Je nach dem, welche philosophische Position von jemandem vertreten wird, wird der aristotelisch-thomistischen (A-T) Erkenntnistheorie einmal ein “naiver Realismus”, ein andermal eine repräsentationalistische Theorie der Erkenntnis unterstellt. Der Repräsentationalismus ist, ganz allgemein gesagt, die Auffassung, dass es mentale Repräsentationen gibt. Und in dieser allgemeinen Form ist es richtig, dass die aristotelisch-thomistische Philosophie zum Repräsentationalismus zu zählen ist. Allerdings versteht man unter dem Begriff Repräsentationalismus viel mehr als nur, dass es mentale Repräsentationen gibt. Dass es solche Repräsentationen gibt wird nämlich von fast niemanden, außer von sogenannten direkten Realisten bestritten, mit denen ich mich heute aber nicht beschäftigen möchte.
Dienstag, 17. September 2013
Dienstag, 27. August 2013
Jetzt auch auf Deutsch
Der Verlag editiones scholasticae hat jetzt eine deutsche Übersetzung des Buches „The System of Thomas Aquinas“ unter dem deutschen Titel „Die Philosophie des Thomas von Aquin“ veröffentlicht. Es ist sicher eines der besten Einführungen in die Gedankenwelt des Aquinaten und der aristotelisch-scholastischen Philosophie insgesamt.
Samstag, 24. August 2013
Das Gute ist immer und überall…
In der modernen Moralphilosophie wird die Qualität „das Gute“ häufig als eine außergewöhnliche Eigenschaft dargestellt, die nur moralischen Handlungen zukommt. Dadurch bleibt aber ungeklärt, woher diese Qualität kommt und worin sie ihr ontologisches Fundament hat. Dies wiederum hängt wesentlich damit zusammen, dass die neuzeitliche Moralphilosophie nicht viel für Ontologie und Metaphysik übrig hat und der Auffassung ist, dass man Ethik auch ohne Metaphysik betreiben kann, ja sogar sollte. Die klassische Philosophie ist hier anderer Auffassung.
Sonntag, 4. August 2013
Sterbliche Seelen. Philosophie der Biologie
Was in der klassischen Philosophie unter dem Titel „philosophische Psychologie“ firmierte, existiert so in der modernen Philosophie nicht mehr. Ein Teil dieses umfassenden philosophischen Fachgebietes wird in der analytischen Philosophie der Gegenwart in drei verschiedenen Teilgebieten behandelt. Da ist zunächst die Philosophie der Biologie, dann die Philosophie des Geistes und schließlich die Erkenntnistheorie. Jedes dieser drei Gebiete behandelt nur einen Ausschnitt dessen, was früher unter philosophischer Psychologie thematisiert wurde. Die 14. These der 24 bestätigten Thesen der thomistischen Philosophie, die ich in diesem Blog von Zeit zu Zeit erläutere, bezieht sich auf die Philosophie der Biologie, bzw. auf die „Seele“ der Pflanzen und Tiere. Weil es um die Seele der Pflanzen und Tiere geht, fällt diese Untersuchung in der klassischen Philosophie in die philosophische Psychologie.
Freitag, 26. Juli 2013
„Grundkurs Philosophie 2“ erschienen
Der zweite Band des von Rafael Hüntelmann verfassten „Grundkurs Philosophie“ ist erschienen. Thema dieses Buches ist die Metaphysik, nach dem im ersten Band vor allem die Naturphilosophie unter dem Titel „Werden, Bewegung, Veränderung“ thematisiert wurde. Der zweite Band ist, wie schon der erste, gut lesbar, wie zahlreichen beispielhaften Erläuterungen versehen und verständlich geschrieben, wenn auch das Thema einiger Anstrengung bedarf und ein selbständiges Nachdenken erfordert.
Donnerstag, 4. Juli 2013
Argumente statt Bibel
In der vergangenen Woche hat das oberste Gericht der USA homosexuelle Beziehungen in jeder Beziehung mit der Ehe gleichgestellt. Das Land ist, wie auch viele andere Länder, in dieser Frage tief gespalten, doch geht diese Spaltung in den USA nicht einfach nach dem bekannten Rechts-Links Schema. Auch konservativ-liberale stimmten dem Urteil zu. Doch dies ist eigentlich nicht mein Thema. Was die USA in dieser Frage, aber auch hinsichtlich der Diskussion um die Abtreibung, von vielen anderen Ländern unterscheidet, ist der Hinweis auf die Bibel von Seiten der Kritiker. So twitterte der Präsident der American Family Association nach dem Urteil „Jesus weinte“, was sich auf eine Stelle aus dem Johannesevangelium bezieht. Nicht zu Unrecht sagte der liberal-konservative Fox-News Moderator Bill O’Reilly, dass Verteidiger der Ehe Argumente vorbringen sollten, statt „nur mit der Bibel auf den Tisch zu hauen“.
