Dienstag, 16. Februar 2021

Narratives Denken und Verschwörungstheorien


 „Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind" ist eine der berühmtesten Zeilen aus Joseph Hellers "Catch-22".  Ich schlage eine logische Konsequenz vor: Nur weil sie hinter dir her sind, heißt das nicht, dass du nicht paranoid bist.

 Ein Beitrag von Edward Feser

 In zwei Artikeln bei Rorate Caeli (hier und hier) bietet der traditionalistische katholische Historiker Roberto de Mattei einige erhellende Beobachtungen über paranoide Denkweisen, die in einigen rechten Kreisen vorherrschen, wie etwa die QAnon-Theorie.  Diese werden gewöhnlich als „Verschwörungstheorien" kritisiert, aber wie De Mattei betont, ist es nicht das Problem, dass sie bösartige linke Verschwörungen postulieren.  Linke Ideen dominieren tatsächlich die Nachrichtenmedien, die Universitäten, die Unterhaltungsindustrie, die Personalabteilungen der Unternehmen und so weiter.  Linke Politiker und Meinungsmacher sind tatsächlich extrem feindselig gegenüber traditionellen moralischen und religiösen Ansichten und bedrohen in einigen Fällen die Freiheit der Menschen, diese zu äußern.  Ein transformatives Projekt wie The Great Reset ist kein Produkt rechter Fantasie - es hat seine eigene offizielle Website, um Himmels willen.  Linke in der Regierung, in der Presse, in NGOs usw. haben gemeinsame Werte und Ziele und arbeiten zusammen, um sie voranzutreiben.  Die „Verschwörung" hier ist nicht geheim oder hypothetisch, sondern offen.

 

Montag, 15. Februar 2021

Die politischen Nachfolger der gnostischen Häresie


In einem Beitrag zu seinem Blog hat der amerikanische Philosoph und Thomist Edward Feser eine auf den Naturrechtstheoretiker Eric Voegelin (unser Bild) beruhende Analyse der neuen linken Bewegungen verfasst. Gemeint sind hier radikal linke (und auch rechte) Bewegungen mit einem verschwörungstheoretischen Hintergrund, wie die sogenannte „Kritische Rassentheorie“ (CRT), die Genderideologie und andere radikal feministische Ideologien, aber auch die aus dem rechten Milieu stammende QAnon-Bewegung. Der Beitrag ist besonders interessant, insbesondere auch für scholastische Philosophen, weil er einen Bogen zieht von den verschiedenen gnostischen Irrlehren der Antike und des Mittelalters hin zu diesen Bewegungen und damit verständlich macht, dass alle Ideologien der Neuzeit ihren Ursprung in christlichen Häresien haben.

 

Freitag, 22. Januar 2021

Klassische aristotelische Logik: Band 1: Einführung und Band 2: Fortgeschrittene

 


Inzwischen ist der erste Band bereits in jeder Buchhandlung erhältlich und der zweite Band – die Fortsetzung des ersten Bandes – erscheint Mitte Februar. Die Vorworte und Einführungen mit dem Inhaltsverzeichnis möchte ich Ihnen heute präsentieren. Vielleicht bekommen Sie dadurch Lust, diese Einführungen in die klassische aristotelische Logik zu lesen. Nebenbei: So weit mir bekannt, ist dies die einzige deutschsprachige Einführung in die klassische Logik.

Dienstag, 5. Januar 2021

Neue Buchreihe zur klassischen aristotelischen Logik


 Im Verlag editiones scholasticae erscheint in Kürze eine neue dreibändige Reihe zur Einführung in die klassische aristotelische Logik von Rafael Hüntelmann. Die drei Bände sind so angelegt, dass sie für jeden Interessierten verständlich sind und sogar für Schüler geeignet sein sollen. Der erste Band erscheint bereits in etwa einer Woche, die beiden anderen Bände kommen noch in diesem Jahr. Weitere Informationen zu Reihe hier. Grundkurs klassische aristotelische Logik – Editiones Scholasticae (editiones-scholasticae.de)

 

Montag, 4. Januar 2021

„Feinde“ – von Ferdinand von Schirach aus philosophischer Perspektive

 


Am gestrigen Sonntag konnte man eine weitere Verfilmung eines Beststellers des Autors Ferdinand von Schirach in der ARD sehen. Eigentlich waren es zwei Filme mit zwei verschiedenen Perspektiven, der Perspektive des ermittelnden Polizeibeamten und der Perspektive des Anwalts des Täters. Wie bei allen mir bekannten Verfilmungen der Bücher von Schirachs geht es eigentlich um eine Auseinandersetzung zwischen zwei philosophischen ethischen Theorien: der deontischen oder kantischen Ethik und der konsequentialistischen Ethik. Leider wird dies in den Verfilmungen oft nicht deutlich, da juristische Fragen im Mittelpunkt stehen. Ich möchte deshalb den vorstellten Fall philosophisch analysieren und die Fragestellung des Films naturrechtlich beantworten.

