Dabei nimmt Feser Bezug auf den bekanntesten Vertreter der sogenannten New Natural Law Theory, also der „Neuen Naturrechtstheorie“, über die sowohl Feser als auch ich selbst (in diesem Blog) uns kritisch geäußert haben. In der Frage der Angemessenheit der Maßnahmen der Regierungen auf die Covid-19 Krise jedoch vertritt Grisez eine eher klassische Position. Der folgende Text von Feser stellt eine gute Ergänzung zu meinem jüngsten Beitrag zum Thema dar. Da der folgende Text für die Verhältnisse in Deutschland mindestens genauso zutrifft wie in den USA, habe ich übersetzt und möchte ich ihn empfehlen.

 

Dienstag, 25. Mai 2021

Gemeinwohl, Subsidiarität und Corona. Teil 2

 


Im 1. Teil wurden die Grundlagen für eine Diskussion der Frage vorgestellt, ob die Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie angemessen, bzw. ob diese Maßnahmen im Sinne des Gemeinwohls sind. Dabei wurde der Begriff des Gemeinwohls definiert und die außerordentliche große Bedeutung der Subsidiarität für das Gemeinwohl hervorgehoben. Es wurde die Definition gegeben, dass etwas im Sinne des Gemeinwohls ist, genau dann, wenn es die Mittel zur Verfügung stellt, damit eine Person, oder eine Gemeinschaft in die Lage versetzt wird, ihren Zweck selbständig zu verwirklichen.

 

Dienstag, 18. Mai 2021

Gemeinwohl, Subsidiarität und Corona. Teil 1

 


Bei der Diskussion um das Für und Wider der von Seiten der Regierenden getroffenen Maßnahmen wird selten Bezug genommen auf die Frage des Gemeinwohls. Das Gemeinwohl ist aber die Aufgabe des Staates. Alle Maßnahmen des Staates und der staatlichen Organe muss auf das Gemeinwohl gerichtet sein. Deshalb muss man die Frage stellen, ob die Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie dem Gemeinwohl nützen oder schaden. Insbesondere der sogenannte Lockdown, die nahezu vollständige Schließung der wirtschaftlichen, kulturellen, schulischen, universitären etc. Einrichtungen hat schwerwiegende Folgen für die ganze Gemeinschaft. Andererseits gehört die Gesundheitsfürsorge zu den Aufgaben des Staates im Sinne des Gemeinwohls. Es ist also ein Abwägung erforderlich. Im folgenden Beitrag soll zunächst die klassische, aristotelisch-scholastische Theorie von Gemeinwohl und Subsidiarität dargestellt werden. In einem späteren Beitrag werde ich dann diese Theorie konkreter auf die Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Pandemie anwenden.