Mittwoch, 19. Juni 2013
Der falsche Materialismus
Vor etwa einem Jahr wurde in den USA ein Buch eines der derzeit führenden Philosophen, Thomas Nagel, veröffentlicht, das seither zu den am meisten diskutierten philosophischen Neuerscheinungen gehört. Der Titel des Buches lautet: Mind and Cosmos. Nicht nur in nahezu allen bedeutenden Fachzeitschriften, sondern auch in Tages- und Wochenzeitungen und insbesondere in philosophischen Blogs wird das Buch heiß diskutiert. Erfreulicherweise hat sich der Suhrkamp Verlag entschlossen, das Buch zu übersetzen; die Veröffentlichung unter dem Titel Thomas Nagel: Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist. wird Ende Oktober erscheinen und ist unbedingt zu empfehlen. Scholastiker hat das Buch bereits gelesen und gibt Ihnen hier eine Zusammenfassung des zentralen Arguments.
Freitag, 14. Juni 2013
Strebt Richard Dawkins nach Gott?
Obwohl Thomas von Aquin Herrn Dawkins, den englischen Führer der atheistischen Front, nicht kannte, hat er dennoch die Frage beantwortet, ob Leute seines Schlages letztlich doch nach Gott streben. Zwar war die Zahl der Atheisten im Mittelalter eher überschaubar, dennoch gab es damals, in einer der freiesten Gesellschaften der europäischen Geschichte, theoretische Atheisten (praktische Atheisten, wie es heute die Mehrzahl der Menschen sind, waren noch seltener als theoretische Atheisten). Denn in den Disputationen des Mittelalters wurde offen auch darüber gesprochen, dass es keinen Gott gibt. Thomas von Aquin geht im zweiten Artikel seiner Quaestio 22 der Quaestiones disputatae der Frage nach, ob alles (also auch Richard Dawkins und andere Atheisten) nach Gott strebt.
Dienstag, 11. Juni 2013
De Veritate: Erster Band der Übersetzung erschienen
Der Verlag Felix Meiner hat erfreulicherweise die Aufgabe übernommen, die Quaestiones disputatae, eines der großen Werke Thomas von Aquins, erstmals vollständig ins Deutsche zu übersetzen (bedauerlicherweise ohne lateinischen Text. Die Schuld darin liegt allerdings bei der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), die nicht bereit war, das Projekt finanziell mit einem Druckkostenzuschuss zu unterstützen, was zeigt, wie weit sich die die DBK von der großen Tradition der Philosophie entfernt hat). Der größte Teil der Quaestiones besteht aus dem Werk De Veritate / Über die Wahrheit, von dem es bisher nur ein stark gekürzte und nicht immer einwandfreie Übersetzung von Edith Stein gibt, die aber auch erst seit kurzem wieder zugänglich gemacht wurde. Das Werk in der Ausgabe des Verlags Felix Meiner ist auf insgesamt sechs Bände angelegt; der fünfte Band ist soeben erscheinen und Scholastiker hat ihn gelesen.
Mittwoch, 22. Mai 2013
Frege-Konferenz in Wismar
Vom 12.-15. Mai fand in Wismar eine hochkarätig besetzte internationale Frege-Konferenz statt, über die erst heute auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Wissenschaftsbeilage berichtet (Bericht von Wolfgang Krischke). Gottlob Frege (+1925) ist nach Aristoteles der wohl bedeutendste Logiker der Geschichte. Nicht nur die Philosophie und Mathematik, sondern auch die gesamte moderne Informatik und Automatentechnik ist ohne Frege überhaupt nicht denkbar. Dennoch war er zu Lebzeiten und noch lange danach in Deutschland so gut wie unbekannt. Das Anliegen Freges war die Zurückführung der Arithmetik auf Logik, ein Projekt, das bis heute unter dem Titel „Logizismus“ weitergeführt wird; bislang allerdings ohne letzten Erfolg.
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