 

Freitag, 11. Dezember 2020

Die Tyrannei des souveränen Individuums

 


Das Individuum, das isoliert ist, ist nicht selbstgenügsam; und deshalb ist es wie ein Teil im Verhältnis zum Ganzen.  Wer aber unfähig ist, in Gesellschaft zu leben, oder wer kein Bedürfnis hat, weil er sich selbst genügt, muss entweder ein Tier oder ein Gott sein.

Aristoteles, Politik, Buch I

 

In der amerikanischen Zeitschrift The American Conservative interviewt Rod Dreher den Theologen Carl Trueman zu seinem neuen Buch The Rise and Triumph of the Modern Self.  Trueman argumentiert, dass der Zusammenbruch der traditionellen Sexualmoral nur als Folge einer radikal individualistischen Auffassung des Selbst verstanden werden kann, die sich im Laufe der Moderne immer tiefer in jeden Winkel des westlichen Geistes eingegraben hat – auch in den Köpfen vieler sogenannter Konservativer.  Doch zu wenige Verteidiger der traditionellen Sexualmoral sind sich dessen bewusst.  Trueman sagt:

 

Dienstag, 24. November 2020

GOTT von Ferdinand von Schirach und die Sterbehilfe

 


Am 23. November wurde in der ARD ein Kammerspiel des Autors Ferdinand von Schirach gesendet, bei dem es um die sogenannte Sterbehilfe gab. Es ging um den konstruierten aber denkbaren Fall eines gesunden 78-jährigen Mannes, dessen Ehefrau unter großen Qualen gestorben war und der nun selbst von einem Arzt einen assistierten Selbstmord erbat. Dazu gab es eine Verhandlung vor einer Ethikkommission und die Zuschauen konnten zum Schluss entscheiden, ob es dem Mann, Herrn Gärtner, erlaubt sein soll, mit Hilfe eines Arztes, der ihm ein Medikament verabreicht, zu sterben. Kaum überraschend stimmten über 70% der Zuschauen mit einem „Ja“ ab. Ein zentrales Thema, das während der gesamten „Verhandlung“ im Zentrum stand, wurde allerdings außer Acht gelassen: Die Frage der „Autonomie“.

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Sozialphilosophische Prinzipien: Gemeinwohl und Corona-Pandemie


 Ziel des Staates und aller staatlichen Maßnahmen ist das Gemeinwohl. Die Definition des Gemeinwohls lautet:

 Das Gemeinwohl ist die Gesamtheit der Bedingungen, durch die der Möglichkeit nach alle Glieder eines Staates frei und selbständig ihr irdischen Glück erreichen können.

 

Dienstag, 20. Oktober 2020

Wer war Thomas von Aquin?

 


Thomas von Aquin ist einer der größten christlichen Denker aller Zeiten. 1568 erklärte die römisch-katholische Kirche ihn zum Kirchenlehrer. Seine Schriften waren auch für Philosophen einflussreich, und nur wenige würden heute bestreiten, dass Thomas es verdient, den philosophischen Giganten zugeordnet zu werden, neben Platon (427348 v. Chr.), René Descartes (15961650), Immanuel Kant (17241804) und Ludwig Wittgenstein (19891951).

Freitag, 16. Oktober 2020

Die Herrschaft der Gesetzlosigkeit. Ein Rundumschlag: Corona, Antirassismus, cancel-culture, Tyrannei u.a.

 


Seit meinem letzten Blogbeitrag ist viel Zeit vergangen. Es hat sich sehr viel ereignet, aber aus verschiedenen Gründen, besonders wegen meiner beruflichen Aufgaben, bin ich nicht dazu gekommen, darauf zu reagieren.

Nun habe ich auf das Blog von Edward Feser einen Beitrag entdeckt, der alle wichtigen Ereignisse der letzten Wochen kritisch beleuchtet und philosophisch einordnet, natürlich unter der Perspektive der thomistischen Philosophie. Daher habe ich mich entschlossen, diesen umfangreichen Beitrag zu übersetzen. Der Text bezieht sich zwar auf die Verhältnisse in den USA, aber sie spiegeln vieles wider, was auch in Europa und in Deutschland geschieht.